Fricktal

Fünf Schulstandorte mussten bereits dichtmachen – sieben weitere sind gefährdet

Eine Studie des Planungsverbands Fricktal Regio geht noch von vier bis acht Oberstufenstandorten in Frick, Laufenburg, Möhlin und Rheinfelden aus. Konkret heisst das: Bis zu sieben Standorte im Fricktal müssen dichtmachen.

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Geht es mit dem Oberstufenzentrum in Mumpf abwärts? In zwei der drei vorgeschlagenen Varianten ist Mumpf kein Oberstufenstandort mehr. Archiv

Geht es mit dem Oberstufenzentrum in Mumpf abwärts? In zwei der drei vorgeschlagenen Varianten ist Mumpf kein Oberstufenstandort mehr. Archiv

Die Schule Aargau ist im Dauerumbruch und damit, nolens volens, auch die Schulgemeinden. Hart traf es im Fricktal in den letzten Jahren vor allem die Oberstufenstandorte fernab der Hauptverkehrsachse, fernab der regionalen Zentren.

Bereits fünf Standorte – Zeiningen, Bözen, Zeihen, Kaisten und Gansingen – mussten in den letzten fünf Jahren dichtmachen.

Weitere Standorte wie Wegenstetten, Mumpf oder Gipf-Oberfrick sind (mehr oder weniger) akut bedroht, weil sie die vom Departement Bildung und Kultur (BKS) vorgegebene minimale Schülerzahl pro Zug respektive die Minimalzahl an Abteilungen nicht mehr oder nur mit Mühe erreichen.

Und das BKS hat unmissverständlich klargemacht: Ausnahmebewilligungen für altersdurchmischte Abteilungen gibt es maximal noch bis zum Schuljahr 2017/18.

Zentren wachsen stärker

Auf der anderen Seite gibt es die Schulstandorte wie Möhlin, die aus allen Nähten platzen. Klar ist: Diese Schere zwischen Zu-Viel und Zu-Wenig, zwischen Nachfrage und Überangebot wird sich aus zwei Gründen weiter öffnen.

Erstens wird der Kanton aufgrund klammer Finanzen die Schrauben im Bildungswesen weiter anziehen und die Mindestschülerzahlen vermutlich weiter anheben.

Zweitens erfolgt das prognostizierte Bevölkerungswachstum nicht linear; stark wachsen die Gemeinden entlang der Verkehrsachse Zürich–Basel, die Gemeinden in den Seitentälern verzeichnen allenfalls ein moderates Wachstum.

Das ist für die kleinen Schulstandorte doppelt schlecht, denn: Der Anteil der Kinder im Oberstufen-Schulalter an der Gesamtbevölkerung wird bis 2030 aus demografischen Gründen «spürbar sinken», wie der gestern veröffentlichte Schlussbericht zur «Regionalen Schulraumplanung Oberstufe Fricktal» festhält.

Während die Zentrumsgemeinden diesen Wandel mit dem starken Zuzug an Einwohnern auffangen können, wird die Zahl der Oberstufenschüler in den anderen Gemeinden zurückgehen.

Was ist zu tun? Diese Frage beantwortet die Studie, die der Planungsverband Fricktal Regio bei der Metron Raumentwicklung AG in Auftrag gegeben hat, zwar nicht. Sie zeigt aber mögliche Handlungsoptionen auf.

Vor allem will sie eines: Eine Grundlage schaffen für die Diskussionen um Schulkreis- und Schulstandort-Zusammenlegungen, eine Diskussion, die «dringend notwendig» ist, wie die Studie festhält.

Der Bericht gibt denn bewusst auch keine Empfehlung ab – und auch der Planungsverband, der von den 35 Fricktaler Gemeinden getragen wird, hütet sich davor, einer seiner Gemeinden zu sagen: Ihr müsst euren Schulstandort dichtmachen.

Aus dem Bericht lassen sich fünf Punkte ableiten:

  • Bei den Bez-Standorten Frick, Laufenburg, Möhlin und Rheinfelden besteht kein Handlungsbedarf. Die Bez könne, auf lediglich vier Standorte konzentriert, «sehr effizient betrieben werden».
  • Es gibt bei den Sereal-Standorten zwei Handlungsoptionen, die miteinander kombiniert werden können: Erstens die Zahl der Schulkreise reduzieren. Heute gibt es deren sieben. In einer Variante geht die Studie von noch vier Kreisen aus; diese sind identisch mit den Bez-Schulkreisen. Die Zusammenlegung der Schulkreise schaffe neue Synergien, heisst es im Schlussbericht.

Zweite Möglichkeit: Die Zahl der Schulstandorte herunterfahren. Aktuell werden die Oberstufenschüler an elf Standorten unterrichtet; in der Maximal- oder, je nach Blickwinkel, in der Minimalvariante sind es noch die vier Bez-Standorte Frick, Laufenburg, Möhlin und Rheinfelden. Mit der Schliessung von Standorten können «die verbleibenden Schulanlagen zugunsten der Effizienz» vergrössert werden.

  • Der Status quo, also sowohl die Schulkreise wie auch alle Standorte erhalten, ist keine Option. Die Vorgaben des Kantons können so nicht erfüllt werden. Dies gilt auch für zwei weitere der insgesamt sechs Varianten.

Vier bis acht Standorte

  • In den verbleibenden drei Varianten werden die Schulkreise von sieben auf fünf oder gar vier reduziert, die Standorte auf acht, fünf oder vier. Gesetzt sind in allen drei Varianten die vier (Bez-)Standorte Frick, Laufenburg, Möhlin und Rheinfelden. Als Optionen kommen Stein (bei fünf und acht Standorten) sowie Mumpf, Kaiseraugst und Gipf-Oberfrick (bei acht Standorten) ins Spiel. Mit anderen Worten: In keiner Variante mehr dabei sind die heutigen Oberstufenstandorte Eiken, Magden und Wegenstetten.
  • Jede Variante hat Vor- und Nachteile. Die Maximalvariante, also die Reduktion auf die vier Bez-Standorte, beispielsweise ist zwar sehr wirtschaftlich und ermöglicht grosse Abteilungen, führt aber zu langen Schulwegen und vielen Schulhaus-Umnutzungen.

Der Bericht stützt sich, richtigerweise, bei der Ausarbeitung der möglichen Szenarien auf Zielkriterien wie das Potenzial des vorhandenen Schulraums, die Erreichbarkeit oder die Wirtschaftlichkeit ab; er klammert jedoch die politische Akzeptanz aus.

Diese muss Gegenstand der nun anlaufenden Diskussionen sein. Die Gespräche sollen, so empfiehlt der Bericht, unter der Federführung derjenigen Standorte geführt werden, in denen Handlungsbedarf besteht. Dies macht Sinn, denn für sie ist der Weg sicher schwieriger und der Prozess schmerzlicher.