Kaiseraugst

Klotzen, nicht Kleckern: Roche holt mit seinem neuen IT-Zentrum 700 Mitarbeiter ins Fricktal

Der Pharmakonzern gibt für sieben neue Gebäude knapp 1 Milliarde Franken aus. Im 5600-Seelen-Dorf beschäftigt der Pharmakonzern mittlerweile 3000 Mitarbeiter. Davon sind 700 erst gerade in den letzten Wochen von Basel nach Kaiseraugst umgezogen.

Andreas Möckli
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Für die neuen IT-Gebäude allein hat der Basler Pharmakonzern Roche 290 Millionen Franken in Kaiseraugst investiert.

Für die neuen IT-Gebäude allein hat der Basler Pharmakonzern Roche 290 Millionen Franken in Kaiseraugst investiert.

KEYSTONE

Klotzen, nicht Kleckern lautet das Motto von Roche. Dies gilt nicht nur für den Hauptsitz in Basel, sondern auch für den Standort in Kaiseraugst. Im 5600-Seelen-Dorf beschäftigt der Pharmakonzern mittlerweile 3000 Mitarbeiter. Davon sind 700 erst gerade in den letzten Wochen von Basel nach Kaiseraugst umgezogen.

Im Fricktal führt das Unternehmen verschiedene Informatik-Aufgaben zusammen. In drei modernen, hochwertigen Gebäuden arbeiten seit kurzem 1100 IT-Mitarbeiter. Es geht dabei nicht um Routine-Arbeiten, sondern um die Unterstützung der Forschung und Entwicklung. Die Analyse grosser Datenmengen soll die Forscher in ihren Entscheiden unterstützen, wie die Entwicklung neuer Wirkstoffe am besten vorangetrieben werden soll.

Die Nähe zur Forschung und Entwicklung von Roche, die in Basel über ein wichtiges Standbein verfügt, sei von zentraler Bedeutung, sagte Standortleiter Jürg Erismann im Rahmen eines Rundgangs durch das erweiterte Areal in Kaiseraugst. Wie andere grosse Konzerne hat Roche Routine-Tätigkeiten in der Informatik an billigeren Standorten im Ausland angesiedelt. So arbeiten etwa 400 Angestellte in Madrid und 400 in Warschau in sogenannten IT-Hubs.

Bilder von Roches neuem IT-Innovationszentrum:

Die Roche eröffnet in dieser Woche ihr globales IT-Innovationszentrum in Kaiseraugst.
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Neues IT-Innovationszentrum der Roche in Kaiseraugst
Insgesamt investiert Roche rund eine Milliarde Schweizer Franken in den Ausbau des Standorts.

Die Roche eröffnet in dieser Woche ihr globales IT-Innovationszentrum in Kaiseraugst.

zvg

Fitnesszentrum und ein Park

Neben den Investitionen in die drei Informatik-Gebäude hat Roche Geld für ein neues Auditorium, ein Ausbildungszentrum und ein neues Produktionsgebäude in die Hand genommen. In Letzterem werden ab 2020 hochwirksame, chemisch hergestellte Wirkstoffe produziert. Da hierfür nur kleine Mengen benötigt werden, sind lediglich 100 Mitarbeiter vorgesehen.

Ein Fitnesszentrum, mehrere Kantinen, ein Shop und ein kleiner Park in der Mitte des Areals sollen die Mitarbeiter bei Laune halten. Hinzu kommt die grosszügige Innengestaltung der Gebäude. Viel Eichenholz, die Farbe Weiss und grosszügige Treppen nehmen die Architektursprache des Pharmakonzerns auf. Verantwortlich dafür ist das Architekturbüro Nissen Wentzlaff aus Basel.

Insgesamt kosten die sieben neuen Gebäude knapp eine Milliarde Franken. Hinzu kommen Investitionen von 4,2 Milliarden Franken in Basel. Zusammengezählt investiert Roche zwischen 2004 und 2024 also 5,2 Milliarden Franken in der Region. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Firma lange Zeit kaum Geld für neue Gebäude in die Hand genommen hat. Novartis hat bislang 2,2 Milliarden Franken in die Umbauarbeiten des Hauptsitzes in Basel investiert. Seit 2001 sind zahlreiche alte Bauten durch neue Gebäude ersetzt worden.

Abbau von 235 Stellen

Roche hat das Areal in Kaiseraugst Anfang der 1970er-Jahre gekauft. Nur wenige hundert Meter entfernt hätte das 1988 fallengelassene Atomkraftwerk gebaut werden sollen. In Kaiseraugst stellt der Pharmakonzern unter anderem das Antibiotikum Rocephin her, in den 90er-Jahren eines der umsatzstärksten Produkte des Konzerns.

Zudem wurden auch die Divisionen Diagnostika und Vitamine, die 2002 an die niederländische DSM verkauft wurden, zeitweise von Kaiseraugst aus geführt. Deshalb war die Zahl der Mitarbeiter auf dem Areal hohen Schwankungen ausgesetzt.

Die Freude über den starken Ausbau im Fricktal wird von einem Stellenabbau getrübt, den Roche vor gut zwei Wochen am selben Standort bekannt gab. Der Pharmakonzern will 235 Arbeitsplätze in der Verpackungseinheit streichen. Dabei wird die Verpackung für etablierte, chemisch hergestellte Medikamente mit grossen Volumen an andere Standorte verlagert. Diese Produkte sollen in Zukunft in Produktionswerken verpackt werden, an denen sie hergestellt werden.