Bremgarten

Sechs Teilzeitangestellte erfassen in Bremgarten das Grundbuch am Computer

Sechs Teilzeitangestellte arbeiten auf dem Grundbuchamt Bremgarten an der grössten Reform seit 100 Jahren: Sie tragen auf dem Grundbuchamt Bremgarten die Daten an ihren Computerarbeitsplätzen in die Listen ein. Der ganze Kanton stellt bekanntlich um.

Jörg Baumann
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Nunziata Passerini (neben ihr Grundbuchverwalter Felix Flory) gehört zum Team, das Grundbuchdaten auf Computerlisten überträgt. BA

Nunziata Passerini (neben ihr Grundbuchverwalter Felix Flory) gehört zum Team, das Grundbuchdaten auf Computerlisten überträgt. BA

Der Kanton Aargau stellt das Grundbuch um: Statt handschriftlich werden die Einträge in Zukunft elektronisch erfasst und verwaltet. Das ist hundert Jahre nach der Einführung des Zivilgesetzbuches und des Grundbuches ein grosser Schritt.

Auf dem Grundbuchamt Bremgarten sind die Arbeiten in vollem Gang: «Die Einträge von 13000 der 42000 Grundstücke im Bezirk Bremgarten wurden bisher ins elektronische System übernommen», erläutert Grundbuchverwalter Felix Flory. «Das ist für uns eine Herkulesaufgabe neben dem Tagesgeschäft.» Denn der Bezirk Bremgarten zählt heute schon 70 000 Einwohner und wächst weiter.

Sechs Angestellte an der Arbeit

Sechs externe Teilzeitangestellte, vier Frauen und zwei Männer, tragen auf dem Grundbuchamt Bremgarten die Daten an ihren Computerarbeitsplätzen in die Listen ein – unter ihnen auch die kaufmännische Angestellte Nunziata Passerini aus Muri. Sie arbeitete bis vor 15 Jahren in einem Baugeschäft und erstellte Offerten. Dann verabschiedete sie sich zugunsten der Familie aus dem Berufsleben. Letztes Jahr nahm sie als Wiedereinsteigerin den Job beim Grundbuchamt Bremgarten an. «Ich habe mich für ein 40-Prozent-Pensum entschieden», sagt Nunziata Passerini.

«Ich komme an zwei Vormittagen und zwei Nachmittagen aufs Grundbuchamt. Die Arbeit gefällt mir sehr.» Ihr ist anzumerken, dass sie stolz ist, bei einem so grossen Projekt im Grundbuchwesen dabei zu sein.

Fehlerfreie Arbeit ist gefragt

Auf einem Grundbuchamt war und ist die exakte Arbeit Pflicht. «Auf dem Grundbuchamt darf man sich keinen Fehler leisten. Daher müssen wir von unseren Mitarbeitern auch bei der Umstellung verlangen, dass sie fehlerfrei arbeiten», betont Flory. Damit das gelingt, kontrolliert immer eine zweite Person die eingetragenen Daten. Das Arbeitstempo ist trotzdem beträchtlich: Pro Monat sollen laut Programm 1000 Grundstücke ins Computersystem überführt werden. Bis Ende 2013 soll die Datenerfassung im Bezirk Bremgarten abgeschlossen sein. «Wir haben sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden», erklärt der Grundbuchverwalter. «Die Anforderungen sind hoch, müssen meine Angestellten doch genau und konzentriert arbeiten, Freude für ihre Aufgabe aufbringen und die Zusammenhänge logisch erfassen können.»

Für Flory liegen die Vorteile des digitalisierten Grundbuches auf der Hand: «Unsere Mitarbeiter müssen die Grundbuchauszüge nicht mehr aus dem Papiergrundbuch abschreiben. Sie können sie aus den Computerlisten abrufen. So können wir unsere Kunden, die einen Auszug wollen, schneller bedienen, als das heute der Fall ist.» Dass sein Amt
die Geschäftslast schneller und effizienter bewältigen kann, ist für Flory von entscheidender Bedeutung. «Im Bezirk Bremgarten wird viel gebaut. Daher nimmt die Arbeit für uns in den nächsten Jahren sicher noch zu.» Das Grundbuchamt sei ein Dienstleistungsbetrieb, der zwar diskret im Hintergrund wirke.

Daten werden mehrfach gesichert

Das Grundbuch habe aber für die Rechtssicherheit im Staat eine enorme Bedeutung, bemerkt der Grundbuchverwalter. «Jeder Bürger, der ein Haus, eine Eigentumswohnung oder Land besitzt, hat Anspruch darauf, dass sein Eigentum korrekt mit allen Rechten und Lasten in einem Register eingetragen ist.» Griechenland kennt das Grundbuch nicht. Das ist für Flory ein «undenkbarer Zustand». Die 250 von Hand geschriebenen Grundbücher und die zusätzlich auf der Schreibmaschine verfassten Loseblätter wirft das Grundbuchamt Bremgarten auch nach der Umstellung nicht etwa in den Papierkorb. Im Gegenteil: Sie werden weiterhin aufbewahrt. «

Auch die Bücher und Loseblätter sind Datenträger, die wir noch brauchen, um die Geschichte der Einträge zurückverfolgen zu können», betont Flory. Sind die Computerdaten sicher? Urs Moser, Projektleiter des informatisierten Grundbuchs (Grunag) im Departement Volkswirtschaft und Inneres, klärt auf: «Die Daten werden mehrfach
auf separaten Servern gesichert und ständig aktualisiert. Die Anlagen werden immer auf dem neuesten Stand der Technik gehalten.»

Umstellung im Bezirk Muri 2012

Die Grundbuchdaten werden im Kanton Aargau in Etappen erfasst. Die Arbeiten sind auf den Grundbuchämtern Bremgarten, Aarau, Lenzburg, Baden, Brugg und Zurzach im Gang. Im Bezirk Laufenburg sind sie bereits abgeschlossen.

2012 wird mit der Umstellung auf den Grundbuchämtern Muri, Kulm, Zofingen und Rheinfelden begonnen. Der Grosse Rat bewilligte für die Datenerfassung auf allen elf Grundbuchämtern einen Rahmenkredit von 20,9 Millionen Franken.