Rheinfelden

Länderübergreifender Steg: Brücke ist noch lange nicht geschlagen

Die Stadtbehörden warben an einer Podiumsdiskussion für den Rheinsteg – überzeugten aber nicht alle.

Ingrid Böhm-Jacob (Bad. Zeitung)
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Oberbürgermeister Klaus Eberhardt (l.) und Stadtammann Franco Mazzi warben an der Podiumsdiskussion mit den Vorzügen des Rheinsteg-Projekts. IBJ

Oberbürgermeister Klaus Eberhardt (l.) und Stadtammann Franco Mazzi warben an der Podiumsdiskussion mit den Vorzügen des Rheinsteg-Projekts. IBJ

Ingrid Böhm-Jacob

Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi und Oberbürgermeister Klaus Eberhardt sehen es als klare Sache an: Der Bau eines Rheinstegs für Fussgänger und Radfahrer stellt nicht nur ein gewinnbringendes Projekt für die Bevölkerung beider Städte dar, sondern «strahlt in die Region aus». Die raumplanerische Bedeutung und die verbesserte Infrastruktur standen als Vorzüge des Projekts im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion. Diese wurde von IBA-Geschäftsführerin Monica Linder-Guarnaccia moderiert und fand zur Finissage der Preisträgerausstellung im Rathaus statt. Zweifel und Bedenken an der Notwendigkeit blieben aussen vor.

Dass es um mehr geht als um eine weitere Verbindung zwischen beiden Rheinfelden, unterstrich bei der öffentlichen Veranstaltung mit rund 150 Teilnehmern auch Landrätin Marion Dammann als Präsidentin des trinationalen Eurodistrikts Basel mit ihrem Kommen. Die als Podiumsdiskussion angekündigte Veranstaltung interessierte nicht nur Kommunalpolitiker und Architekten im Werkbund. Auch zahlreiche Bürger wollten hören, welche Bedeutung das mit sechs Millionen Euro Baukosten veranschlagte Gemeinschaftsprojekt in der Entwicklungsperspektive einnimmt und wie es sich mit Kosten und Finanzierung verhält.

Bürger mit Zweifeln

Zahlreiche Teilnehmer hatten dazu auch kritische Fragen mitgebracht. Die sollten sie an diesem Abend allerdings nicht loswerden, weil Wortmeldungen nicht vorgesehen waren. So mancher nahm deshalb seine Zweifel am Projekt wieder mit. Einige Teilnehmer erklärten im Anschluss an die Gesprächsrunde, dass sie der von den Stadtoberhäuptern argumentativ geführte Werbefeldzug pro Steg nicht überzeugt habe, weil «zu dick aufgetragen» worden sei. Vor allem die Bedeutung für den pendelnden Berufsverkehr wurde infrage gestellt.

Die Rahmenbedingungen

Der Geschäftsführer des Aggloprogramms Basel, Patrick Leypoldt, sagte, dass die Organisation, die sich mit Siedlungsentwicklung, Verkehrsthemen und Landschaft beschäftigt, bereits in Bern Entscheidendes erreicht hat. So stehe beispielsweise das finanzielle Fundament: Die Förderung des Rheinstegs von zwei Millionen Franken sei «bereits genehmigt» und der «Vertrag in der Tasche». Leypoldt machte deutlich, dass die beiden Städte gut beraten wären, zu bauen und an der Gesamtstrategie für den Grossraum Basel mitzuwirken: «Wenn wir nicht bauen, ist das Geld weg.»

Der erste Preisträger der Entwurfsplanung unter 56 internationalen Bewerbungen machte das Besondere der ausgezeichneten Konstruktion deutlich. Ingenieur Frank Miebach aus Lohmar erklärte die Gestaltung der Hängebrücke als gewollt schlicht, um den Blick auf beide Uferseiten freizuhalten. Als ökologische Besonderheit soll der Baustoff Holz verwendet werden mit einem Belag aus Natursteinplatten, um ein «sehr naturnahes Erscheinungsbild» zu schaffen.

Steg und Infrastruktur

Klaus Eberhardt sagte, dass es sich beim Brückenschlag nicht um eine kleinräumliche Verbindung handle, sondern um «ein Thema der Region», die weiter zusammenwachse. Es gehe auch darum, Stadt und Region für Nahtourismus und Erholung «gut zu vermarkten». Aus Sicht von Franco Mazzi handelt es sich nicht um eine Kür, sondern eine Aufgabe, um Verkehrsbelastung für die im Stau stehende Bevölkerung zu reduzieren. Er wies darauf hin, dass bereits heute 400 Personen von der deutschen Seite in die schweizerischen Gesundheitsbetriebe pendeln und der Arbeitsplatz Basel weitere Arbeitsplätze in den Life-Science-Unternehmen erwarten lasse. Dies verstärke die Wechselbeziehungen über den Rhein. Der Steg werte die Arbeitsplätze in der Nähe auf, prognostizierte der Stadtammann: «Die wunderschöne Brücke ist nicht nur Spazierweg, sondern Teil einer zukunftsfähigen Verkehrslösung.»

Kosten und Finanzierung

Von einer «Gewinnsituation für die Stadt» sprach Eberhardt und lenkte den Blick auf die Förderung, bei der die Kommune die Kofinanzierung von einer Million Euro leiste. Aus dem Interreg-Programm stellte er für den deutschen Anteil 60 Prozent Unterstützung in Aussicht, aus dem Landes-Verkehrsfinanzierungsgesetz eine 50-prozentige Beteiligung.

Zu den Stellungnahmen der städtischen Onlinebefragung merkte der Oberbürgermeister an, dass der Stadt wichtig sei, das Meinungsbild kennenzulernen, um die Bedenken zu werten. Von den 83 Negativstimmen habe sich jedoch keine einzige gegen das Bauwerk oder den Standort bezogen, bei allen handle es sich um «finanzielle Erwägungen». Die Ausgaben für den Steg aber «ersetzen nicht die Ausgaben im Sozialbereich, das ist eine andere Position», gab er im Diskussionsprozess zu bedenken. Eberhardt warb für die Bereitschaft, Visionen für die Städte zu entwickeln, da weiche Standortfaktoren viel zählen. Deshalb könne man nicht alles «in Euro und Franken gegenrechnen». Der Steg spreche dafür, dass Anstrengungen gemacht werden, die sich für die Region bezahlt machen. Aber: «Wir sind noch lange nicht auf der anderen Seite.»