Mutschellen
«Wenn Polizei und Feuerwehr an ihre Grenzen stossen, kommen wir zum Einsatz»

Die Zivilschutzorganisation probte während einer 24-Stunden-Übung für den Ernstfall – aus Trümmerruinen waren Autos zu bergen, Verletzte waren zu verarzten und kleinere Brände waren zu löschen.

Lisa Stutz
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Zivilschützer arbeiten an einer Trümmerruine.
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Eine defekte Stromleitung mit Schwelbrand, simuliert durch Pyrotechnik.
Zivilschützer betreuen einen verletzten Figuranten.
Zivilschützer betreuen einen verletzten Figuranten.
Für den Aufbau eines Wasserauffangbeckens präpariert ein Zivilschützer Baumstämme.
Für den Aufbau eines Wasserauffangbeckens präparieren Zivilschützer Baumstämme.
Gesamtübung der Zivilschutzorganisation Mutschellen

Zivilschützer arbeiten an einer Trümmerruine.

Zur Verfügung gestellt

Kleinbrände löschen, Personen evakuieren, Autowracks aus Trümmerruinen bergen und Verletzte verarzten – im Falle einer Katastrophe ist die Zivilschutzorganisation (ZSO) Mutschellen nun bestens vorbereitet. Während einer 24-Stunden-Übung probte sie für den Ernstfall.

«Wenn die Polizei und die Feuerwehr an ihre Grenzen stossen, kommen wir zum Einsatz. Das sind meistens Fälle, die länger dauern», so Tobias Kehrer, Kommandant der ZSO Mutschellen. Aus diesem Grund war es für ihn und die rund 120 Angehörigen der Organisation wichtig zu erleben, wie Einsätze im Schichtbetrieb funktionieren

«Von allen Diensten wurden die Übungsziele erfüllt. Kleinere Defizite, die während der Übungen auftraten, werden im Laufe der nächsten WKs geübt und beseitigt», sagt Kehrer.

Nicht nur Schauspiel

Auf dem Areal der Häuserkampfanlage Stierliberg in Birmensdorf ZH, wo die Ernstfallübung stattfand, waren aber nicht alle Übungen Schauspiel: «Während der 24 Stunden mussten nicht nur Figuranten, die verletzte Personen mimten, verarztet werden – es gab auch kleinere tatsächliche Unfälle, die während der Arbeiten passierten.» Ob echt oder nicht echt: Allen Patienten konnte geholfen werden, versichert Kehrer.

In 6-Stunden-Schichten waren die Zivilschützer im Einsatz. «Für das Küchenteam war das eine besondere Herausforderung: Am Morgen um drei Uhr – es regnete in Strömen – musste es für die Männer, die sechs Stunden Arbeit hinter sich hatten, Essen liefern», so der Kommandant.

Die Zivilschützer hätten bei der 24-Stunden-Übung für einmal erlebt, wie es ist, dauerhaft im Einsatz zu sein, und auch auswärts zu übernachten. «In der Armee lernen die Männer, neben schnarchenden Kollegen zu schlafen. In unseren WKs hingegen können die Teilnehmer abends nach Hause gehen», erzählt Kehrer. «Die Übung diente dazu, dass eine auswärtige Übernachtung im Ernstfall nichts Neues ist.»

Kommunikation auf dem Gelände

Für die Führungsunterstützung mussten zwei Kommandoposten eingerichtet werden. Diese stellten die Kommunikation auf dem ganzen Gelände sicher und verwalteten die gesamte Lageführung.

Die Unterstützung war für die Beseitigung diverser Schadenplätze zuständig, zum Beispiel für das Leerpumpen eines überfluteten Gebäudes, welches den Aufbau eines 25 Kubikmeter grossen Auffangbeckens benötigte.

«Zudem mussten sie einsturzgefährdete Gebäude mit Holzbalken abstützen und Figuranten und Puppen aus Trümmern retten», berichtet Kehrer. Mit Pyrotechnik ist an einem der Schadenplätze zudem eine defekte Stromleitung – inklusive Kleinbrand – simuliert worden. Während der gesamten Übung mussten Material bereitgestellt und zusammen mit der Mannschaft an die jeweiligen Einsatzorte transportiert werden.

«Für alle Beteiligten war die 24-Stunden-Übung sehr wertvoll», so Tobias Kehrer. «Wir ziehen es in Betracht, dies nun alle vier, fünf Jahre durchzuführen.»