Wohlen
Nach Polit-Wirbel beim FC Wohlen: SVP-Vogt kann über Anti-SVP-Plakate nur den Kopf schütteln

Ein Anlass der SVP Wohlen-Anglikon, den die Partei kürzlich im Stadion des FC Wohlen durchführte, sorgte für viele Diskussionen bei den Fans. Nun äussert Organisator und Vizeammann Roland Vogt seine Meinung zum entstandenen Wirbel.

Marc Ribolla
Drucken
Teilen
Eines der viel diskutierten Plakate beim Spiel zwischen dem FC Wohlen und dem FC Solothurn.

Eines der viel diskutierten Plakate beim Spiel zwischen dem FC Wohlen und dem FC Solothurn.

Larissa Gassmann

Im Umfeld des FC Wohlen herrscht dicke Luft. Nicht wegen der sportlichen Leistung des Spitzenteams in der 1. Liga, sondern wegen eines Anlasses abseits des Rasens. Beim Match gegen Bassecourt führte die SVP Wohlen-Anglikon am 18. September einen Wahlapéro mit den damaligen Gemeinderatskandidaten Roland Vogt und Roland Büchi im Stadion Niedermatten durch.

Ein Teil der Wohler Fans goutierte dies nicht und tat seinen Unmut mit Anti-SVP-Plakaten («SVP, not welcome») kund. Auch bei den folgenden Partien in Köniz und daheim gegen Solothurn am 2. Oktober. In der Folge wurde der Wohler Fanverantwortliche Benjamin Netz vergangene Woche entlassen. Er wehrt sich dagegen, für die Plakataktion verantwortlich zu sein.

SVP habe ausser einem Flyer keine Werbung für den Anlass gemacht

Mit den Entwicklungen und dem entstandenen Aufruhr in dieser Sache kann SVP-Grossrat und Wohler Vizeammann Roland Vogt wenig anfangen. Auf Anfrage der AZ erklärt er: «Dem Ganzen wird meiner Meinung nach zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Unser Anlass fand nur am Rande des Fussballmatchs statt, viele Zuschauer haben den Apéro wohl nicht einmal bemerkt.»

Etwa 60 Personen lauschten damals den Ansprachen der Ortspartei. Ausser einem Flyer in die lokalen Haushalte habe man keine Werbung dafür gemacht. Der FC habe den Anlass auch seinerseits nicht gepusht.

Im Rahmen des Spiels Wohlen – Bassecourt am 18. September veranstaltete die SVP Wohlen einen Apéro im Stadion.

Im Rahmen des Spiels Wohlen – Bassecourt am 18. September veranstaltete die SVP Wohlen einen Apéro im Stadion.

Benjamin Netz (18.9.21)

Die Anti-SVP-Plakate hätten sie zur Kenntnis genommen, sich daran aber nicht weiter gestört. Dass die Präsenz der SVP bei gewissen Gruppierungen im Stadion nicht auf Begeisterung stiess, sei klar, aber: «Über die Plakate kann ich nur den Kopf schütteln, das ist sehr bedauerlich», sagt Roland Vogt weiter.

In Fankreisen stiess der SVP-Anlass auch auf Unverständnis, weil die Partei sich früher oft gegen Anliegen des FC Wohlen (Kunstrasenbau, Einzonung Niedermatten-Erweiterung etc.) engagiert hat. Dieses Argument sticht nach Vogts Ansicht nicht. «Das Stadion gehört der Gemeinde. Themen diesbezüglich kann man politisch aufgreifen. Am Ende entscheidet das Volk in einer Demokratie. Im Übrigen hat der FC bei der SVP viele Sympathisanten», sagt Vogt.

«Es kamen Leute zum ersten Mal ins Stadion»

Die Idee für den Apéro stammte von ihm selbst. Er hat als ehemaliger Aktiver, Juniorentrainer oder auch als Donator einen engen Bezug zum FC Wohlen. «Im Vordergrund stand, mehr Leute ins Stadion zu bringen. Es erschienen auch solche, die zum ersten Mal in die Niedermatten kamen», blickt Vogt zurück.

Vizeammann Roland Vogt (SVP) wollte mit seinem Anlass mehr Leute ins Stadion bringen.

Vizeammann Roland Vogt (SVP) wollte mit seinem Anlass mehr Leute ins Stadion bringen.

zvg

Vogt findet es bezüglich der Verantwortlichen des Vereins auch nicht angebracht, im Nachhinein soviel Wirbel zu verursachen. Jene Personen hätten sich nach dem Abstieg aus der Challenge League sehr stark engagiert und dies nicht verdient. Weiter möchte er nicht auf den Wirbel eingehen.

Verwaltungsratspräsident André Richner habe die Verantwortung dafür übernommen. Im «Wohler Anzeiger» sagte dieser: «Sämtliche politische Verbindungen werden gekappt. Der FC Wohlen geht ab sofort strikt nach den Statuten und ist neutral. Da sind wir ab sofort knallhart.»

FCW-Stadionsprecher Matteo Fruci ist über die Trennung des Vereins von Benjamin Netz entsetzt. Auf Facebook schreibt er am Montag in einem längeren Statement unter anderem: «Lange haderte ich, ob ich diesem Verein noch weiter meine Stimme als Stadionspeaker verleihen möchte. Aber das werde ich. Denn der FCW ist mehr als das Handeln des Vorstandes. Der FCW sind mehrere hundert Juniorinnen und Junioren mit verschiedensten Herkünften. Und genau diesen diversen FCW liebe ich.»

Aktuelle Nachrichten