Oeschgen

Circus-Nock-Fan Alex Hürzeler: «Etwas Liebgewonnenes geht heute zu Ende»

Der Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler, der in Oeschgen wohnt, war selber ein Circus-Nock-Fan. Er bedauert das Aus für den Traditionszirkus.

Thomas Wehrli
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Alex Hürzeler sagt, mit dem Circus Nock gehe dem Fricktal und dem Aargau ein Stück Tradition verloren. (Montage)

Alex Hürzeler sagt, mit dem Circus Nock gehe dem Fricktal und dem Aargau ein Stück Tradition verloren. (Montage)

Emmanuel Freudiger, Sandra Ardizzone

Regierungsrat und Kulturdirektor Alex Hürzeler wohnt selber in Oeschgen, dem Winterquartier-Ort des Circus Nock. Er gehe von Kindesbeinen an in den Circus Nock, sagt Hürzeler, das erste Mal sei er vor bald 50 Jahren im Nock-Chapiteau gesessen. Diese Faszination für den Zirkus hat sich bis heute gehalten. «Wenn immer möglich besuchte ich die Premiere oder, wenn dies aus zeitlichen Gründen nicht ging, eine andere Vorstellung.» Für ihn geht denn auch «ein Stück lieb gewonnene Heimat» verloren.

Überrascht ist Hürzeler vom Moment und der Radikalität des Schrittes. Dass es für die klassischen Zirkusunternehmen in der Schweiz in den letzten Jahren immer schwieriger geworden sei, sei leider eine Tatsache. Das Zuschauerinteresse sei gesunken, die Auflagen, die an Zirkusse gestellt werden, dagegen immer mehr gestiegen. «Dass es da finanziell eng werden kann, ist nachvollziehbar.»

Hürzeler hat sich als Kulturdirektor denn auch dafür starkgemacht, dass auch die traditionellen Aargauer Zirkusse Anspruch auf Swisslos-Beiträge erhalten. «Das war vor wenigen Jahren noch nicht der Fall.»

Er sei überzeugt, dass auch die traditionelle Zirkuskunst Unterstützung verdiene und als Teil des Aargauer Volksbrauchtums anzusehen sei. «Sie stellen einen wichtigen Teil unserer Geschichte dar und verdienen es deshalb, unterstützt zu werden», sagt Hürzeler. Auch persönlich kennt der Regierungsrat die Familie – von seiner Zeit als Gemeindeammann von Oeschgen ebenso wie als Regierungsrat.

Sehr gerne erinnere er sich insbesondere an die zahlreichen, herzlichen Begegnungen und Gespräche mit Seniorchef Franz Nock. Hürzeler beschreibt die Nocks als Familie, die ganz und gar für den Zirkus gelebt hat. «Ich weiss, wie schwer ihnen dieser Schritt gefallen sein muss.» Es tue ihm für die Familie ausserordentlich leid, dass sie offenbar keinen anderen Weg sah, als aufzugeben.

Oeschgen verliere einen markanten Punkt am Dorfeingang, sagt Hürzeler, das Fricktal und der Aargau ein Stück Tradition. Man spürt im Gespräch mit Alex Hürzeler, dass ihm das Aus persönlich nahegeht. Ja, sagt er, die Nachricht habe ihn geschockt. «Etwas Liebgewonnenes geht heute zu Ende.»

Hürzeler will sich auch künftig als Kulturdirektor dafür einsetzen, dass auch das Volksbrauchtum vom Kanton im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt wird. Einen Zirkus hat der Aargau nach dem Nock-Aus noch. Das soll auch so bleiben.

Zirkus-Familie Nock: Historische Bilder

Clown Pio ist am 7. März 1993 an der Premiere des Circus Nock in Frick AG in seinem Element.
37 Bilder
Pio (Pius) Nock ist eines der berühmtesten Mitglieder der Nock-Familie. Er tritt auch im Circus Knie oder – wie hier – im Circus Pilatus auf.
Pio ist der Cousin von Franz Nock, dessen Töchter den Circus Nock zuletzt führen. Die Bilder zeigen ihn Mitte der 1950er-Jahre im Circus Pilatus. Er ist mit der Tochter des Pilatus-Direktors verheiratet.
Pio wird als Clown, der über das Hochseil tanzt, berühmt – auch international.
Im US-Film Circus-Welt (1964) hat er einen Auftritt an der Seite von Westernlegende John Wayne. Nock spaziert als Clown-Double auf einem Hochseil über einen Löwenkäfig.
Pio begibt sich im Programm des Circus Knie an der Expo 64 mit dem Fahrrad aufs Hochseil.
Pio stirbt 1997 77-jährig während einer Vorstellung im Winterzirkus "Maskerade" in Dortmund.
Pio war der Grossonkel von Hochseilartist Freddy Nock.
Der Circus Nock ist der älteste Zirkus der Schweiz.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts reist die Familie Nock mit Arena und Zirkus durch das Land.
Die Bilder stammen aus einer Fotoreportage aus dem Jahr 1961 in Solothurn.
Der Zirkus wird Ende des 19. Jahrhunderts auch Bündner Nationalzirkus genannt.
Mit Zelt, eigenem Orchester und Elefanten geht es in die Alpentäler um Davos. Die Passüberquerungen sind teilweise spektakulär.
Auftritt mit einem Esel 1961 in Solothurn. 2018 umfasst der Tierbestand 10 Pferde, 5 Ponys, 2 Esel, 2 Kamele, 2 Lamas und ein Zebra.
Mehrmals wird das Zelt der Nock vom Wind zerstört. Ab 1942 ist der Zirkus zwölf Jahre ohne Zelt unterwegs.
Es folgen weitere Bilder von der Vorstellung 1961 in Solothurn.

Clown Pio ist am 7. März 1993 an der Premiere des Circus Nock in Frick AG in seinem Element.

Keystone