Mutschellen

Verband schliesst Skandalarzt Ingo Malm aus

Der Aargauische Ärzteverband entschied schon vor drei Jahren, Ingo Malm als Mitglied auszuschliessen. Vollzogen worden ist der Entscheid aber nun, drei Jahre später. Nachdem Malm vor Gericht abgeblitzt ist.

Fabian Hägler
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Ingo Malm. (Archiv)

Ingo Malm. (Archiv)

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Seit anderthalb Jahren darf Ingo Malm im Aargau nicht mehr als selbstständiger Arzt praktizieren. Im Juni 2014 hatte das Bundesgericht als letzte Instanz den Entscheid der kantonalen Gesundheitsbehörden bestätigt, die Malm die entsprechende Bewilligung entzogen hatten.

Der Kanton begründete diesen Entscheid mit diversen Verfehlungen des deutschen Arztes, der auf dem Mutschellen eine Praxis betrieb. Wie das kantonale Verwaltungsgericht feststellte, hatte der Arzt seinen Patienten ohne die nötige Bewilligung Medikamente abgegeben. Ausserdem sei die vorgeschriebene Betäubungsmittelkontrolle in der Praxis mangelhaft gewesen. Weiter sind im Urteil mehrere Klagen von Krankenkassen gegen den Arzt aufgeführt. Die Versicherer forderten Rückzahlungen von über 1,1 Millionen Franken, weil Malm in den Jahren 2010 und 2011 «überarztet», also zu hohe Kosten verursacht haben soll.

Auch die wirtschaftliche Situation von Malms Praxis war laut dem Verwaltungsgerichtsurteil kritisch. So wies der Betreibungsregisterauszug für den Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 24. April 2012 insgesamt 72 Betreibungen mit einem Gesamtbetrag von knapp 830 000 Franken auf. Überdies wurde am 19. Juni 2012 der Konkurs über Malm und dessen damalige Arztpraxis in Rudolfstetten eröffnet. Zudem hatte Ingo Malm den Zürcher Gesundheitsbehörden verschwiegen, dass sein Gesuch für eine Praxisbewilligung im Kanton Bern zuvor abgelehnt worden war.

Ausschluss nach gut drei Jahren

Auch der Aargauische Ärzteverband reagierte auf den Fall Malm, der unter anderem in «Kassensturz» und «Beobachter» wiederholt Thema war. Einstimmig beschloss die Hauptversammlung Ende Juni 2012 den Ausschluss des Arztes. Tatsächlich vollzogen wurde dieser Entscheid aber erst am Freitag, wie der Verband mitteilt.

«Dies mag erstaunen, ist aber das Resultat des Rechtswegs, den Herr Malm gegen den Verband und seinen Ausschluss beschritten und konsequent ausgeschöpft hat», schreibt der Verband. Erst mit dem seit wenigen Tagen rechtskräftigen Urteil des zuständigen Gerichts, das Malm das Rechtsschutzinteresse absprach und deshalb formell auf seine Klage nicht eintrat, sei der Aargauische Ärzteverband in der Lage gewesen, den Skandalarzt «formell und definitiv aus seinen Reihen auszuschliessen».

Der Verband hält fest, Malm betreibe ohne Berufsbewilligung «in welcher Funktion auch immer nach wie vor eine ärztliche Gruppenpraxis in der Form einer Aktiengesellschaft» im Aargau. Tatsächlich hat er im August 2014 die Ärztezentrum Mutschellen AG in Berikon gegründet. Malm ist bei der Firma als Verwaltungsratspräsident tätig.

Für den Ärzteverband ist dies unbefriedigend. Der Fall zeige exemplarisch, wie beschränkt der Handlungsspielraum des Verbands und der Gesundheitsbehörden sei, wenn es um die Sanktionierung «pflichtwidrigen Verhaltens von Ärzten» gehe. Verbandspräsident Hans-Ulrich Iselin sagt: «Wir müssen uns überlegen, wie sich solche Fälle künftig vermeiden lassen.» Ingo Malm liess eine Anfrage unbeantwortet.

Kurz nach dem Verbands-Entscheid im Juni 2012 bezeichnete er den Ausschluss als «mehr als fragwürdig». Schon vor der Abstimmung seien Flugblätter mit Informationen über seinen Ausschluss an die Verbandsärzte in Umlauf gewesen. Zum anderen hätten mit 57 Ärzten nur ein kleiner Bruchteil der 1300 Verbandsmitglieder seinem Ausschluss zugestimmt.