Laufenburg

In der Zunft gibt es nur Brüder, keine Schwestern - und das wird auch so bleiben

Vereidigte Mitglieder der Laufenburger grenzüberschreitenden Narro-Alt-Fischerzunft 1386 sind Zunftbrüder. Zunftschwestern gibt es nicht. Daran wird sich heute und auch in Zukunft nichts ändern.

Susanne Hörth
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Narronen der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 mit traditionellem Plätzlikleid und Holzmaske.

Narronen der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 mit traditionellem Plätzlikleid und Holzmaske.

chr (archiv)

Der Grund für die aussschliesslich männliche Zusammensetzung der Zunft liegt in der Vergangenheit. In einer Zeit, in der Frauen keiner Berufsgenossenschaft beitreten konnten.

Eine solche war die Narro-Alt-Fischerzunft 1386 bis zur Sprengung des Laufens (Felsformation im Rhein zwischen den beiden Laufenburg) zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

«Das war so, das ist so und das wird so bleiben – und das ist gut so», grinst René Leuenberger, Zunftmeister der mehreren Stadt (Laufenburg CH).

Nein, Leuenberger ist weder frauenfeindlich noch gegen Gleichberechtigung, aber den Traditionen verpflichtet. Die Fischerzunft der Salmfänger hatte schon sehr früh damit begonnen, das Brauchtum der Fasnacht zu pflegen. Die erste ursprüngliche Erwähnung datiert aus dem Jahre 1386 (der Zunftname erinnert daran).

Traditionen wahren

Die Zunft trägt die Verantwortung, dass die Traditionen Tschättermusig und Narrolaufen an die nächsten Generationen weitergegeben werden. Heute werden beim traditionellen Narrolaufen zum Fasnachtsabschluss, vor der Fastenzeit, Würste, Weggen und Orangen an die Kinder verteilt, früher waren es hauptsächlich Nüsse und Dörrfrüchte.

Das Narrolaufen hat aber auch einen sozialen Hintergrund. Die Fischerzunft übernahm in alten Zeiten auch die Verantwortung gegenüber den Witwen und Waisen von Fischern, die bei der gefährlichen Arbeit beim Laufenburger Laufen ihr Leben lassen mussten. Den Hinterbliebenen half die Fischerzunft auch unter dem Jahr mit Lebensmittelgaben.

Bei der Ausrichtung der Fasnacht arbeitet die Zunft auf Schweizer Seite aktiv im OK Städtlifasnacht mit. Hier sind alle Schweizer Fasnachtsgruppen – Salmfänger, Tambouren, Barocker, Schlossbärghüüler, Stadthexen und eben die Zunft vertreten. Gemeinsam mit der Narro-Altfischerzunft 1386 der minderen Stadt (sie trägt die Hauptverantwortung auf deutscher Seite) wird dafür gesorgt, dass mit einer grossen Auswahl an farbig-närrischen Anlässen die Fasnacht am Felsennest lebendig und jung bleibt.

Althergebrachte Traditionen

Nicht jung, sondern der langen Tradition vor allem der Zunftordnung gehorchend, sind das Aufnahmeritual und die Mitgliedschaft in der Narro-Alt-Fischerzunft 1386. «Auf deutscher Seite wird der männliche Nachwuchs eines Narronen automatisch aufgenommen. Bei uns auf Schweizer Seite muss ein Gesuch vom Interessierten selbst schriftlich zuhanden des Zunftrats formuliert werden», erklärt René Leuenberger.

Bei einem folgenden Bott (drei- bis viermal pro Jahr finden solche Zunftversammlungen statt) wird über den Antrag informiert, erst aber beim darauf folgenden Bott dann über die Aufnahme entschieden. Fällt der Entscheid positiv aus, ist der Neuaufgenommene Zunftbruder. Das Zunftkleid und die Kappe kann er nun tragen, die dazugehörende Maske wird jedoch erst nach Ablegen des Gelöbnisses am einmal jährlich (jeweils am 1. Faissen) stattfindenden Hauptbott dem neuen Zunftbruder übergeben.

Am kommenden Donnerstag, dem 1. Faissen und damit dem Auftakt zur Fasnacht 2014, werden am Hauptbott der Narro-Alt-Fischerzunft gleich drei neue Zunftbrüder ihr Gelöbnis ablegen. Alt Stadtammann Rudolf Lüscher, Louis Tröndle (beide Laufenburg CH) und Torsten Amann (Laufenburg DE) werden unter anderem geloben, die Bräuche der Laufenburger Narronen zu hegen und zu pflegen. Der Zunft anzugehören, ist eine lebenslange Ehre und Verpflichtung. Eine Grundvoraussetzung für eine Aufnahme in die Zunft ist, «dass der Biedermann als langjähriger und überzeugter Laufenburger Fasnächtler bekannt ist, das heimische Brauchtum lebt und pflegt», so René Leuenberger.

Das Narrenkleid

Überlieferungsgemäss ist das Jahr 1386 das Geburtsjahr des Laufenburger Narrokleides. Die Laufenburger hatten bei Herzog Leopold von Österreich einen Wunsch frei. Der Wunsch nach einem Kleid, an dem man die Laufenburger vor aller Welt erkennen würde, wurde formuliert. Der Wunsch wurde gewährt und bald überbrachte ein Kurier das herzogliche Geschenk. «Ein sonderbarlich Kleid aus lauter kleinen farbigen Lappen zusammengesetzt, die wie die Schuppen der edlen Lachse aufeinander lagen und in ihrer bunten Zusammensetzung gar seltsam ausschauten.» Den Ratsherren gefiel das Kleid nicht wirklich. Die Fischerzunft hingegen nahm es gerne an und trug es künftig an ihrem Hauptfest, der Fasnacht.