Bremgarten
«Vrenelis Gärtli»: Zauberhafte Premiere im Kellertheater

Kaum ein anderes Buch porträtiert die Innerschweiz zur Zeit der Sagen und Mythen so lebendig wie Tim Krohns «Vrenelis Gärtli». Das Kellertheater hat die in Mundart-Hochdeutsch verfasste Geschichte auf die Bühne gebracht.

Tim Honegger
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«Vrenelis Gärtli»: Zauberhafte Premiere im Kellertheater
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«Vrenelis Gärtli»: Zauberhafte Premiere im Kellertheater

AZ

Umrundet von eisigen Zacken geht im glarnerischen Schlitz Seltsames vor sich. Ein fremder Fötzel (Franky Weber) ist neu in der Region, und weil seine Weide so choge guet gedeiht, bezichtigen ihn die Talbewohner, mit dem Tüüfel im Bunde zu stehen.

Allgemein herrschen in der Gegend Aberglaube, Zauberei und Mythen. Als Mariili (Fabienne Meier) mit dem Fremdling ein Kind zeugt und bald darauf stirbt, gerät auch das neugeborene Mädchen ins Visier der argwöhnischen Glarner.

Das kleine Vreneli (Fabiana Koller) ist denn auch kein gewöhnliches Meitli: Es chräsmet die Berge hinauf, besitzt eine Tierliseele und füchslet umher. Beim weisen, uralten Bersiäneli (Susi Russenberger) lernt es Zaubern und hat fortan allpot Lämpen.

Zu allem Gnuusch kommt hinzu, dass sich Vreneli heillos in den Bauernjungen Melk (Martin Enzler) verliebt. Am Schluss bringt sie der Tod zum Herrgott, der übrigens eine Frau ist. Dort stellt sich heraus, dass ihr Tod nur ein bürokratischer Lapsus war. Mit einem birebitzli Glück schafft es Vreneli dann doch noch zurück zu den Lebenden.

Beherzte Schauspielerei

«Sie spielten heute wie die jungen Götter!», schwärmte der Regisseur Klaus Henner Russius nach der Premiere.

Tatsächlich: Die Szenen sprühten vor Lebendigkeit und die mysteriösen Sagen schienen geradezu präsent zu sein. Dahinter steckt indes ein enormer Aufwand: An über 50 Abenden probten die Theaterfreunde rund drei Stunden lang.

«Das Kellertheater ist stets mit grosser Hingabe bei der Arbeit», so Russius. Seit zwölf Jahren begleitet er das Bremgarter Theater immer wieder bei seinen Eigeninszenierungen.

Auch der Präsident und Produktionsleiter Fridolin Kurmann zeigte sich begeistert: «‹Vrenelis Gärtli› ist ein Zauberstück und eine Herausforderung für die Schauspieler. Doch ihre beherzte Darstellung machte dem Buch alle Ehre.»

Verschiedene Schweizer Welten

Einer der spannendsten Aspekte von «Vrenelis Gärtli» ist seine Sprache. Geschickt hat der Autor Tim Krohn urchige Dialektwörter aus seiner Heimat ins Buch einflechten lassen.

Dies, kombiniert mit der wundersamen Geschichte des Vreneli, verwandelt das Stück in ein liebevolles Porträt der Glarner Sagenwelt. Trotz dem Überirdischen und dem Auftritt von Tod (Nik Meyer) und Gott (Mireille Brack) als Personen, wirkt das Theater nicht eine Sekunde lang realitätsfern.

Im Gegenteil: Es zeigt, welche Welten in der Schweiz existiert haben oder noch immer existieren. Welten mit einer Sprache, die wir zwar verstehen, die in der Zwischenzeit aber stark in Vergessenheit geraten ist.

«Vrenelis Gärtli» ist somit nicht nur ein sprachlich und historisch aufklärendes Theaterstück, sondern gleichzeitig unterhaltsam und bezaubernd. An der Premiere überzeugte die elfköpfige Schauspieler-Formation auf der ganzen Linie.

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