Kriminalität
Sie kleckern Senf auf die Jacke ihrer Opfer und klauen ihnen dann das Geld: So dreist gehen Trickdiebe vor

Die Anzahl an Trickdieben ist im ganzen Kanton zwar rückläufig, die Maschen der Täterinnen und Täter aber sind nach wie vor dreist. Die Kantonspolizei mahnt daher gerade im Umgang mit Bargeld und fremden Menschen, die vermeintlich Hilfe brauchen, zu Vorsicht: «Misstrauen ist keine Unfreundlichkeit.»

Nadine Böni
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Hinter der Frage nach Wechselgeld steckt böse Absicht: Trickdiebe plündern so die Portemonnaies ihrer Opfer.

Hinter der Frage nach Wechselgeld steckt böse Absicht: Trickdiebe plündern so die Portemonnaies ihrer Opfer.

Symbolbild: Gaetan Bally / Keystone

Die gute Nachricht zuerst: Die Anzahl Trickdiebstähle im Aargau ist rückläufig. Das sagt Vanessa Rumpold, Sprecherin der Kantonspolizei. Aber: Die Maschen der Trickdiebe sind nach wie vor dreist.

Ein Klassiker passierte erst vor einigen Tagen auf einem Parkplatz in Bad Säckingen, an der Grenze zum Fricktal. Der Täter sprach dort einen Senioren an und bat ihn um Wechselgeld für den Parkautomaten. Der Senior zückte daraufhin sein Portemonnaie und kramte darin nach Münzen – ohne zu merken, dass ihm der Trickdieb währenddessen die Geldnoten daraus klaute.

Senffleck weggeputzt, Portemonnaie geleert

In den Bezirken Rheinfelden und Laufenburg wurden der Polizei seit Anfang Jahr drei Fälle gemeldet, bei denen die Täterschaft vorgab, Geld wechseln zu müssen. «Dabei wurde den Geschädigten unbemerkt Bargeld aus dem Portemonnaie entwendet», sagt Rumpold. Fälle dieser Art ereigneten sich mehrheitlich im öffentlichen Bereich, wo Bargeld genutzt wird und sich viele Menschen aufhalten. Rumpold sagt:

«Wir beobachten die Fälle beispielsweise in Parkhäusern oder in Einkaufsläden, wo die Trickdiebe nicht zuletzt auch das Verkaufspersonal zu täuschen versuchen.»

Es ist dies allerdings nicht der einzige Trick – wobei die Täterinnen und Täter teilweise auch zu zweit zuschlagen. «In den letzten Jahren hatten wir beispielsweise die Masche, wonach die Trickdiebe mit Senf oder Ähnlichem die Kleidung des Geschädigten oder der Geschädigten verfleckten», sagt die Kapo-Sprecherin.

Der verursachende Täter zeigt sich daraufhin sehr hilfsbereit und hilft den Fleck zu putzen, währenddessen der zweite Täter das Portemonnaie der geschädigten Person entwendet oder durchsucht.

«Dasselbe Vorgehen kennen wir, indem sich die Täterschaft ortsunkundig gibt und mittels Landkarte nach dem Weg fragt», so Rumpold. Der Zweittäter macht sich dabei wiederum an der Tasche oder dem Portemonnaie der geschädigten Person zu schaffen.

Das Ziel sind oft ältere Menschen

Ebenso bekannt ist die Ablenkung am Bancomaten – oder das Klingeln an Haus- oder Wohnungstür. Die Trickdiebe bitten um ein Glas Wasser, die nichts ahnenden Geschädigten holen in der Küche ein Getränk, währenddessen die Täter Eingangsbereich oder Schlafzimmer nach Bargeld und Wertgegenständen absuchen. Vanessa Rumpold erklärt:

«Die Fälle haben im Allgemeinen das Ziel, ahnungslose und hilfsbereite Personen, oftmals Seniorinnen und Senioren, abzulenken und zu täuschen.»

Bei den Ermittlungen hilft der Polizei in erster Linie, «wenn Beobachtungen von verdächtigen Personen oder Fahrzeugen umgehend dem Polizeinotruf 117 gemeldet werden», sagt Rumpold und fügt an: «Nur so können potenzielle Trickdiebe durch die Polizei umgehend überprüft werden.»

Tipp der Polizei: wenig Bargeld dabei haben

Die Polizei empfiehlt zur Prävention, so wenig Bargeld wie möglich bei sich zu tragen und das Geld allenfalls auch in die Innentasche der Jacke oder einen Brustbeutel zu verteilen. «Besonders Seniorinnen und Senioren raten wir, eine gesunde Skepsis zu hegen, wenn sie von fremden Personen angesprochen werden», sagt Rumpold und betont: «Misstrauen ist keine Unfreundlichkeit.»

Sollte es doch zum Geldwechsel kommen, könne es helfen, sich beim Münzgeldherauszählen abzudrehen und keinen Einblick ins Portemonnaie zu gewähren.