Vom Keim bis zum Tod heisst das Motto im Höllwald in Auw

In Auw können ab sofort Baumpartnerschaften abgeschlossen werden – so wird die Biodiversität gefördert.

Melanie Burgener
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Linus Staubli (Mitte) präsentierte sein Projekt im Höllwald.

Linus Staubli (Mitte) präsentierte sein Projekt im Höllwald.

Bild: mel

Hat ein Baum einen Viertel seines Lebens hinter sich, ist sein wirtschaftliches Optimum erreicht. Meistens wird er an diesem Punkt gefällt und verarbeitet. Dabei wären die restlichen drei Viertel seines Kreislaufs sehr wertvoll. Mit ihrem toten Holz in den Kronen sowie ihren Strukturen aus Efeu und Pilzen bilden ältere Bäume eine ökologische Infrastruktur und sorgen für eine erhöhte Biodiversität.

Genau das will Linus Staubli künftig in der Gemeinde Auw fördern. «Unser Ziel ist es, dass der Baum den ganzen Kreislauf durchmachen kann. Vom Keimchen bis zum senkrechten Totholz», erklärte er. Insgesamt könne das zwischen 800 und 1000 Jahre dauern.

Damit er dieses Ziel erreichen kann, hat der junge Förster zusammen mit Waldkommunal+ das Projekt der Baumpartnerschaften lanciert. Am vergangenen Dienstag präsentierte Linus Staubli das Vorhaben, das er ursprünglich mit zwei Kollegen an der Försterschule geplant hatte, im Rüstenschwiler Höllwald. Die Partnerschaften können ab sofort abgeschlossen werden.

Ein vertretbarer Preis für zehn Jahre Partnerschaft

Den Preis für eine Partnerschaft berechnen die Förster jeweils aus einer Grundpauschale für den Durchmesser des Baumes, der Abgeltung des Bodens – würde der Baum gefällt werden, stünde mehr Produktionsfläche zur Verfügung –, dem Mehraufwand der Förster sowie dem Wert des Stammes als Sägeholz, seinem ästhetischen und seinem ökologischen Wert.

Für die von Staubli als Beispiel genannte und von ihm getaufte 20 Meter hohe Knieeiche kommt so der Preis von 1390 Franken zustande. «Ich habe das Gefühl, das ist vertretbar. Die Partner erhalten eine Urkunde und die Sicherheit, dass der Baum für 10 Jahre stehen bleibt», sagt er. Danach soll der Baum aber nicht etwa abgeholzt, sondern die Partnerschaft um weitere zehn Jahre zum gleichen Preis verlängert oder der Baum an einen neuen Partner vermittelt werden.

Sollte der Baum während einer laufenden Partnerschaft beispielsweise durch einen Sturm umfallen, wird dafür gesorgt, dass er liegen bleibt. Denn auch liegendes Totholz sei ökologisch wertvoll. «Die Partnerbäume sollen die Vernetzung verschiedener Biotope in der Umgebung sicherstellen und Trittsteine für Lebewesen sein», erklärt Staubli.

Auch Bäume mit Charakter sollen gefördert werden

Auf diese Weise werden vor allem Bäume geschützt, die besondere Merkmale wie beispielsweise eine Höhle aufweisen und so für verschiedene Lebewesen und so auch für die Biodiversität besonders wertvoll sind. Aber auch Charakterbäume sollen mit diesem Projekt gefördert werden. «Wenn an einer Kreuzung eine schöne Eiche als Wegweiser dient, sollte man sie auch schützen.» Ausserdem binden diese Bäume eine grosse Menge an CO2.

«Die Knieeiche speichert etwa 7,4 Tonnen CO2. Das ist etwas mehr, als ein Mensch in einem halben Jahr verbraucht.»

Eigentlich hätte bei der Projektpräsentation die erste Urkundenübergabe stattfinden sollen. Doch aufgrund eines Unfalls konnte der erste Partner nicht anwesend sein.

Sein Vater Stefan Staubli, Leiter des Forstbetriebs der Gemeinde Auw, betonte das grosse Potenzial dieses Projektes. Bei einer grossen Nachfrage soll es möglichst schnell erweitert werden. «Ich habe bereits ein zweites Gebiet im Kopf. Die Bäume sollten nicht einzeln verteilt, sondern in kleinen Gebieten stehen», sagt Stefan Staubli.

Alles zur Baumpartnerschaft finden Sie hier.