Bözen
10 Jahre nach Spatenstich: «Wohnen im Alter» ist ein Vorzeigemodell

Verena Erb sagt, wie sich die Gässlimatt in den letzten zehn Jahren entwickelt hat.

Timea Hunkeler
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Die Genossenschaft Wohnen im Alter Bözen und Umgebung hat auf der Gässlimatt im Dorfzentrum in zwei Etappen vier Häuser mit je sechs Wohnungen erstellt. CM

Die Genossenschaft Wohnen im Alter Bözen und Umgebung hat auf der Gässlimatt im Dorfzentrum in zwei Etappen vier Häuser mit je sechs Wohnungen erstellt. CM

Claudia Meier (cm)

«Ich bin heute noch begeistert von diesem Projekt», sagt Verena Erb. Die Präsidentin der Genossenschaft «Wohnen im Alter Bözen und Umgebung» kann auf zehn bewegte Jahre zurückblicken. Denn mit dem Spatenstich im Herbst 2007 für die erste Bauetappe der Alterswohnungen auf Gemeindeland begann auch die Erfolgsgeschichte. «Als die Idee von Alterswohnungen in Bözen geboren war, brauchte es viel Mut, diese auch zu realisieren», erklärt Erb. Dennoch seien immer alle hinter dem Projekt gestanden. «Sogar der gesamte Gemeinderat stimmte damals dem Konzept zu, was auch ein eher seltenes Phänomen ist», sagt die Präsidentin, die selbst 20 Jahre im Gemeinderat, 12 davon als Gemeindeammann tätig war. Sie freue sich heute noch über das ihr entgegengebrachte Vertrauen.

Nachfrage von jüngeren Leuten

«Es hat einfach schon immer eine Zwischenlösung gefehlt. Nach dem Eigenheim wollen viele ältere Leute nicht gleich ins Alters- oder Pflegeheim, da sie sich ihre Eigenständigkeit noch bewahren möchten. Deshalb sind Alterswohnungen eine tolle Lösung», sagt Lydia Glauser. Sie ist eine der Bewohnerinnen der Gässlimatt, wie die Siedlung genannt wird. Glauser führt durch ihre Wohnung.

«Was sogenannte Alterswohnungen ausmacht, sind beispielsweise Faktoren wie die Rollstuhlgängigkeit in der gesamten Wohnung, ein pflegeleichter Boden, helle Räume und ein grosser Eingangsbereich, um den Rollator oder den Rollstuhl abstellen zu können», erklärt sie. Ebenfalls müsse in der Wohnung auch nicht auf eine Liftanlage sowie einen Keller verzichtet werden. Besonders attraktiv sei zudem die zentrale Lage. Laut Erb herrsche eine grosse Nachfrage von jüngeren Leuten. Die Genossenschaft bevorzuge jedoch die Vermietung oder den Verkauf an ältere Leute.

Andere Gemeinden mit Interesse

«Wir hatten generell nie Schwierigkeiten damit, die Wohnungen an den Mann oder an die Frau zu bringen», sagt Erb. Aktuell sind alle 24 Wohnungen, darunter 21⁄2- und 31⁄2- Zimmer-Wohnungen, bewohnt. Bei sieben handle es sich um Eigentumswohnungen. Das Konzept der Genossenschaft kann sich auch ausserhalb der Gemeinde an grosser Beliebtheit erfreuen. Denn bereits zirka 25 Gemeinden und Organisationen zeigten Interesse am Pionierprojekt. «Ich habe auch schon viele Vorträge in verschiedenen Gemeinden gehalten, um diesen die Idee und vor allem die Umsetzung erläutern zu können», sagt Erb.

Mandach sei eine der Gemeinden, die das Konzept der Genossenschaft bereits umgesetzt hat. «Dass wir eine solche Vorbildfunktion haben, macht mich sehr stolz», erklärt die Präsidentin. «Ich denke, so langsam beginnen die Gemeinden beim Thema Wohnen im Alter endlich ein wenig umzudenken.» Die Alterswohnungen in Bözen werden heute nicht nur von Bözern bewohnt. «Die Leute kommen sogar aus dem Kanton Graubünden hierher, um sich die Wohnungen anzusehen», sagt sie.

Zwei neue Vorstandsmitglieder stellen sich an der 10. Generalversammlung heute Freitagabend zur Wahl. Wer die Kandidaten sind, will Erb noch nicht verraten. «Wir freuen uns aber, zwei engagierte Persönlichkeiten zur Wahl stellen zu können», sagt die Präsidentin, die in absehbarer Zeit etwas kürzertreten möchte. Und obwohl das Projekt, ihr «Kind», wie sie es nennt, viel ihrer Zeit in Anspruch nahm, bereue sie nichts. «Ich bin nach wie vor stolz, wie reibungslos alles geklappt hat. Die ersten Leute konnten nämlich bereits im September 2008 in die Gässlimatt einziehen», sagt Verena Erb. Sie selbst wisse noch nicht, wo sie den dritten Lebensabschnitt einmal verbringen möchte.

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