Waltenschwil
Skilehrerin, Reise- und Schulleiterin: Edith Frey hinterlässt ihrem Nachfolger eine Schule voller Kreativität

Nach 13 Jahren als Schulleiterin in Waltenschwil geht Edith Frey, 65, in Pension. Sie stand neuen Ideen immer positiv gegenüber und hat viel erreicht im Schulhaus Bannegg. Darum rät sie ihren Nachfolgern: «Schliesst euch bloss nicht mit grossen Schulen zusammen, eine kleine Schule hat so viele Vorteile.»

Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen
Die Waltenschwiler Schulleiterin Edith Frey geht im August in den Ruhestand. Sie wird ihre Schule (hier beim Eingang) schon ein wenig vermissen.

Die Waltenschwiler Schulleiterin Edith Frey geht im August in den Ruhestand. Sie wird ihre Schule (hier beim Eingang) schon ein wenig vermissen.

Chris Iseli

An ihrer Schule unterrichten nicht einfach Lehrerinnen und Lehrer. Vier von ihnen sind oder waren Flight-Attendants, einer war einmal Captain beim FC Wohlen, einer ist ein immer bekannter werdender Musiker und eine Lehrerin ist sogar Para-Leichtathletik-Weltmeisterin. Es ist ein sehr bunter Mix an Menschen, die die Schule Waltenschwil prägen. Das passt, denn auch Schulleiterin Edith Frey kann man nicht in eine Schublade stecken. Bevor sie in den Ruhestand geht, schaut sie mit der AZ auf ihre 13 Jahre in Waltenschwil zurück.

Sie hatte eine ganz normale Laufbahn eingeschlagen: Kanti und Lehrerausbildung in Aarau, Vertretungen und Stellen an der Real Wohlen, Seklehrerausbildung in Neuenburg und weitere Stellen in Wohlen, diesmal an der Sek. Doch dann drückte ihr abenteuerlustiges Naturell durch – wann, wenn nicht in jungen Jahren, hätte sie ihre Hobbys zum Beruf machen sollen? Und das tat sie auch.

Sie wurde Reiseleiterin – doch Strandurlaube interessierten sie nicht

«Ich habe die Chance gepackt und eine Reiseleiterinnenausbildung bei Imholz gemacht», erinnert sich Frey. «Badeurlaube haben mich nie interessiert. Stattdessen konnte ich Städte- und Rundreisen leiten.» So wohnte sie mehrfach einige Monate in Ungarn, führte ihre Kunden auf vierwöchigen Rundreisen durch die USA, reiste mit ihnen zu den Loire-Schlössern, nach Armenien, Russland, Indonesien oder Bali. Mit einem Blick über die vielen Bilder in ihrem Schulleiterinnenbüro sagt sie:

«Mein Favorit blieb aber immer der Westen der USA.»

Wenn sie schonmal dabei war, machte sie auch gleich ihr zweites Hobby zum Beruf: «Ich wurde Skilehrerin und arbeitete zwei Winter lang in Gstaad.» Ihre Augen glänzen, wenn sie davon berichtet.

Natur und Reisen – Edith Frey hat ihre Hobbys zum Beruf gemacht und vier Jahre lang als Reiseleiterin plus zwei Winter als Skilehrerin gearbeitet.

Natur und Reisen – Edith Frey hat ihre Hobbys zum Beruf gemacht und vier Jahre lang als Reiseleiterin plus zwei Winter als Skilehrerin gearbeitet.

Chris Iseli

All diese Erfahrungen machten ihr Leben reicher. Und bereiteten sie auch auf ihre Laufbahn als Schulleiterin vor. Denn sie kann nicht nur Gruppen führen, sondern hat auch viel Verständnis für Lehrpersonen, die sich eine Auszeit zum Reisen nehmen wollen:

«Ich weiss, wie viel mehr man seinen Schülern später mitgeben kann, wenn man etwas von der Welt gesehen hat.»

So plante sie schon mit ihren Sekklassen stets spannende Reisen. Oder schickte sie in Gruppen per Zug durch die ganze Schweiz, wo sie Rätsel zu lösen hatten, um am Ende alle am selben Ort im Klassenlager anzukommen. «Das wäre heute kaum noch möglich. Aber ich habe oft gehört, dass sie das noch Jahre später als Highlight empfinden.» Auch wurde sie eine der Verantwortlichen für die Wohler Skilager – sie erfüllte sämtliche Voraussetzungen dafür.

Sie suchte den direkten Weg – sie suchte Waltenschwil

1990 erhielt Edith Frey eine Stelle als Sekundarlehrerin im Wohler Schulhaus Junkholz. Sie wurde Konrektorin, dann Rektorin, machte die Schulleiterausbildung und war von 2003 bis 2008 Schulleiterin der Oberstufe Junkholz. In dieser Zeit habe sie sehr viel gelernt, erinnert sie sich. Vor allem auch, wie schwierig es ist, Neuerungen einzuführen, wenn so viele Schulleiter wie in Wohlen involviert sind. «Dort sind es acht Schulleiter, die mit Veränderungen einverstanden sein müssen. Ein Extrazügli geht nicht.»

An der Schule Waltenschwil und auch im Dorf fühlt sich Edith Frey sehr wohl.

An der Schule Waltenschwil und auch im Dorf fühlt sich Edith Frey sehr wohl.

Chris Iseli

Das war einer der Hauptgründe, weshalb sie sich wünschte, eine Gesamtschule leiten zu können. «Ich wollte den direkten Weg zu Gemeinderat, Schulpflege und Lehrerschaft», erinnert sie sich. So kam es, dass eine Aushilfssekretärin aus Waltenschwil im Junkholz arbeitete und ihr erzählte, dass die dortige Schule, die nur 2,5 Kilometer das Freiamt aufwärts liegt, tatsächlich eine neue Leitung suchte. Sie habe es sich nicht lange überlegen müssen. «Und auch wenn ich die Schule vorher kaum kannte, habe ich den Wechsel nie bereut», sagt sie heute.

Erste Amtshandlung: Skilager weg von den Sportferien

In Waltenschwil zählen Primarschule und Kindergarten zusammen 280 Kinder. Vier Klassen im Kindergarten, und die erste bis sechste Primar werden jeweils doppelt geführt – mit 15 bis allerhöchstens 20 Schülern pro Klasse. «Das ist ideal», ist Frey überzeugt.

Eine ihrer ersten Amtshandlungen war es, das Skilager aus den Sportferien raus in den März zu schieben. «Das hat so viele Vorteile für alle, nicht nur, dass die Pisten und Lagerhäuser dann fast leer sind», erzählt sie lächelnd. Selber hat sie in Waltenschwil aber keine Lager mehr geleitet, sondern sprang höchstens bei Personalmangel ein.

Später gab sie Vertretungen in ihrem Lieblingsfach Französisch, war sonst aber 85 bis 95 Prozent als Schulleiterin tätig. «Dennoch hatte ich auch Kontakt zu den Schülern. Einer zum Beispiel, dem ich vielleicht eine oder zwei Französischstunden gegeben habe, begrüsst mich jedes Mal, wenn er mich sieht, mit: ‹Bonjour Madame Frey›», berichtet sie voller Freude.

Das Schulhaus mit Schlittelhoger und dem schönsten Spielplatz

Für sie ist Waltenschwil eine ideale Schule. Sie sei im Dorf sehr gut verankert, und wenn Helfer fürs Jugendfest oder ähnliches gesucht werden, fände man sie immer. Auch die Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Schulpflege lief sehr gut, attestiert Frey.

Und dann ist da natürlich noch das Schulhaus. Mit einem breiten Grinsen sagt sie:

«Welche Schule kann schon von sich sagen, dass sie auch noch einen eigenen Schlittelhoger besitzt? Wir haben das Buneggli. Und auch den schönsten Spielplatz weit und breit.»
Edith Frey sitzt auf einem der grossen Findlinge im «schönsten Spielplatz weit und breit», den die Schule Waltenschwil zusammen mit dem Naturama anlegen konnte.

Edith Frey sitzt auf einem der grossen Findlinge im «schönsten Spielplatz weit und breit», den die Schule Waltenschwil zusammen mit dem Naturama anlegen konnte.

Chris Iseli

Stolz berichtet sie vom Projekt zusammen mit dem Naturama, bei dem alle Schüler und Lehrer Hand anlegten. Ausserdem berichtet sie: «Wenn Leute bei uns zu Besuch kommen und durch die grossen Fenster in die Alpen schauen, fragen sie oft, wie wir bei dieser Aussicht bloss Schule geben können.» Schon die bunten Malereien beim Eingang, bei denen alle Schulkinder mit ihren farbigen Handabdrücken mitgestalten konnten, könnten einladender kaum sein.

Edith Frey könnte noch sehr viel Schönes aus ihren 13 Jahren an der Schule Waltenschwil erzählen. Doch jetzt blickt sie nach vorne. Was sind ihre Pläne für die Zukunft? «Reisen», sagt sie, ohne zu überlegen. «Und Ski fahren. Und zwar dann, wenn die Sonne scheint, nicht dann, wenn ich frei habe», fügt sie lachend an.

Sie möchte mit ihrem Partner nach Grönland, in die Atacamawüste, in die nordischen Länder, an die Amalfiküste und immer wieder nach Ungarn. Sie möchte daheim im Häuschen in Wohlen viel lesen – am liebsten über Länder und die Leute dort – und ihre Fotobücher digitalisieren. Sie möchte wieder regelmässig Sport treiben. Aber sie wird sicher auch da sein, falls sie an der Schule Waltenschwil helfen kann.

«Ich werde die Schule schon vermissen. Es war eine ganz tolle Zeit. Aber ich bin überzeugt, dass Simon Widmer, mein Nachfolger, das ganz toll machen wird.»