Wohlen

Uraltes Haus des Seckelmeisters Isler wird renoviert und gerettet

Der Schreiner Simon Heusser aus Stäfa will eine 200 Jahre alte Liegenschaft an der Steingasse retten.

Jörg Baumann
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Im Haus des Seckelmeisters Antoni Isler befand sich früher eine Gaststätte. BA

Im Haus des Seckelmeisters Antoni Isler befand sich früher eine Gaststätte. BA

An der Steingasse 47 in Wohlen baute der Kantonsrat, Gemeinderat, Seckelmeister und Wirt Antoni Isler von 1803 bis 1805 ein stattliches Wohnhaus mit einer Gaststätte. Hier, hinter dicken Bruchsteinmauern, kehrten im frühen 19. Jahrhundert die Reisenden und Kutscher ein. An steiler Lage mussten die Kutscher neue Zugtiere vorspannen, damit man überhaupt auf die Anhöhe kam. Der Standort der Gaststätte war günstig. Denn einst war die Steingasse die Hauptstrasse nach Bremgarten und Zürich.

Eigentümer mit viel Erfahrung

Der Schreiner Simon Heusser aus Stäfa hat ein Auge auf das über 200 Jahre alte Haus geworfen, das zur gleichen Zeit wie die katholische Pfarrkirche entstanden ist. Heusser konnte die Liegenschaft von der verstorbenen Rosalia Lüthi-Briefer erwerben und will diese nun fachgerecht restaurieren. «Alte Häuser sind meine Leidenschaft», sagt Heusser, der nach der Lehre als Möbelschreiner die gestalterische Berufsmaturität absolvierte. Heusser ist zwar erst 29 Jahre alt, verfügt aber bereits über grosse Erfahrungen im Umgang mit historischer Bausubstanz, wie ein Blick auf seine Webpage www.heusser-handwerk.ch zeigt.

Das Haus des Seckelmeisters Isler in Wohlen figurierte früher auf der Liste der schutzwürdigen Gebäude der Gemeinde. Um das Resultat der bevorstehenden umfangreichen Restaurierung auch für künftige Generationen zu sichern, stellte Heusser der aargauischen Denkmalpflege den Antrag, das Haus unter kantonalen Schutz zu stellen. «Ich habe einen guten Kontakt zur Denkmalpflege», sagt Heusser. Er habe ihr seine Pläne eingereicht und wolle mit der Denkmalpflege eng zusammenarbeiten.

Drei grosszügige Wohnungen

Die Bausubstanz des Isler-Hauses sei recht gut, stellt Heusser fest. Beginnen wird er mit den Arbeiten am Dach, damit das Haus weiterhin vor der Witterung geschützt ist. Die Werkleitungen und die Kanalisation zum Haus liess Heusser bereits erneuern. Auch legte er einen Autoparkplatz an, damit die Handwerker während der Restaurierung ihre Fahrzeuge darauf abstellen können. Nach Heussers Plänen entstehen im Haus drei schöne, grosszügige Mietwohnungen, darunter eine zweistöckige Attikawohnung.

Möglichst viel originale Bausubstanz wolle er im Haus erhalten und auffrischen, sagt der Unternehmer. Der von Antoni Isler engagierte Baumeister hatte damals die Gaststube mit naturbelassenen Wand- und Deckentäfern ausgestattet, mit einem schmalen Einbaukasten und einer blauen Sitzkunst. Neben den schlichten Biedermeier-Vertäferungen und originalen Türen mit gestemmten Füllungen sind noch alte Kreuzsprossenfenster erhalten. Nun will Heusser auch die Befensterung auf der Rückseite des Hauses, die im Verlauf der Jahre geändert worden war, wieder auf den ursprünglichen Zustand zurückführen. Ein hellblauer Kastenofen mit weissem Fries stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Sockelplatte vom Vorgängerofen von 1818. Der Kachelofen in der Wohnstube ist hingegen einiges jünger. Er datiert aus der Zeit um 1910 oder 1915.

Baugesuch liegt auf

Das Baugesuch für den Umbau und die Sanierung liegt bei der Gemeinde auf. Heusser möchte im Herbst mit den Arbeiten beginnen. Die Bauzeit beziffert er auf zwei bis drei Jahre. «Ein grosser Traum geht in Erfüllung. Ich wollte schon seit langem ein eigenes Haus haben und dieses restaurieren», sagt Heusser.