Fricktal
95 Prozent der Zwetschgenblüten erfroren: Obstbauer beklagt Ertragausfall von 20'000 Franken

Ein Grossteil seiner Kirschen - und Zwetschgenblüten sind erfroren. Bauer Christoph Müller schätzt: «Durch die Frostschäden habe ich einen Ertragausfall von mindestens 20 000 Franken.» Ein Mittel, um den Ertragsausfall ein wenig abzumildern, sind höhere Kilopreise für sein Obst.

Dennis Kalt
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Dennis Kalt

Christoph Müller hat die Nase gestrichen voll: Wie bereits vergangene Woche muss er in aller Herrgottsfrühe auf seine Kirschbaumanlage raus, um die Schneedecke, die auf den Planen lastet, mit einem Rechen herunterzustossen. «Der Schnee und Frost bereitet mir um einiges mehr Arbeit, gleichzeitig habe ich weniger Ertrag. Das nervt mich einfach nur noch», echauffiert sich der Obstbauer über das Wetter.

Winzer Gerhard Wunderlin

Winzer Gerhard Wunderlin

Dennis Kalt

An seinen 800 Zwetschgenbäumen sind 95 Prozent der Blüten den Frostnächten der vergangenen Woche zum Opfer gefallen. Bei seinen Tafelkirschen beträgt die Ausfallquote 20 Prozent. Diese kann sich jedoch noch bis zu 80 Prozent erhöhen. «Durch die Frostschäden habe ich einen Ertragausfall von mindestens 20 000 Franken», schätzt Müller, der darauf verzichtet hat, eine Frostschutzversicherung für seinen Obstbetrieb abzuschliessen. «Da müsste ich rund 20 Prozent meines Ertrages für die Prämie bezahlen. Wenn so ein Frostschaden jedoch nur alle zehn Jahre Eintritt, fahre ich ohne Versicherung besser», erklärt er.

Eine doppelte Bestrafung

Dadurch, dass die Zwetschgenbäume im Sommer kaum Früchte tragen, werden mehr Triebe nachwachsen. Dies erhöht für Müller den Aufwand, wenn er im Winter die Äste an den 800 Bäumen nachschneiden muss. «Klar, das ist eine doppelte Bestrafung. Aber ich kann die Bäume nicht so ins Jahr 2018 gehen lassen. Es muss schliesslich weitergehen», sagt Müller, der bei der jährlichen Ernte von rund zehn Helfern unterstützt wird: «Ich weiss nicht, ob ich sie in diesem Jahr alle einsetzen kann», sagt er und schiebt nach: «Sie haben mich ab und zu angerufen und gefragt, wie es um die Blüten steht. Die Helfer sind frustriert, weil sie über all die Jahre einen Bezug zu der Obstproduktion aufgebaut haben.»

Ein Mittel, um den Ertragsausfall von Müller ein wenig abzumildern, sind höhere Kilopreise für sein Obst. «Wir stellen ein Spitzenprodukt her, in dem viel Arbeit steckt. Ich bin mir sicher, dass die Kunden bereit sein werden, dafür ein oder zwei Franken mehr zu zahlen», sagt Müller.
Auch Gerhard Wunderlin, Weinproduzent in Zeiningen, hat der Frost kalt erwischt. Braun und welk hängen die jungen Triebe an den Rebstöcken. «100 Prozent der Triebe sind abgestorben. Das ist traurig. Aber so ist nun einmal die Natur», sagt Wunderlin. Die Anteilnahme der Dorfbevölkerung ist gross: «Ich werde immer wieder auf die Schäden von Spaziergängern angesprochen, wenn diese mich in den Rebhängen sehen», sagt er.

Das Hoffen auf die Nebenaugen

Wunderlin hofft, dass die Nebenaugen, die ebenfalls vom Frost betroffen sind, noch austreiben, dennoch: «Mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Erntemenge erwarte ich nicht», sagt er. Falls die Triebe aus den Nebenaugen noch in einigen Wochen nachkommen, müssen diese per Hand hochgezogen werden: «Dies bedeutet einen Mehraufwand von rund 30 Prozent», sagt er.
Als Selbstkelterer ist Wunderlin froh, dass er in den letzten Jahren keine Fehlernten hatte und er dadurch noch genügend Wein auf Lager hat, um den Markt in diesem Jahr zu bedienen. «Erst im nächsten Jahr kann es bei einigen Spezialitäten zu Lieferengpässen kommen», sagt Wunderlin. Weil die geernteten Trauben eines Jahres frühestens im folgenden Jahr als Wein auf den Markt kommen, kann Wunderlin noch keine Angaben zu den finanziellen Folgen des Ernteausfalls machen. Eines ist für ihn jedoch klar: «Für Investitionen wie eine neue Abfüllanlage ist jetzt der falsche Zeitpunkt.»