Wohlen
Der neue Einwohnerratspräsident will zeigen: «Wohlen ist sehr viel besser als sein Ruf»

Seit Montag ist der 33-jährige Cyrille Meier der neue Chef des Wohler Einwohnerrats. Ihm ist wichtig, dass im Rat weiterhin so konstruktiv für Wohlen politisiert werde, wie bisher. Seine Gemeinde liegt dem Realschullehrer sehr am Herzen, das spürt man. Und er ist stolz, ihr vorzustehen – auch wenn er die Politik erst als Einwohnerratskandidat so richtig zu schätzen gelernt hat.

Andrea Weibel
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Cyrille Meier ist der neue höchste Wohler, der Präsident des Einwohnerrats.

Cyrille Meier ist der neue höchste Wohler, der Präsident des Einwohnerrats.

zvg

Mit 33 von total 40 Stimmen wurde Cyrille Meier am Montag zum höchsten Wohler gewählt. Der 33-Jährige war zwei Jahre lang Vizepräsident des Wohler Einwohnerrates, nun wird er diesem zwei Jahre lang als Präsident vorstehen. Am Montag sagte er noch, er sei froh, dass man als höchster Wohler keine ausserordentliche Körpergrösse und auch kein hohes Alter vorweisen müsse, mit beidem könne er nämlich nicht dienen.

Wie fühlen Sie sich als neuer Einwohnerratspräsident?

Ich freue mich und bin natürlich auch sehr stolz, Wohlen repräsentieren zu dürfen. Vor allem auch die jüngere Bevölkerungsschicht.

Sie sitzen mit Ihren 33 Jahren bereits seit zehn Jahren im Wohler Einwohnerrat. Wie kamen Sie zur Politik?

Daheim am Küchentisch wurde bei uns wenig über Politik gesprochen. Bei den Wahlen 2009 wurde ich von einem Freund angefragt, ob ich nicht für die SP kandidieren wolle. Das hat mein Interesse geweckt. Ich merkte, dass man viel mehr bewirken kann als beispielsweise bei nationalen Abstimmungen.

2011 rutschten Sie in den Einwohnerrat nach, präsidieren seit fünf Jahren die SP Wohlen und sind nun der höchste Wohler. Was möchten Sie noch erreichen?

(lacht) Zuerst einmal möchte ich mich als Präsident dafür einsetzen, dass im Einwohnerrat weiterhin ein respektvoller Umgang herrscht und speditiv wie auch konstruktiv für Wohlen zusammengearbeitet wird. Denn als Präsident muss man klar die eigenen Parteiinteressen zurückstellen. Auch wenn mir das an meiner ersten Sitzung am Montag nicht ganz leicht gefallen ist.

Wie meinen Sie das?

Ich musste ehrlich gesagt schon einmal aufs Maul sitzen, denn auf eine Aussage hätte ich gerne sofort reagiert. Aber ich bin noch im Lernprozess. Und grundsätzlich konnte der Einwohnerrat in den vergangenen Jahren sehr viele grosse Projekte voranbringen.

Das klingt, als möchten Sie in zwei Jahren nicht aus dem Einwohnerrat zurücktreten, wie das die meisten abtretenden Präsidenten taten?

(lacht) Darauf werde ich wohl erst dann eine definitive Antwort geben können. Aber ich kann mir durchaus in Zukunft Ambitionen für den Grossen Rat vorstellen. Denn dort kann man für Wohlen viel bewirken.

Welche Themen möchten Sie in Wohlen vorantreiben?

In den nächsten zwei Jahren sollten wir sicher die Frage der Abfallbewirtschaftung bearbeiten. Als Reallehrer im Junkholz ist es mir ein persönliches Anliegen, dass das 45-jährige Schulhaus auch bald saniert wird. Und ich hoffe, dass vor allem die Budgetsitzung Ende Jahr mit der geplanten Steuererhöhung gut gehen wird sowie das Verkehrskonzept bald erneuert werden kann.

Und unabhängig von ihren zwei Präsidialjahren?

Ich finde, Wohlen hat bereits sehr viel zu bieten. Dennoch wandern gerade junge Leute häufig in grössere Zentren ab. Wir sollten uns überlegen, wie wir ihnen mehr Perspektiven auf dem hiesigen Arbeitsmarkt schaffen können. Genaueres kann ich dazu aber auch noch nicht sagen.

Ihr neuer Vizepräsident ist Marc Läuffer von der SVP. Mit ihm werden sie eng zusammenarbeiten müssen. Wie stellen Sie sich das vor?

Cyrille Meier (SP, rechts) ist der neue Einwohnerratspräsident, Marc Läuffer (SVP) der neue Vizepräsident. Meier freut sich auf die Zusammenarbeit.

Cyrille Meier (SP, rechts) ist der neue Einwohnerratspräsident, Marc Läuffer (SVP) der neue Vizepräsident. Meier freut sich auf die Zusammenarbeit.

Andrea Weibel (10.1.2022)

Ich denke, das kommt sehr gut. Ich wurde von meinem Vorgänger, Meinrad Meyer, sehr gut ins Amt eingeführt, und möchte das auch mit meinem Nachfolger tun. Nur das Repräsentieren ausserhalb des Rats konnte ich mir nicht gross abschauen, weil ja die meisten Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Freuen Sie sich, Wohlen zu repräsentieren?

Auf jeden Fall. Ich möchte den Leuten zeigen, dass Wohlen sehr viel besser ist als sein Ruf.

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