Region

«Eine Zonierung beim Tarifverbund Nordwestschweiz wäre der Todesstoss»

Fricktaler Grossräte halten nichts von der Einführung von Zonen beim Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW). Das U-Abo sei kein Auslauf- sondern ein Erfolgsmodell, so der Tenor.

Marc Fischer
Drucken
Teilen
Daniel Vulliamy, Grossrat SVP

Daniel Vulliamy, Grossrat SVP

Aargauer Zeitung

Hinter den Kulissen arbeiten die Kantone Basel-Stadt, Baselland, Aargau, Solothurn und Jura an einer sogenannten Bestellerstrategie für den Tarifverbund Nordwestschweiz. Die Baselbieter FDP-Regierungsrätin Sabine Pegoraro brachte nun diese Woche eine Zonierung des TNW ins Spiel und bezeichnete das U-Abo als «Auslaufmodell» (die az berichtete).

Damit stösst sie im Fricktal auf wenig Gegenliebe. «Es ist erschreckend, dass dieses Thema schon wieder aufs Tapet kommt. Ich verstehe nicht, warum man am Erfolgsmodell TNW stän-
dig etwas ändern will», sagt GLP-Grossrat Roland Agustoni hörbar enerviert. Für ihn ist klar «Eine Zonierung wäre der Todesstoss.»

Eine Zone: Ungerecht oder genial?

Auch für Elisabeth Burgener (SP) und Daniel Vulliamy (SVP) ist der TNW ein Erfolgsmodell. Burgener betont, das Ein-Zonen-System sei «ja gerade das Geniale am Verbundsystem des TNW». Vulliamy hält «gar nichts» von einer Zonierung. Seiner Ansicht nach resultierten daraus «mehr Administration verbunden mit Kostenfolge». Und: «Das Vorpreschen eines einzelnen Vertragspartners ist ohnehin der falsche Weg.»

Etwas anders sieht dies Hans Ruedi Rihs, Leiter Sektion öffentlicher Verkehr beim aargauischen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Er betont zwar, «dass die aktuelle Diskussion nicht vom Aargau angestossen wurde.» Sagt aber: «Ich halte das Ein-Zonen-System für diskussionswürdig. Wer mehr konsumiert, soll meiner Meinung nach auch mehr bezahlen.» Zudem seien die Abo-Nutzer im Tarifverbund Nordwestschweiz gegenüber anderen Tarifverbünden finanziell im Vorteil. «Wer in der A-Welle oder im Z-Pass eine vergleichbare Strecke wie Laufenburg-Basel fährt, zahlt deutlich mehr», so Rihs.

Preiserhöhungen prüfen

«Preisanpassungen könnte man prüfen», sagt dazu Roland Agustoni. Daniel Vulliamy ergänzt, eine solche Diskussion sei legitim: «Eine dezente Preisanpassung pro Abo könnte allenfalls zur Verbesserung des Kostendeckungsgrades beitragen.» Letzteres ist das gemeinsame Ziel der Kantone. Sollte es zu einer Preiserhöhung kommen, so Elisabeth Burgener, müsste diese «familienfreundlich moderat» sein. Mit zu grossen Preiserhöhungen oder der Unterteilung des Gebiets in Zonen, so die Fricktaler Politiker, sei das ursprüngliche Ziel des Tarifverbundes in Gefahr. Dieses sieht vor, die Bevölkerung zum Umsteigen vom motorisierten Individual- auf den öffentlichen Verkehr zu bewegen. «Bei zu grossen Aufschlägen nehmen die Pendler aber wieder das Auto und fahren in die Stadt», so Roland Agustoni.

«Ohne TNW könnten unsere Verkehrswege wohl heute schon in der Nordwestschweiz die Last nicht mehr tragen», sagt Daniel Vulliamy. Und Martin Steinacher (CVP) ergänzt: «Das attraktive TNW-Angebot sorgt dafür, dass auch die Menschen aus dem Oberen Fricktal mit dem öffentlichen Verkehr nach Basel fahren.»