Merenschwand

Spass für die Kinder, Ruhe für die Gäste: «Huwyler»-Wirt richtet Gastraum für Familien ein

Aus der Kegelbahn im beliebten Restaurant «Huwyler» in Merenschwand ist ein Gastraum für Familien und Kinder geworden. Das soll alle glücklich machen: Weniger Lärm für die Gäste, weniger Stress für die Eltern und mehr Spass für die Kinder.

Christian Breitschmid
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Martin Lang ist nicht nur ein begnadeter Koch, er weiss auch den Abbruchhammer und anderes Werkzeug zu nutzen.

Martin Lang ist nicht nur ein begnadeter Koch, er weiss auch den Abbruchhammer und anderes Werkzeug zu nutzen.

Christian Breitschmid

Er ist ein Macher, der junge Wirt im «Huwyler». Als Martin Lang am 9. Februar 2016 das beliebte Restaurant im Zentrum von Merenschwand wiedereröffnete, hatte er ein klares Ziel vor Augen: «Hier hats für jeden etwas und jeder soll sich hier wohlfühlen.» Also machte sich der gelernte Metzger und Koch daran, ein Angebot auszutüfteln, bei dem jeder Geschmack auf seine Rechnung kommt. «Wichtig war mir von Anfang an eine ehrliche, gutbürgerliche Küche aus frischen Produkten», betont der 30-Jährige, der sich seine Sporen als Chef de Cuisine in diversen Saisonstellen «quer durch die Schweiz» abverdient hat, wie er sagt.

Kegelbahn war zu laut

Lang wusste, dass er kein leichtes Erbe antrat im «Huwyler», denn die Gründerfamilie hatte dem seit 1898 bestehenden Betrieb ihren Stempel aufgedrückt als weitherum bekanntes Speiselokal, in dem auch Vereine und Familien gemütlich einkehren oder tüchtig feiern konnten. Zusammen mit seiner Mutter, Trudi Lang-Vollenweider, sorgte der ambitionierte Jungunternehmer sehr schnell dafür, dass sich sowohl die Stammkundschaft, als auch neue Gäste schnell im «Huwyler» zu Hause fühlten. Dabei fiel ihm auf, dass er zwar wohl für alle Gäste etwas Passendes auf der Karte hatte, dass er aber nichts anbieten konnte, was es für seine jüngsten Besucher attraktiv machte, im «Huwyler» einzukehren. «Die Kinder sind es heute einfach nicht mehr gewohnt, ruhig am Tisch zu sitzen. Wenn sie dann anfangen, rumzurennen oder Lärm zu machen, dann belästigen sie die anderen Gäste und stressen ihre Eltern.»

So sah der Raum aus, nachdem die Kegelbahn erst einmal draussen war.

So sah der Raum aus, nachdem die Kegelbahn erst einmal draussen war.

Christian Breitschmid

Lang überlegte nicht lang. Im Untergeschoss des Hauses befand sich die Kegelbahn, die seit dem unvermittelten Hinschied von André Huwyler, am 19. Januar 2015, nicht mehr benutzt wurde. «Als ich und meine Mutter die Beiz übernahmen, wollten wir die Kegelbahn nicht wieder eröffnen», erzählt Lang, «denn die war so laut, dass man oben in der Gaststube fast sein eigenes Wort nicht mehr verstand, wenn unten gekegelt wurde.»

Alles selber gemacht

Die Kegelbahn war noch unter André Huwylers Grossvater, Josef Huwyler, eingeweiht worden, am 24. März 1959. Das ganze Dorf war damals dabei, als die ersten Kränze geschossen wurden. «Ein Kranz kostete einen Liter Wein», steht im alten Kegelbuch, das Martin Lang sorgsam verwahrt. Sogar der Pfarrer von Merenschwand hat an jenem Eröffnungsabend die eine oder andere Kugel geschoben und bis morgens um halb eins kräftig dazu beigetragen, dass diese erste Kegelrunde im «Huwyler» am Ende satte 25 Franken einbrachte.

Der Kommentar zum Thema

Nachdem die Kegelbahn in den vergangenen drei Jahren zum Abstellraum verkommen war, setzte Martin Lang Ende Juni den Abbruchhammer an. Er wollte dem ungenutzten Raum neues Leben einhauchen. «Immer am Morgen und am Nachmittag habe ich am Umbau weitergemacht», berichtet der versierte Handwerker, der seine Lust am Selbermachen wohl von seiner Mutter geerbt hat. «Sie hat uns das vorgelebt. Ich erinnere mich noch, wie sie aus unserem Spielzimmer eine Küche gemacht hat, als sie einen Partyservice aufzog.» Jede freie Minute hat Lang in sein Projekt eines multifunktionalen Raums gesteckt. Nach den Sommerferien, am 14. August, hatte ers geschafft. Wo einst die Kegel flogen, können heute Kinder toben. In der Spielecke stehen dazu jetzt eine Kinderküche, eine Wandtafel und viele weitere Spielutensilien bereit. Es gibt eine bequeme Sitzgruppe für grössere Kinder und Jugendliche, die lieber nicht unter Aufsicht ihrer Erziehungsberechtigten auf ihren Handys rumfummeln. Mitten im Raum steht der grosse Familientisch, der sich für noch grössere Runden beliebig erweitern lässt. Auch Bistrotischchen und -stühle laden zum legeren Sitzen ein. Die alte Eckbank steht am oberen Ende des Raums und vermittelt gemütliche Stammtischstimmung, sei es für ein gepflegtes Bier unter Freunden, sei es, um den Kollegen vom Dart-Club beim Spiel zuzusehen.

Werkzeug immer griffbereit

Eigentlich wollte Lang den neuen Gastraum mit einem eigenen Eingang und direkter Zufahrt für Kinderwagen versehen, «aber das war aus statischen Gründen nicht möglich.» So parken die jüngsten «Huwyler»-Gäste also weiterhin vor dem Haus, können drinnen dann aber frei entscheiden, ob sie gerne oben mit den Grossen einen auf gediegen machen oder sich doch lieber einen Sirup nach unten servieren lassen. Der neue Gastraum ist aber erst der Anfang. Der Handwerkerkoch von Merenschwand hat noch viele Ideen und sein Werkzeug immer griffbereit.