Zufikon
«Emaus» schliesst Ende Monat, es muss einer Überbauung weichen – «Ich blicke auf eine gute, schöne Zeit zurück»

Zwölf Jahre lang führte René Meier als Pächter das Restaurant Emaus in Zufikon. Nun geht für ihn und seine Stammgäste bald eine Ära zu Ende. Aber auch das Gebäude wird es nicht mehr lange geben – es muss einem Einfamilien- und einem Mehrfamilienhaus weichen.

Marc Ribolla
Drucken
Teilen
Pächter und Wirt René Meier steht seit zwölf Jahren hinter dem «Emaus»-Tresen.

Pächter und Wirt René Meier steht seit zwölf Jahren hinter dem «Emaus»-Tresen.

Marc Ribolla

«Danke, tschüss, uf Wiederluege» – so steht es in roter Schrift auf dem A4-Zettel, der an der Eingangstüre des Restaurants Emaus in Zufikon hängt. Auch im Innern des beliebten Lokals stösst man auf den Zettel. Mit einigen zusätzlichen Dankesworten verabschiedet sich Wirt und Pächter René Meier so von seinen Gästen.

Denn ab dem 31. Oktober bleibt die «Emaus»-Türe für immer geschlossen. Das Restaurant wird abgerissen werden, und an seiner Stelle entsteht ein Einfamilien- und ein Mehrfamilienhaus.

Seit zwölf Jahren führte der Unterlunkhofer Meier das «Emaus». Dass es nicht ewig so bleiben würde, wusste er. «Der Besitzer kam schon vor längerer Zeit auf uns zu und erklärte, dass er in absehbarer Zeit etwas Neues bauen möchte», sagt Meier. Deshalb sei er beim definitiven Entscheid auch nicht aus den Schuhen gekippt.

Das Hauptgeschäft lief immer von Frühling bis Herbst

«Emaus»-Wirt René Meier.

«Emaus»-Wirt René Meier.

Marc Ribolla

Eigentlich wäre der Pachtvertrag noch rund ein Jahr gelaufen, doch Meier hört nun bereits vorzeitig auf. Das hat trotz der Beliebtheit des «Emaus» vor allem rationale Gründe. «Unser Hauptgeschäft läuft vom Frühling bis in den Herbst. Im Winter ist sehr wenig los. Weil man nicht weiss, wie es mit den Coronavorschriften in den nächsten Monaten weitergeht, habe ich die Reissleine frühzeitig gezogen», erklärt der Wirt.

In der wärmeren Jahreszeit war das Restaurant in der Nähe der Emaus-Kapelle und der Reuss mit seinem grossen Spielplatz für Familien, Wanderer oder Biker seit Jahrzehnten ein begehrtes Ausflugsziel. Gebaut wurde es 1973. Mit seinem grossen Saal für 80 Personen, dem Speiselokal für knapp 40 Personen und der grosszügigen Gartenterrasse war es auch beliebt für Feste aller Art.

René Meier sagt: «Ich blicke in meinen zwölf Jahren hier auf viele schöne Anlässe und eine gute Zeit zurück.» Viele Stammgäste fänden es schade und unverständlich, dass nun Schluss sei. «Einige von ihnen waren schon als Kinder hier.»

Das Restaurant Emaus mit seiner unverwechselbaren Architektur besteht seit 1973.

Das Restaurant Emaus mit seiner unverwechselbaren Architektur besteht seit 1973.

Marc Ribolla

Die Gäste hätten die gute bürgerliche Küche sehr geschätzt. Ein entsprechendes Qualitätsmerkmal des «Emaus» ist auch, dass der Koch in der Ära Meier dem Betrieb stets die Treue gehalten hat. Auch das Gros des Personals inklusive Aushilfen arbeitet seit vielen Jahren dort.

Wirt möchte der Gastrobranche treu bleiben

Vom baldigen «Emaus»-Aus ist nebst Meier und dem Koch auch eine Serviceangestellte betroffen. Wie es für ihn selber weitergeht, lässt der 48-jährige Wirt noch offen. Klar ist:

«Das Risiko, in der aktuellen Coronaphase wieder als Selbstständiger ein Restaurant zu führen, ist mir zu gross.»

Er möchte aber der Gastrobranche treu bleiben und könnte sich eine Tätigkeit als Geschäftsführer oder Restaurant-Betriebsleiter vorstellen.

Ein Blick ins Restaurant Emaus in Zufikon.

Ein Blick ins Restaurant Emaus in Zufikon.

Marc Ribolla

Ein beliebter Anlass im «Emaus» ist der wöchentliche Füchsli-Jass, der immer viele Jasserinnen und Jasser anzieht. Damit diese Gäste in Zukunft weiter ihrem Hobby nachgehen können, hat Meier einen Ersatzort organisiert. Der Füchsli-Jass findet ab November im nahe gelegenen Rottenschwiler «Hecht» statt.

Am letzten Betriebstag, dem 31. Oktober, gibt es zum Abschied eine Ustrinkete und ein Abverkauf von allem Inventar, das noch übrig bleibt. Schon jetzt ist Meier aber offen für Interessenten, die sich Gläser, Teller, Deko oder Bilder als Erinnerung ans «Emaus» sichern möchten, bevor er den Schlüssel endgültig dreht und «Tschüss» sagt.

Aktuelle Nachrichten