Villmergen
Wärme und Wasser sorgten für Diskussionsstoff in Villmergen: Gmeind sagt Ja zur Erhöhung der Wassergebühren

Fast drei Stunden lang brüteten die Villmergerinnen und Villmerger über den sieben Traktanden der Gemeindeversammlung. Entgegen der Empfehlung des Preisüberwachers sagten sie Ja zur Erhöhung der Benutzungsgebühren per 2025.

Nathalie Wolgensinger
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Stefan Meierhans, der Schweizer Preisüberwacher, riet den Villmergern, auf die Tariferhöhung zu verzichten.

Stefan Meierhans, der Schweizer Preisüberwacher, riet den Villmergern, auf die Tariferhöhung zu verzichten.

Keystone (2. März 2020)

Gleich vier Anträge in Sachen Wasser unterbreitete die Gemeinde Villmergen ihren Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung am Freitagabend. Bis ins Jahr 2030 stehen Investitionen in der Höhe von 12,7 Mio. Franken in das Wasserleitungssystem an. Ein Stimmbürger regte deshalb bereits vor zwei Jahren an, die Netzkostenbeiträge zu erhöhen, um die Verschuldung auf diese Weise abzubauen. Diesem Ansinnen entsprach der Gemeinderat und beantragte unter anderem, die einmaligen Netzkostenbeiträge deutlich zu erhöhen.

Ausserdem will er die fixen Grundgebühren pro Anschluss erhöhen und zugleich die Mengengebühren von 1.80 Fr. auf 2 Fr. pro Kubikmeter Wasser anheben. Auch der Grundpreis, abgestimmt auf die Wasserzählergrösse, soll erhöht werden. Mit diesem Massnahmen, so rechnet der Gemeinderat vor, kann die Wasserkasse bis in 15 Jahren wieder ins Lot gebracht werden.

Diese Argumente überzeugten auch den Souverän, der allen vier Traktanden grossmehrheitlich zustimmte. Und dies, obwohl Preisüberwacher Stefan Meierhans den Stimmberechtigten im Vorfeld der Gemeindeversammlung empfahl, auf die geplante Erhöhung zu verzichten und die Grundgebühren pro Zähler in den Mehrfamilienhäusern zu senken.

Den Überweisungsantrag eines Bürgers, die Abwasseranschlussgebühren im selben Betrag zu senken, wie die Anschlussgebühren erhöht werden, lehnte die Versammlung hingegen ab.

Wärme aus Holzschnitzel aus dem Rietenberger Wald

Für Diskussionen sorgte der geplante Wärmeverbund. Vor einem Jahr gab die Gemeindeversammlung grünes Licht für die Umsetzung eines solchen Projektes, das der Gemeinderat nun ausarbeitete und an der Versammlung vorstellte. Konkret sieht er vor, gemeinsam mit dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) eine Wärmezentrale zu realisieren.

Dabei finanziert die Gemeinde die Infrastruktur und kauft dem ewz die produzierte Wärme ab. Die Gemeinde stellt anschliessend den Wärmekunden die Rechnung. Geheizt werden soll mit einer Holzschnitzelheizung. Die Schnitzel stammen aus dem Villmerger Wald. Der Wärmeverbund wird Ausgaben in der Höhe von 8,6 Mio. Franken tätigen, die ewz finanziert die Anlage für rund 3,4 Mio. Franken.

Dem Reglement für die Wärmeversorgung stimmte die Versammlung zu. Der Kooperationsvertrag mit der ewz hingegen wurde zurückgewiesen. Ein Bürger stellte einen Rückweisungsantrag, in dem er anregte, dass der Gemeinderat prüft, ob der gesamte Wärmeverbund an eine Firma vergeben werden kann. Diesem Rückweisungsantrag stimmten die Stimmberechtigten zu. Dem Überweisungsantrag eines Stimmbürgers konnten sie aber nichts abgewinnen und lehnten ihn ab. Dieser forderte, dass der Gemeinderat das Projekt durch eine neutrale, dritte Stelle, auf seine Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit und Bewilligungsfähigkeit geprüft wird.

In der Schulanlage Hof werden die Schulzimmer saniert

Unbestritten war hingegen der Verpflichtungskredit in der Höhe von 1,3 Mio. Franken für den Ersatz der Kanalisationsleitung Oberdorfstrasse und Hilfikerstrasse. Die Kanalisation ist in die Jahre gekommen und soll saniert werden. Geplant ist, dass der Regenauslass in der Weingasse aufgehoben und zu einem Kontrollschacht umgebaut wird. Um Synergien zu nutzen und Kosten einzusparen, werden die Arbeiten erst im Rahmen der Strassensanierung in Angriff genommen.

Die Gemeindeversammlung gab grünes Licht für die Sanierung von insgesamt 17 Schulzimmern in der Schulanlage Hof.

Die Gemeindeversammlung gab grünes Licht für die Sanierung von insgesamt 17 Schulzimmern in der Schulanlage Hof.

zvg

Ebenso unbestritten war der Verpflichtungskredit in der Höhe von 1,35 Mio. Franken für die Sanierung der Schulzimmer in der Schulanlage Hof. Die Bilder in der Broschüre zur Gemeindeversammlung zeigten deutlich auf, dass die insgesamt 17 Zimmer sanierungsbedürftig sind. Die Villmerger gaben grünes Licht. Baubeginn ist bereits im Frühjahr des kommenden Jahres.

Das Budget wurde mit einem unveränderten Steuerfuss von 102 Prozent präsentiert. Es schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 337'340 Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde liegt bei 48 Prozent. Langfristig sollte das Ziel von 100 Prozent angestrebt werden. Der Gemeinderat schrieb in seiner Botschaft zur Gemeindeversammlung, dass die finanzielle Lage der Gemeinde nicht eben rosig ist und schliesst daraus: «Falls sich die Kennzahlen bewahrheiten, kann eine allfällige Steuerfusserhöhung in den nächsten Jahren nicht ausgeschlossen werden. »