Kaisten

Deutsches Kraftwerk lässt im Kaisterbach seltene Nasen austrocknen

Im Kaisterbach laicht die seltene Nase. Aber: Ihr Laich trocknet aus – auch, weil ein deutsches Kraftwerk Wasser abpumpt. Nun wollen die Fischer handeln.

Nadine Böni
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Ulrich Germann, Präsident des Fischervereins Kaisten, an der Mündung des Kaisterbachs in den Rhein, wo alle Jahre die seltenen Nasen laichen. nbo

Ulrich Germann, Präsident des Fischervereins Kaisten, an der Mündung des Kaisterbachs in den Rhein, wo alle Jahre die seltenen Nasen laichen. nbo

Nadine Böni

Wenige Tage ist es her, da beobachteten sie die Kaister Fischer im nahen Kaisterbach: die Nasen. «Früher schwammen Tausende Nasen dem Rheinufer entlang und frassen die Algen auf den Steinen ab», sagt Ulrich Germann, Präsident des Fischervereins Kaisten. Heute aber sind sie ein seltener Fang, stehen sie doch seit Jahren auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. In Kaisten tauchen jedes Jahr ein paar Exemplare auf, um zu laichen. «Die Nasen gehören zu den Kieslaichern», erklärt Germann. Die Mündung des Kaisterbachs in den Rhein eigne sich mit ihrem kiesigen Untergrund daher besonders gut. Aber: Nachwuchs haben die Nasen in Kaisten trotzdem keinen.

Kraftwerk legt Laich trocken

Der Grund dafür liegt knapp in Sichtweite auf der anderen Seite des Rheins: Das Kavernenkraftwerk der Schluchseewerk AG mit ihrem Becken auf dem Eggberg. Um über Mittag Strom produzieren zu können, pumpt die Schluchseewerk AG in der Nacht Wasser aus dem Rhein auf den Eggberg. «Der Rheinpegel sinkt dann bis zu 60 Zentimeter ab», sagt Germann. So liegt der Laich der Nase in der Mündung des Kaisterbachs auf dem Trockenen. «Der schwankende Pegel des Rheins wirkt wie eine zu 100 Prozent sichere Anti-Baby-Massnahme», sagt Germann.

Bei der Schluchseewerk AG weiss man um die Problematik. Für die verschiedenen Kraftwerke sind sogenannte Bewirtschaftungsräume definiert – also ein Bereich, in dem der Rheinpegel schwanken darf. «Bei Säckingen sind das 75 Zentimeter», sagt Nadine Eiden von der Kommunikationsabteilung. «Wir erfüllen damit alle Rahmenbedingungen.»

In der Vergangenheit seien Gespräche über eine Lösung – etwa die Einführung von Schonzeiten in den Laichmonaten April und Mai – jeweils gescheitert, sagt Ulrich Germann. Nun möchten er und seine Fischerkollegen wieder das Gespräch suchen. Im Wissen, dass sie diesmal auch den Kanton Aargau im Rücken haben könnten.

Umdenken beim Kanton

Dort findet zurzeit ein Umdenken statt. Bislang versuchte man, die Bestände der bedrohten Arten mittels Aussetzen von Fischen zu sichern. «Untersuchungen – jüngst bei der Äsche – haben allerdings gezeigt, dass das ein totaler Misserfolg ist», sagt David Bittner, Fachbereichsleiter Fischerei. Deshalb wolle man in Zukunft das Augenmerk darauf legen, die Lebensräume der Fische zu verbessern und so ihre natürliche Verbreitung zu fördern. Bis im kommenden Jahr sollen die wichtigsten Laichgebiete der bedrohten Fische bestimmt werden. «Sie erhalten einen speziellen Schutzstatus», sagt Bittner.