Wohlen

Wohlener und Wohler haben weitgehend ähnliche Probleme

Ein Interview des neuen Gemeindepräsidenten von Wohlen BE Bänz Müller zeigt, dass sich die Probleme von Berner Wohlener von den Aargauer Wohlern kaum unterscheiden.

Toni Widmer
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Wohlensee bei Hinterkappelen, das zu Wohlen BE gehört. Adrian Sulc

Wohlensee bei Hinterkappelen, das zu Wohlen BE gehört. Adrian Sulc

Die Wohlener im Kanton Bern reden wohl etwas langsamer als die Wohler im Kanton Aargau. Und sie haben vermutlich auch eine etwas andere politische Kultur. Denn im Gegensatz zu Wohlen AG gibt es in Wohlen BE keinen Einwohnerrat, sondern noch immer die Gemeindeversammlung. Und bei den letzten Nationalratswahlen hat nicht die SVP am meisten Stimmen geholt, sondern die SP.

Wohler und Wohlener

Die Einwohner von Wohlen AG werden Wohler genannt, jene von Wohlen BE sind Wohlener. Wohlen BE ist mit 3630 ha flächenmässig grösser als Wohlen AG mit 1248 ha, mit 9000 Einwohnern aber schwächer besiedelt (Wohlen AG 16 000). Die politischen Kräfte sind in Wohlen BE völlig anders verteilt. Wählerstärkste Partei ist die SP (Wohlen AG: SVP) , gefolgt von SVP (CVP) und BDP (FDP). Der Kanton Bern hat ein ganz anderes Steuersystem als der Kanton Aargau, deshalb lässt sich die Steuerbelastung nur sehr bedingt vergleichen. Laut Comparis würde man in Wohlen BE bei einem steuerbaren Einkommen von 50 000 Franken 291 Franken sparen, bei 40 000 sogar 600 Franken und bei 80 000 rund 160 Franken. Bei steuerbaren Einkommen von 60 000 und 70 000 Franken hingegen wäre die Ersparnis gleich null. (to)

Dennoch, so geht es aus einem Interview des neuen Gemeindepräsidenten Bänz Müller im «Bund» hervor, haben die Wohlener in etwa die gleichen Probleme wie die Wohler.

Zum Beispiel die Finanzen. Für das nächste Jahr hat Wohlen BE einen Fehlbetrag von 1,6 Mio. Franken budgetiert. «Wir müssen sehr gut aufpassen, dass die Ausgaben nicht grösser werden als die Einnahmen. Wesentlich ist es, ein höheres Steuersubstrat zu erreichen. Das soll geschehen, indem die Bevölkerung von Wohlen wächst», sagt Bänz Müller dazu.

Vergleicht man diese Aussage mit solchen von Politikern in Wohlen AG, so findet man mehrmals fast identische Aussagen. Journalistin Janina Gehrig hat den Wohlener Gemeindepräsidenten auch gefragt, ob Wohlen ein Imageproblem habe. «Ja», gibt er zu. Liest man weiter, so kommt man darauf, dass unter anderem Vandalenakte von Jugendlichen in der Berner Vorortsgemeinde für negative Schlagzeilen gesorgt haben. Auch das ist ein Problem, das man in der Freiämter Metropole nur zu gut kennt. Man denke etwa an die – zurzeit ruhende – Bahnhofdebatte.

Verdichtetes Bauen angestrebt

Auf die Frage, wo neuer Wohnraum entstehen soll, sagt Bänz Müller: «Ich denke an eine innere Verdichtung im bestehenden Gemeindegebiet. Eine Idee wäre, auf dem Dach der Migros Chappelemärit in Hinterkappelen Wohnungen zu bauen.» Auch das kommt den Wohlern im Aargau bekannt vor. Hat da nicht soeben eine Partei zwei politische Vorstösse zur Förderung des verdichteten Bauens eingereicht?

Gleich zwei Fragen im Interview mit dem Gemeindepräsidenten von Wohlen BE haben den Steuerfuss zum Thema. «Eine Steuererhöhung ist zurzeit kein Thema. Das wäre wohl ein ziemlicher Killer, wenn ich gleich in meinem ersten Amtsjahr mit einer Steuerhöhung kommen würde. Es muss machbar sein, die Finanzen in den Griff zu bekommen, ohne Steuererhöhung.»

Ob dieser Antwort dürfte die Wohler SVP-Fraktion Bauklötze staunen. Denn immerhin ist der Wohlener Gemeindepräsident ein SPler.

Die Journalistin will es aber genau wissen und fragt den Gemeindepräsidenten, ob er denn Angst vor unpopulären Entscheiden habe: «Nein», sagt der, «mir ist auch bewusst, dass es wohl keine Legislatur ohne unpopuläre Entscheide gibt. Ich halte aber daran fest, dass Steuererhöhungen nicht nötig sind. Es ist bei schwierigen Entscheiden aber umso wichtiger, die Bevölkerung nicht vor unangenehme Lösungen zu stellen, sondern sie aufzuklären und in die Entscheidungsfindung einzubinden.»

Insbesondere die Wohler SVPler werden sich jetzt fragen, ob es bei einem solchen Gemeindepräsidenten in Wohlen bei Bern denn auch steuergünstiger leben liesse als in Wohlen bei Villmergen. Im Prinzip ja (siehe Textbox rechts). Ein Durchschnittsverdiener mit 50 000 Franken steuerbarem Einkommen müsste knapp 300 Franken weniger Steuern bezahlen. Ungefähr gleich viel würde ihn aber die Entsorgung des Grünguts kosten.