Bremgarten
Sensibel, klar, schlicht: «Carmina Burana» begeisterte

Die «Carmina Burana»-Aufführung im Casino unter Mitwirkung des Gemischten, 100-köpfigen Chors Rudolfstetten gefiel.

Stephan Rinderknecht
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Applaus für die Klaviersolisten und den Dirigenten (von links): André Despons, Andrea Wiesli, Markus J. Frey. Walter-Karl Walde

Applaus für die Klaviersolisten und den Dirigenten (von links): André Despons, Andrea Wiesli, Markus J. Frey. Walter-Karl Walde

Manche Konzertprogramme fühlen sich an wie wohlig-wärmende Daunendecken, unter denen gut gemästete Gänse selig schlummern, nicht ahnend, dass es nur noch ein Tag bis Weihnachten ist. Schnell gegessen, schnell vergessen. Daneben gibt es die altertümlichen Laubsäcke, die robusten Militärdecken und die farbigen Patchworkdecken.

Virtuos und kunterbunt

Letzteres wäre vielleicht der zutreffende Vergleich zum Konzert vom Samstag im vollbesetzten Casino Bremgarten. Bereits die kunterbunte Rhapsody in Blue zu Beginn, virtuos und mit grosser Spielfreude von Andrea Wiesli und Andre Desponds auf zwei Flügeln interpretiert, tat dem eingangs erwähnten Vergleich alle Ehre: Zwischen Rachmaninow, Vaudeville, Ravel, Blues und Zwanzigerjahrejazz fehlte da gar nichts an Allusionen.

Witzig war die Einlage mit dem Saitenarpeggio, während die lyrischen Passagen durchaus etwas mehr Mut zum Piano und Rubato vertragen hätten.

Die Uraufführung Burkhard Kinzlers Stück Fatrasia 1 für Soli, Chor, zwei Klaviere und Perkussion verband gelungen die Neue und Alte Welt. Die rhythmische Vielfalt, vom Metric art Ensemble (Reto Baumann, Luca Borioli, Pit Gutmann, Anna Tuena) mit hoher Präzision und Klangvielfalt getragen, bedeutete auch für den über 100-köpfigen Chor eine grosse Herausforderung.

Der grosse Chor bestand aus den Chören Rudolfstetten-Friedlisberg und CoroVivo aus Zürich. Markus J. Frey hatte das Heft stets fest in der Hand – der Chor folgte tapfer, wenn es auch gleich des Öfteren nach einem angestrengten Marsch auf dem Jakobsweg klang. Eine gelungene, sensible und in ihrer klaren, schlichten Expressivität gültige Komposition. Davon war man hoffentlich am meisten bewegt an diesem Abend.

Carmina Burana-tya-sie wird bis heute an jedem Gymnasium mit Enthusiasmus gesungen, selten mehr als dreistimmig, teutonisch-wuchtige Rhythmik: Es geht direkt in Fleisch und Blut.

Erfrischend der Kinderchor Rudolfstetten dazwischen. Man darf über diese Formvon Patchwork geteilter Meinung sein. Maria C. Schmid, Sopran, Valentin J. Gloor, Tenor, und Patric Ricklin, Bariton, meisterten ihre Partien makellos. Und insgesamt: Chapeau vor der grossen Leistung aller Beteiligten.

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