Fricktal

Exit hat Zulauf: Wie denken die Leute auf der Strasse über Sterbehilfe?

Die Sterbehilfeorganisation Exit hat Zulauf. Dem eigenen Leben ein Ende setzen – im Fricktal ist das kein Tabu-Thema. In einer Umfrage der az zeigt sich: Die meisten Fricktalerinnen und Fricktaler sind der Sterbehilfe gegenüber offen eingestellt.

Nadine Böni
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Sterbehilfe ist im Fricktal kein Tabu-Thema. Symbolbild Keystone

Sterbehilfe ist im Fricktal kein Tabu-Thema. Symbolbild Keystone

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Die Mitgliederzahlen der Sterbehilfeorganisation Exit wachsen und wachsen – auch im vergangenen Jahr überdurchschnittlich. Mittlerweile sind über 86 000 Menschen Mitglied. Ob und wie viele Fricktaler oder Fricktalerinnen darunter sind, kann Exit nicht eruieren. «Wir können unsere Mitgliederdaten nicht so detailliert aufschlüsseln», sagt Exit-Vizepräsident Bernhard Sutter. «Der Zuwachs verteilt sich aber ziemlich gleichmässig auf die Regionen.»

Mehr als die Hälfte der Mitglieder würden sich online anmelden, der Rest per Telefon oder Brief. «Mutmasslich keinen Einfluss» habe die vor rund einem Jahr in Binningen BL eröffnete Zweigstelle auf die Mitgliederzahlen in der Region, sagt Sutter. Dort fänden hauptsächlich persönliche Beratungen von Mitgliedern statt.

Pfarrerin ist skeptisch

Dem eigenen Leben ein Ende setzen – im Fricktal ist das kein Tabu-Thema. In einer Umfrage der az zeigt sich: Die meisten Fricktalerinnen und Fricktaler sind der Sterbehilfe gegenüber offen eingestellt. Das spürt auch Verena Salvisberg, Pfarrerin der reformierten Kirche Frick. «Es ist eine Erscheinung der Zeit, dass wir gerne selber alles im Griff haben und selber entscheiden wollen», sagt sie. Erst vor kurzem sprach sie mit den Konfirmanden über das Thema. «Für sie war klar, dass Sterbehilfe in speziellen Situationen eine Option ist.»

Jacques Demont, 68, Gipf-Oberfrick «Ich selber hatte einen Herzinfarkt, könnte also schon unter dem Boden liegen. Im Leben kann man nie voraussehen, wie es weitergeht. Eine ExitMitgliedschaft kommt daher für mich nicht infrage.»
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Diana Fischer, 57, Hottwil «Meine Mutter ist über 80. Mit ihr habe ich über verschiedene Szenarien gesprochen, auch über lebenserhaltende Massnahmen. In der Familie ist das kein Tabu-Thema, Exit-Mitglied sind wir aber nicht.»
Arlette Fabbri, 43, Frick «Ich mache mir sicherlich Gedanken zu dem Thema, Mitglied bei Exit bin ich aber nicht. Wenn man weiss, dass alle Hoffnungen auf Leben weg sind – warum sollte man dann nicht in Würde sterben dürfen?»
Alexandra Benone, 45, Herznach «Kürzlich las ich das Buch ‹Ein ganzes halbes Jahr› zum Thema und kann es nur weiterempfehlen. Ich denke, jeder sollte unter gewissen Umständen selber über das Ende seines Lebens bestimmen dürfen.»
Daniel Bühler, 49, Ueken «Immer, wenn die Medien über das Thema berichten, beschäftige ich mich damit. Konkrete Pläne, Exit beizutreten, habe ich aber nicht. Menschen, denen es schlecht geht, sollte diese Möglichkeit aber offenstehen.»

Jacques Demont, 68, Gipf-Oberfrick «Ich selber hatte einen Herzinfarkt, könnte also schon unter dem Boden liegen. Im Leben kann man nie voraussehen, wie es weitergeht. Eine ExitMitgliedschaft kommt daher für mich nicht infrage.»

Nadine Böni

«Keine gute Erscheinung» findet Salvisberg den selbstbestimmten Tod persönlich. «Ich weiss, wie schwer die Situation sein kann, für alle Beteiligten», sagt sie. Trotzdem sähe sie es lieber, wenn in Institutionen wie das Hospiz Aargau investiert würde, die schwerst Erkrankten oder Sterbenden das Leiden erleichtern.