Möhlin
Grosseinsatz bei Tiefkühlerbrand: Unverhältnismässig oder nur Pech?

CVP-Grossrat Martin Steinacher pflichtet der Aussage von Fredy Böni bei, dass der Grosseinsatz beim Tiefkühlerbrand unverhältnismässig war. Hans Ulrich Bühler hält dagegen.

Dennis Kalt
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Grund für den Gross-Einsatz der Rettungskräfte war dieser Tiefkühler.
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Vor Ort an der Hinteren Dammstrasse waren mehrere Ambulanzen, auch aus Deutschland.
Nahe dem Mehrfamilienhaus landeten drei Rettungshelikopter der Rega.
Die Feuerwehr Möhlin konnte den Brand löschen.

Grund für den Gross-Einsatz der Rettungskräfte war dieser Tiefkühler.

nbo

Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin, hat den Grosseinsatz nach dem Brand eines Tiefkühlers gestern in der az als «unverhältnismässig» bezeichnet. Er bekommt Unterstützung von Martin Steinacher, CVP-Grossrat, aus Gansingen.

Zwar hat Steinacher den Grundsatz: «Lieber eine Einsatzkraft zu viel als zu wenig.» Dennoch ist er der Ansicht: «Dieses immense Aufgebot und die damit verbundenen Kosten sind unverhältnismässig. In dieser Situation wäre es angemessener gewesen, gezielt einzelne Einsatzkräfte anzufordern.»

Natürlich sei es im Nachhinein immer einfach, zu beurteilen, ob die ersten Einsatzkräfte richtig reagiert hätten. Dennoch dürfe man sich nach diesem unverhältnismässigen Einsatz in Möhlin nicht wundern, wenn das Vertrauen der Bürger gegenüber den verantwortlichen Einsatzkräften und Behörden schwindet, so Steinacher. «Etwas mehr Routine bei der ersten Lagebeurteilung hätte sicher nicht geschadet», sagt der CVP-Grossrat.

Mangelhafte Lagebeurteilung

Der Hauptkritikpunkt von Böni liegt in der «überhasteten Einzelentscheidung», den Gross-Alarm überstürzt auszurufen: «Der erste Sanitäter, der den Gross-Alarm auslöste, hätte mit dem Feuerwehrkommandanten Rücksprache über die Lage halten sollen. 30 Sekunden für eine gemeinsame Lagebeurteilung hätten gereicht, dann wäre diese Einsatzarmada nicht ins Rollen gekommen.» So standen insgesamt vier Rettungshelikopter, fünfzehn Ambulanzen, das kantonale Katastrophenelement sowie Hunderte Einsatzkräfte null Verletzten gegenüber.

Balz Bruder, Kommunikationsleiter des Departements für Gesundheit und Soziales, verteidigt die Auslösung des Gross-Alarms: «Die Rettungskräfte hatten im Bewusstsein möglicherweise eintretender Rettungsbedürfnisse vor Ort eine augenblickliche Entscheidung zu fällen. Dies haben sie nach bestem Wissen und Gewissen getan.»

Kritisch sieht Böni auch die Tatsache, dass es nicht möglich war, den Gross-Alarm zu deaktivieren und damit die überflüssigen Einsatzkräfte frühzeitig zurückrudern zu lassen: «Ich denke, man muss über diese Möglichkeit ernsthaft nachdenken. Mit einer frühzeitigen Deaktivierung des Alarms hätte man einige Kosten sparen können.»

Für Hans Ulrich Bühler, Gemeindeammann von Stein, ist der Grosseinsatz nicht unverhältnismässig: «Ich sehe diese Sache von der anderen Seite. Es wäre doch viel schlimmer, wenn es aufgrund von zu wenigen Einsatzkräften zu Verletzten oder gar zu Toten gekommen wäre.» Bruder pflichtet dem Gemeindeammann von Stein bei: «Lieber eine Diskussion über zu viele als zu wenige Rettungskräfte.»

Lehren daraus ziehen

Obwohl Böni kein Verständnis für den Grosseinsatz hat, kann er sich in die Lage des alarmauslösenden Sanitäters hineinversetzen: «Unter Stress kann es manchmal sehr schwierig sein, einen kühlen Kopf zu bewahren – Menschen machen ab und zu mal Fehler.»

Dennoch hofft er, dass die Verantwortlichen den Fall gründlich überprüfen und daraus Lehren ziehen, um zukünftige Szenarien dieser Art besser zu managen und routinierter aufzutreten.

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