Bremgarten

Touristische Trümpfe und Schwachstellenund Schwachstellen

Michael Briner (27) verfasste eine lesenswerte Diplomarbeit über den örtlichen Tourismus. Dieser bewirtete im Jahr 2014 rund 16'400 Übernachtungsgäste in der Gegend.

Lukas Schumacher
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Michael Briner an seiner Arbeitsstätte im Bahnreisezentrum Bremgarten an der Zürcherstrasse, wo er als Teamleiter tätig ist. sl

Michael Briner an seiner Arbeitsstätte im Bahnreisezentrum Bremgarten an der Zürcherstrasse, wo er als Teamleiter tätig ist. sl

Lukas schumacher

Eines ist sonnenklar: Bremgarten kann und wird selbstverständlich nie in die Liga von Tourismushochburgen à la Gstaad oder Zermatt aufsteigen. Beachtliches Optimierungspotenzial fürs Städtchen ist aber vorhanden. Diese Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten des örtlichen Tourismus fanden Niederschlag in einer Diplomarbeit des Bremgarters Michael Briner. Der 27-jährige Teamleiter im Bahnreisezentrum Bremgarten schloss mit Erfolg die zweijährige Ausbildung an der Höheren Fachschule für Tourismus in Luzern ab. In der gut benoteten 60-seitigen Diplomarbeit listet Briner diverse Stärken und Schwächen im Bremgarter Tourismus auf.

Acht Stärken

Acht Pluspunkte hat der junge Touristiker ausgemacht. «Hohe Trümpfe sind gewiss das intakte, teilweise naturbelassene Landschaftsbild, das durch die Reuss und den angrenzenden Flachsee aufgewertet wird, und natürlich unsere tolle Altstadt mit Charme.» Zu den äusserst vorteilhaften Faktoren zählt er auch die grossen Bremgarter Märkte mit hohem regionalen bis nationalen Bekanntheitsgrad sowie die gute Erreichbarkeit des Städtchens dank vorbildlicher Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs und des Strassenverkehrs. Als sehr attraktiv beurteilt Briner «das dichte Veloweg- und Wanderwegnetz sowie die grosse Anzahl an abwechslungsreichen, qualitativ guten Bewirtungsangeboten.»

Zwei weitere Pluspunkte: die spannenden, hochwertigen Stadtführungen der Stadtführergruppe, deren Rundgänge im überregionalen Vergleich preiswert seien, und die – gemessen an den 7800 Städtchenbewohnern – ausreichende Bettenzahl in den Hotels und Unterkünften B+B (Bed und Breakfast).

Sechs Schwächen

Sechs Schwachstellen ortete Michael Briner. So fehlt in Bremgarten eine zentrale Reservations- oder Buchungsplattform für die Hotels. Auch ist kein eindeutiger Ansprechpartner für den Tourismusbereich vorhanden. Briner vermisst zudem «einen einheitlichen Marktauftritt»; es gebe zwar diverse, unterschiedlich gestaltete und teils veraltete Werbeprospekte, aber kein Corporate Design. Weitere Schwäche: Mit Ausnahme des Hotels Sonne, das drei Sterne hat, sind die anderen Hotelbetriebe nicht klassifiziert. Deren Hotelleriequalität sei deshalb für potenzielle Kunden schlecht einschätzbar.

Einen Minuspunkt gibts für den kaum vorhandenen Austausch unter den Gastronomen sowie für den ebenfalls fehlenden Austausch zwischen Tourismuszuständigen und Gastronomen. Ein Mangel sei überdies «die erschwerte Zufahrt zur Hotellerie in der Altstadt.» Auch bestünden mehrheitlich keine Parkmöglichkeiten direkt beim Hotel, und in der Parkarage Obertor werde keine Ermässigung für Hotelgäste angeboten.

«Packages sind gefragt»

Was soll, ja kann bezüglich Tourismus-Unterstützung unternommen werden? «Einiges ist inzwischen aufgegleist», erläutert Briner. So sei der Verkehrsverein, der sich seit wenigen Wochen Bremgarten Tourismus nennt, mit teils neuen Leuten und dem neuen Chef Stephan Troxler gut aufgestellt. Die wichtigste Bremgarter Tourismusbroschüre werde gänzlich neu gestaltet und in Bälde herauskommen. Eine gute Chance, um Tagestouristen und Kurzaufenthalter abzuholen, sieht Briner «im Anbieten von Packages, von gebündelten, mehrteiligen Erlebnis- und Aktivitätsangeboten». Package-Beispiel: eine Velo- oder Elektrovelofahrt entlang von Flachsee und Reuss samt Lunch, anschliessender Stadtführung und Option zum Übernachten.

Michael Briner regt an, einige der erwähnten Schwächen auszumerzen und ein touristisches Standortmarketing aufzuziehen. Die finanziellen Mittel fürs Marketing oder den Ausbau der touristischen Infrastruktur könnten via Partnerschaftsbeiträge von Leistungsträgern wie Stadt, Hotelinhabern, Bremgarten Tourismus etc. aufgebracht werden. Im Weiteren empfiehlt der Touristiker, in Bremgarten die heutige enge Verflechtung von Tourismus und Kultur mit den diversen kulturellen Angeboten und Anlässen beizubehalten.

«Für eine Trennung der zwei Bereiche Tourismus und Kultur ist die Destination Bremgarten schlicht zu klein. Auch braucht es keine Professionalisierung im Tourismus mit Grossbüro und Anstellungsverträgen.» Ein absolutes Muss hingegen sei eine Regelung der Verantwortlichkeiten sowie eine Ansprechperson und Anlaufstelle für die Bremgarter Gäste.

Seit vier Monaten wohnt Briner gemeinsam mit der Freundin in Affoltern am Albis. Er spielt zum Plausch öfters Fussball, ist Fan des FC Liverpool und, wen wunderts, reist sehr gerne.