Wohlen
Cyrille Meier (SP) ist der neue Einwohnerratspräsident, Marc Läuffer (SVP) der neue Vizepräsident

Wohlen hat ein neues Parlament samt Präsidium, Stimmenzählenden und Finanz- und Geschäftsprüfungskommission. Bei allen Ämtern wurden sich die 40 Ratsmitglieder sehr schnell einig – einzig bei der Wahl zum Vizepräsidenten fühlte sich die FDP um ihr Recht betrogen.

Andrea Weibel
Drucken
Einwohnerrat Wohlen: allererste Sitzung, konstituierende Sitzung

Einwohnerrat Wohlen: allererste Sitzung, konstituierende Sitzung

Andrea Weibel

Am Montagabend führte der Einwohnerrat Wohlen nicht nur seine allererste Sitzung im neuen Jahr durch, sondern auch in ganz neuer Besetzung. Es war die erste Sitzung der neuen Amtsperiode. An dieser gilt es traditionsgemäss, den neuen Präsidenten und dessen Vizepräsidenten zu wählen, aber auch verschiedene andere Ämter zu besetzen.

Weil noch kein Ratspräsident im Amt war, eröffnete Gemeindeammann Arsène Perroud die Sitzung. «Gouverner c’est prévoir», zitierte er, «regieren ist vorausschauen». So schaute er zusammen mit den 40 Einwohnerratsmitgliedern auf verschiedene grosse Themen voraus, die in den nächsten vier Jahren auf sie zukommen werden. Wohlen werde die oder den 17'000. Einwohnerin oder Einwohner begrüssen dürfen, der Verkehr werde sich deutlich erhöhen und so werde auch die Südumfahrung wieder aufs Tapet kommen – um nur zwei seiner Themen zu nennen.

Neuer Präsident ist 33 Jahre alt und seit zehn Jahren im Rat

Er hatte die Aufgabe, die Wahl des neuen Einwohnerratspräsidenten durchzuführen. Für dieses Amt gab es nur einen Kandidaten. Laura Pascolin nominierte im Namen der SP Cyrille Meier. Der 33-Jährige sitzt bereits seit zehn Jahren im Einwohnerrat und präsidiert die Wohler SP-Ortspartei seit fünf Jahren. «Ihn zeichnet Beständigkeit aus, er hat immer in Wohlen gelebt und ist hier zur Schule gegangen», sagte Pascolin. Der gelernte Koch hat auf dem zweiten Bildungsweg die pädagogische Hochschule absolviert und arbeitet heute als Oberstufenlehrer am Schulzentrum Junkholz in Wohlen.

Cyrille Meier (SP, rechts) ist der neue Einwohnerratspräsident, Marc Läuffer (SVP) der neue Vizepräsident.

Cyrille Meier (SP, rechts) ist der neue Einwohnerratspräsident, Marc Läuffer (SVP) der neue Vizepräsident.

Andrea Weibel

Die vergangenen zwei Jahre amtierte er als Vizepräsident des Einwohnerrats und galt daher als sicherer Kandidat für das Amt. So hatte er keinerlei Konkurrenz aus anderen Parteien. Dennoch erhielt Meier nicht ganz alle Stimmen aus dem Rat. 5 der 40 Ratsmitglieder hatten ihren Wahlzettel leer gelassen, zwei hatten ihre Stimmen anderen Räten gegeben. Somit vereinigte Cyrille Meier 33 Stimmen auf sich, wurde deutlich zum neuen Einwohnerratspräsidenten gewählt und mit grossem Applaus willkommen geheissen.

Er bedankte sich und scherzte, er sei froh darüber, dass das Amt des höchsten Wohlers nichts mit ausserordentlicher Körpergrösse oder hohem Alter zu tun hat, beides könne er nämlich nicht vorweisen. Deutlich ernster trug er seine vier Ziele für seine zwei Präsidialjahre vor: Die Ratsmitglieder sollen pünktlich erscheinen, eine Mentalität von Respekt und Zuhören leben, ihre Voten sachlich und auf den Punkt gebracht vortragen und sich aktiv in Kommissionen und Spiegelgruppen beteiligen. Dies wolle er als Präsident vorleben. Und: «Ich bin gewillt, Voten zu unterbrechen, die zu lang oder nicht sachbezogen gehalten werden», versprach er.

FDP fand, Vizepräsidentenamt stünde ihr zu, doch SVP gewann

Die Wahl für den Vizepräsidenten ging nicht ganz so leicht über die Bühne. Hier stellten wider Erwarten zwei Fraktionen einen Kandidaten zur Wahl. Als erstes nominierte Dieter Stäger im Namen der Fraktion FDP/Dorfteil Anglikon Samuel Keller. Stäger erklärte, seiner Fraktion stünde das Amt turnusgemäss zu.

Als zweites stellte Peter Christen den Kandidaten der SVP vor: Marc Läuffer. Er sei in Wohlen aufgewachsen, habe sein Leben lang hier gewohnt und war bereits 2009 bis 2014 und erneut seit 2017 im Wohler Einwohnerrat. Ausserdem sei er Präsident des Eisenbahnamateurklubs.

Die Ratsmitglieder schlossen sich mehrheitlich der SVP an und wählten Marc Läuffer mit 28 von 40 Stimmen zum neuen Einwohnerrats-Vizepräsidenten. Samuel Keller erhielt deren 12.

Wahl der Stimmenzähler versöhnte die FDP ein wenig

Versöhnlicher ging es bei der darauffolgenden Wahl der zwei Stimmenzähler zu. Simon Sax nominierte im Namen der GLP Julia Frischknecht. «Zählen kann sie, das haben wir getestet», scherzte er. Peter Christen stellte für die SVP Max Hüsser als Kandidaten vor. Doch dann nominierte Dieter Stäger den Verlierer der Vorwahl und bisherigen Stimmenzähler Samuel Keller.

Eine Kampfwahl hätte an dieser Stelle niemand erwartet. Harry Lütolf (die Mitte) argumentierte denn auch, dass es geschickter wäre, den FDP-Vertreter statt jenem der SVP zu wählen, weil so alle Parteien im Ratsbüro vertreten wären. Diesem Argument konnte sich die SVP anschliessen: Sie zog ihre Kandidatur zurück, nominierte Max Hüsser aber als künftigen Stimmenzähler, falls es nach der Hälfte der Legislaturperiode nötig sein sollte. Julia Frischknecht (36 Stimmen) und Samuel Keller (38 Stimmen) wurden beide deutlich gewählt und nahmen ihre Wahl gerne an.

Von «Yes!» bis «jo gern» – die FGPK wurde ohne Probleme gewählt

Die Mitglieder der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) waren sehr schnell und ohne Probleme oder Kampfwahlen gefunden. Unter dem Präsidium von Simon Sax (GLP, 34 Stimmen) besteht die Kommission neu aus Patrick Schmid (Grüne, 39 Stimmen), Olivier Parvex (GLP, 36), Valentin Meier (SP, 38), Dani Heinrich (die Mitte, 38), Sonja Isler (die Mitte, 38), Hans Ruedi Meyer (FDP/Dorfteil Anglikon, 36), Claudia Hauri (SVP, 36) und Andreas Eberhart (SVP, 34). Sie alle nahmen ihre Ämter sehr gerne an und bezeugten das mit Voten von «Yes!» (Valentin Meier) über «Selbstverständlich» (Dani Heinrich) bis «jo gern» (Hans Ruedi Meyer).

Und auch auf die zwölf Mitglieder des Wahlbüros konnten sich die Rätinnen und Räte rasch einigen. So konnte der neue Präsident Cyrille Meier die allererste Sitzung des neu gewählten Wohler Einwohnerrats nach gut zwei Stunden durch das Klingeln des Glöckleins beenden.

Aktuelle Nachrichten