Serie (Teil 1)
Schüler haben es nicht leicht – Wegen Corona sind Schnupperlehren nur schwer zu finden

Schüler der zweiten Sekundarschule der Kreisschule Mutschellen suchen gerade Schnupperlehrstellen. Die Coronalage macht es ihnen nicht leicht. Die AZ begleitet sie bei ihrer Suche in einer losen Serie.

Verena Schmidtke
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Schüler der S2c der Kreisschule Mutschellen suchen Schnupperlehrstellen, darunter Luca, Nico, Elisa und Liv (von links), alle 14 Jahre alt.

Schüler der S2c der Kreisschule Mutschellen suchen Schnupperlehrstellen, darunter Luca, Nico, Elisa und Liv (von links), alle 14 Jahre alt.

Verena Schmidtke

Leises Gemurmel ist im Klassenraum der S2c zu vernehmen. Gesprächsthemen sind die Schwierigkeiten, die die Coronapandemie den Schülern auf der Suche nach einer Schnupperlehrstelle bereitet. Dass die Zeitung über sie berichten möchte, finden die Schüler spannend. Klassenlehrer Gerhard Oester erklärt:

«Viele Erwachsene wissen gar nicht, vor welchen Herausforderungen viele Schüler stehen, die in absehbarer Zeit eine Ausbildung machen wollen.»

Vor dem Gespräch mit den Schülern hatten diese die Möglichkeit, schriftlich Fragen zum Thema Schnupperlehren-Suche zu beantworten. Eine lautete, was sie bei der Suche besonders schwierig finden, darauf antworteten einige, bei ihnen laufe es recht gut. Viele hatten oder haben demnächst die Gelegenheit, in einen Betrieb hineinzuschnuppern.

«Ich finde nichts schwierig», schrieb ein Schüler, ihm mache die Suche sogar Spass. Nico, 14, bekundet, er wisse schon recht genau, welchen Beruf er ergreifen möchte: ICT-Fachmann. Deswegen sei Druck auch kein grosses Thema bei ihm. Ähnlich sieht es Kimi, der sich bereits in den Berufen Automechatroniker und Gebäudeinformatiker ausprobieren konnte. Doch die Suche gestaltet sich nicht bei allen einfach.

Viele Schnupperabsagen wegen Corona

Andere Mädchen und Jungen schrieben, dass sie wegen Corona oft Absagen bekommen haben. Das konnten auch einige Schülerinnen und Schüler im Gespräch bestätigen. Elisa erzählt: «Wenn man mehrere Absagen bekommen hat, ist es schwierig, motiviert zu bleiben.» Diese Absagen hätten häufig denselben Grund, wie Elisa und ihre Mitschüler erfahren mussten:

«Wegen Corona sollen oft nicht mehr Leute als nötig in einen Betrieb kommen.»

Liv, die sich eine Ausbildung als medizinische Praxisassistentin vorstellen könnte, hatte das Angebot erhalten, in einem Spital zu schnuppern. «Aber dann wurde das wegen Corona abgesagt. Das war dann schon etwas enttäuschend», berichtet sie. Zum Glück habe sie aber in einem anderen Spital unterkommen können.

Praktische Erfahrungen wären wichtig und spannend

Die sechs 14-jährigen Gesprächsteilnehmer hatten in den letzten Monaten alle die Gelegenheit, eine Schnupperlehre zu machen, dabei beschränken sie sich nicht nur auf einen Bereich. Nachdem sie den Beruf der Polydesignerin ein wenig kennen lernen durfte, möchte Alessia gern noch etwas mit Architektur ausprobieren. Luca arbeitete ein paar Tage als Koch mit, vorher hatte er in den kaufmännischen Bereich hineingeschnuppert.

Dafür hatte sich auch Elisa in ihrer ersten Schnupperlehre interessiert. «Nun möchte ich gern einen Beruf in Richtung Gestaltung oder Kunst kennen lernen», erzählt sie. Allerdings seien es gerade diese Bereiche, die zurzeit stark vom Lockdown betroffen seien, deswegen sei es schwierig, dort eine Stelle zu finden.

Einig sind sich alle, dass praktische Erfahrungen wichtig und auch spannend seien. In der jetzigen Situation haben einige der Jugendlichen konstruktive Anregungen, wie auch Unternehmen und Betriebe den Schülern ein wenig unter die Arme greifen könnten. So fänden sie es hilfreich, wenn auf den Websites bereits ausgeschrieben stünde, ob eine Schnupperlehre angeboten werden könne oder nicht.

«Auch ein Interview am Telefon wäre toll, falls eine Schnupperlehre nicht möglich ist», schlägt Elisa eine Alternative vor, «so könnte man wenigstens ein bisschen über den Beruf erfahren.» Eine weitere spannende Möglichkeit konnte Nico Ende März wahrnehmen: «Da wurde über die Plattform Teams eine digitale Schnupperlehre angeboten.»

«Die Schnupperlehren sind für die Schüler ein Realitätscheck»

Neben den Eltern sind die Lehrer wichtige Unterstützer in dieser nicht immer einfachen Situation. Sie beraten bei der Recherche und geben Hilfestellungen. «Wir reden auch mehr als in anderen Jahren in der Klasse darüber, wie es gerade mit der Suche aussieht», informiert Thomas Vock, ein weiterer Klassenlehrer einer zweiten Sekklasse. «Das ist vielleicht auch hilfreich.»

Klassenlehrer Gerhard Oester erklärt: «Normalerweise ist es so, dass die Jugendlichen in der zweiten Sekundarschulklasse eine Berufswahl-Schnupperlehre absolvieren.» Er sitzt mittlerweile neben Aurora Gigliotti, Tatjana Hartmann und Thomas Vock, den anderen Lehrpersonen der drei S2 Klassen. Zur Orientierung, in welche Richtung es in Zukunft gehen könnte, sei das sehr hilfreich, wissen sie aus Erfahrung. «Viele Schüler bekommen dabei einen Eindruck vom Berufsalltag und können feststellen, ob eine Ausbildung in dem Bereich etwas für sie ist oder nicht. Das ist ein Realitätscheck», fasst Oester zusammen.

Nun sei es während der Coronapandemie nicht immer einfach, eine Schnupperlehrstelle zu finden. Überhaupt laufen viele Dinge gerade anders ab als sonst. Oester berichtet weiter:

«Eigentlich wären Besuche von Berufs-Infomessen üblich, aber die können leider auch nicht stattfinden.»

Ebenso fallen Exkursionen aus, um verschiedene Berufe kennen zu lernen. «Glücklicherweise gibt es einige Infoveranstaltungen, die online angeboten werden.» Dennoch sei es beispielsweise für jemanden, der gerne Schreiner werden möchte, ein deutlicher Unterschied, ob er vor Ort oder nur via Bildschirm in den Beruf reinschnuppern könne. Oester betont: «Da fehlt einfach die Atmosphäre.» Im Moment arbeite die Schule eng mit dem Gewerbeverein Mutschellen zusammen, um zusätzliche Schnupperlehren organisieren zu können.