Gipf-Oberfrick

Ein Förster, der aus Liebe Wurzeln schlug

Zum Tag des Baumes erzählt Stefan Landolt, was er zwischen Eschen und Buchen alles erlebt hat.

Dennis Kalt
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Förster Stefan Landolt ist seit 38 Jahren Förster im Forstbetrieb Thiersteinberg und kennt die dortigen Wälder wie kein Zweiter. Dennis Kalt

Förster Stefan Landolt ist seit 38 Jahren Förster im Forstbetrieb Thiersteinberg und kennt die dortigen Wälder wie kein Zweiter. Dennis Kalt

Polizist, Feuerwehrmann, Pilot – dies sind die Berufswünsche, die bei Buben zumeist ganz oben auf dem Wunschzettel stehen. Stephan Landolt, Förster im Forstbetrieb Thiersteinberg, 63, schüttelt den Kopf und schmunzelt darüber: «Nein, für mich war ab der sechsten Klasse klar, dass ich Förster werden will.» Landolt hatte den Wald in Bad Zurzach, dort, wo er unweit des Rheins aufwuchs, direkt vor der Haustüre. Seine schönsten Kindheitserinnerungen spielen sich zwischen Eschen, Buchen und Tannen ab. Erinnerungen daran, wie er mit seinen Freunden durch das Laub zog, Stöcke sammelte, Höhlen baute, sich versteckte und Schätze suchte. «Der Wald war mein Spielplatz. Diese Zeit hat die Weichen gestellt», sagt er.

Und aus seinem Spielplatz wurde sein Arbeitsplatz. «Nach der achten Klasse wollte ich nahtlos mit der Forstwart-Ausbildung beginnen. Man war aber der Meinung, dass ich zu schmächtig war», erzählt Landolt, der deswegen zunächst für ein Jahr ein Internat im Kanton Neuenburg besucht. Der kurze Umweg bringt Landolt aber nicht von seinem Weg ab. Mit 22 Jahren ist er bereits ausgebildeter Förster. Drei Jahre später wird eine Stelle im Forstbetrieb Thiersteinberg frei. «Ich wollte dort nur kurz bleiben. Mein Drang, Neues zu entdecken, war gross, doch die Liebe zu meiner Frau, die ich in Gipf-Oberfrick kennenlernte, war viel grösser», erzählt er.

Einen Tresor im Wald entdeckt

Aus dem geplanten Zwischenstopp sind mittlerweile 38 Jahre geworden, in denen Landolt im rund 2000 Hektar grossen Revier vieles erlebt hat: «Vor einigen Jahren haben wir einen Tresor im Wald gefunden, den Diebe dort zurückgelassen haben. Leider haben sie jedoch den Inhalt mitgenommen», erzählt Landolt mit einem spitzbübischen Grinsen. Er erinnert sich, wie ihn ein Mitarbeiter beinahe täglich zur Weissglut getrieben hat: «Der hat sich so langsam bewegt, dass ich dachte: Der schläft gleich ein.» Doch am Ende des Tages hatte dieser mehr Holz verarbeitet als die meisten anderen Forstwarte. Heute lacht Landolt darüber, grübelt aber manchmal noch, wie dies sein Mitarbeiter wohl fertigbrachte.

Aber auch an schlimme Momente erinnert er sich. So, als ein Waldfahrzeug Anfang der 1990er-Jahre einen Hang hinunterstürzte und einen Mitarbeiter unter sich begrub. «Er hatte sich drei Rückenwirbel gebrochen. Weil er medizinisch schnell versorgt wurde, blieb er vom Rollstuhl verschont», erzählt Landolt, der dem ehemaligen Mitarbeiter auch heute noch ab und an über den Weg läuft: «Wenn wir uns in die Augen blicken, kommt der Unfall von damals sofort hoch. Das fühlt sich komisch und unangenehm an», sagt er.

Die halbe Zeit seines Arbeitstages verbringt Landolt im Wald, die andere im Büro: «Ich bin lieber im Wald. Die Natur entspannt mich gerade dann, wenn es im Büro stressig zugeht», sagt er. In seiner Freizeit vermeidet er es jedoch, in den Wald zu gehen: «Manchmal trifft man dort auf Leute, die mich als Förster fragen, wieso gerade diese oder jene Tanne gefällt wurde. Auf das kann ich am Samstag verzichten», sagt er.

Der Druck, den Wald angemessen zu bewirtschaften, habe in den letzten Jahrzehnten zugenommen. «Kanton, Gemeinden, Waldeigentümer, Natur- und Tierschützer, Vereine und Interessengemeinschaften sowie Privatpersonen – man muss zwischen vielen Interessen austarieren. Das macht die Sache zwar spannend, lässt mir aber auch manchmal den Kopf rauchen», sagt er.

Sauer stösst Landolt das Verhalten manch eines Gemeinderates auf, der für die Waldbewirtschaftung zuständig ist oder war: «Im Wald steckt so viel Energie und Potenzial. Da verstehe ich es einfach nicht, wenn Gemeinden oder Gemeinderäte für Bauten nicht auf Materialien zurückgreifen, die bei ihnen im Wald wachsen. Zumal sie immer predigen, dass der Wald auch wirtschaftlich sein muss.» Explizit nennt Landolt das neue Gemeindehaus in Frick.

Ab dem 28. Februar wird sich Landolt über dieses Verhalten weniger Gedanken machen. Denn dann wird er seine Säge an den Nagel hängen. «Ich freue mich darauf, dass ich mir mehr Zeit für mein Enkelkind nehmen kann.» Ob es Landolt nach seiner Zeit als Förster öfters in den Wald zieht, weiss er noch nicht: «Wenn, dann eher in einen anderen Forst, um zu prüfen, ob dort der Förster seinen Job auch richtig macht», sagt er mit einem Augenzwinkern.