Wölflinswil

Pflanzen, Tiere, Halbgötter: Wappen, die Logos von früher

Im Alten Gemeindehaus bot der Verein «Dorf plus» Raum zu einer besonderen Ausstellung über die Wappenkunde. Die Ausstellung fand reges Interesse und wurde am Freitagabend vor zahlreichem Publikum mit einem umfassenden Fachvortrag eröffnet.

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Wölflinswil mit seinem Wappen.

Wölflinswil mit seinem Wappen.

AZ

Die sonst durchweg in nüchternem Weiss gehaltenen Räume erstrahlten letzten Samstag und Sonntag geradezu in einer Fülle von knallig-bunten Farben und Symbolen. Der Referent und Ausstellungsmacher Markus Hefti, pensionierter Lehrer in Oberhof, hat in grosser Feinarbeit die Wappen hergestellt.

Er ist Präsident der Schweizerischen Heraldischen Gesellschaft (SHG). Für das bunte Farbenspiel hatte er eine überzeugende Erklärung. «Wappen wollen eine Botschaft vermitteln. Rasch, klar, gebündelt, fokussiert auf eine ganze Reihe von Schildinhalten.

Dazu gehören natürliche Figuren, Pflanzen, Tiere, Fabelwesen, menschliche Wesen, Götter, Halbgötter, künstliche Figuren, Handwerkerzeichen und viele Symbole». Es gibt vier Wappengruppen: solche für historische und gegenwärtige politische Körperschaften, für Institutionen, für Familien und Einzelpersonen. Am bekanntesten dürften die Länderwappen, diejenigen der Kantone und Gemeinden sein.

Das Wappen als Logo

Zwischen 1125 und 1150 entstanden die Wappen in der Blütezeit des flandrischen Rittertums. Die bemalten Schilder und Gewänder dienten in erster Linie der Unterscheidung zwischen Freund und Feind. Später wurden sie zunehmend Schmuck und Zierde.

Die Schilder wurden im Laufe der Zeit erblich und zu Kennzeichen der Geschlechter. Die Kirche hat im Mittelalter viele Wappen übernommen. Als Wappenschild des Heiligen Petrus wurden zwei gekreuzte Schlüssel gewählt oder für Jakobus eine Pilgermuschel mit zwei gekreuzten Pilgerstäben.

Typisch für ein solches Wappen ist auch das Verenakrüglein von Herznach. Das Besondere eines Wappens ist das sofortige Erkennen, der «Wiederholungswert», was sich in der Werbebranche längst durchgesetzt hat: das immer wieder aufscheinende gleich gestaltete Logo.

Die Produktwerbung hat sich auch der Wappensymbole bemächtigt, so zum Beispiel auf den Motorhauben verschiedener Automarken, auf Zigarettenschachteln oder Bonbons-Büchsen.

Auffallend in der Ausstellung waren auch die Felle, die Bestandteil des Wappens hochadliger Residenzen und Gebiete, Könige und Fürsten waren. Das Hermelin stach dabei besonders hervor. Es ist vor allem wegen seines im Winter weissen Felles bekannt und spielt zeitweilig in der Pelzindustrie noch heute eine bedeutende Rolle.

Diesem Fell wohnen die Symbolik und die Legende inne, nach der ein Hermelin lieber sterben wollte, als sich ein weisses Winterfell im Schlamm schmutzig zu machen. So galt das Hermelinfell in weiten Teilen des mittelalterlichen Europas als Symbol von moralischer Reinheit und Unschuld.

Die Ausstellung fand reges Interesse und wurde am Freitagabend vor zahlreichem Publikum mit einem umfassenden Fachvortrag durch Markus Hefti eröffnet. Kurt Aerni vom Verein «Dorf plus» betonte, dass Hefti mit der Ausstellung «die Hintergründe einer wenig bekannten Welt aufzeigen und mehr Wissen darüber eindrücklich vermitteln konnte». (bi)