Mumpf
Polizeiauto: Die Deutschen müssen für Armeeeinsatz nichts bezahlen

Am Montagnachmittag konnte die Schweizer Armee das gesunkene deutsche Polizeiauto aus dem Rhein bergen. Für die deutsche Polizei dürften keine Kosten entstanden sein. Man pflege einen intensiven Austausch über die Landesgrenze hinweg.

Susanne Hörth
Merken
Drucken
Teilen
Die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Militär bei der Polizeiauto-Bergung in Mumpf war ein Novum für die deutsche Polizei. Die Zusammenarbeit mit der Schweizer Polizei gehört aber schon lange zur Tradition.

Die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Militär bei der Polizeiauto-Bergung in Mumpf war ein Novum für die deutsche Polizei. Die Zusammenarbeit mit der Schweizer Polizei gehört aber schon lange zur Tradition.

Miriam Suter

Dank der Unterstützung des Schweizer Militärs befindet sich das deutsche Polizeiauto, das zwei Jahre lang im Rhein lag, seit Montagnachmittag wieder im Trockenen.

«Wir rechnen nach wie vor nicht damit, dass für die deutsche Polizei im Zusammenhang mit dem Armeeeinsatz Kosten entstehen», betont Stefan Hofer, Kommunikationschef im Führungsstab der Armee, am Dienstag.

Die Armeeangehörigen leisten zurzeit ohnehin einen Unterstützungseinsatz auf dem Rhein bei Mumpf. Deshalb ist es für den Steiner Gemeindeammann Hansueli Bühler auch absolut in Ordnung, dass die Bergung den deutschen Nachbarn nicht in Rechnung gestellt wird.

Mumpf: Stahlträger aus dem Rhein entfernt

Ein deutsches Polizeiauto hatte die Armee bislang noch nie geborgen. «Insofern war der Einsatz schon speziell», so Armeesprecher Stefan Hofer. Das Militär war in Mumpf, um dort die fünf Stahlträger zu entfernen, die im Vorfeld des Eidgenössischen Pontonierwettfahrens in den Rheingrund gerammt worden waren. Für das Entfernen der Pfähle waren laut Hofer maximal drei Tage eingeplant, «einige Stunden davon sind ja nun für die Bergung des Polizeifahrzeugs verwendet worden». Die Pfähle konnten im Verlaufe des Dienstagnachmittags erfolgreich aus dem Rhein entfernt werden. Die eingesetzten Angehörigen des Pontonier Bataillons 26 werden nun, so Stefan Hofer, ihr Ausbildungsprogramm fortführen und den WK wie geplant per Ende dieser Woche abschliessen. (SH)

«Das ist grenzüberschreitende Zusammenarbeit, wie wir sie leben. Und nicht vergessen, die Mumpfer Pontoniere waren beim Eidgenössischen Wettfahren auch auf den Goodwill der deutschen Behörden angewiesen.» Für Jürg Müller, Gemeindeammann von Mumpf, ist die Kostenbefreiung ebenfalls gelebte Nachbarschaftshilfe.

Dass es grenzüberschreitend auch in anderen Bereichen gut funktioniert, zeigt Hansueli Bühler anhand folgender Beispiele: «Unsere Feuerwehr war bei einem Waldbrand in Bad Säckingen und einem grösseren Ereignis in Brennet im Einsatz. Umgekehrt haben die Säckinger beim Drogeriebrand in Stein ausgeholfen.»

Auch die Zollbehörden hätten bei der Sanierung der Holzbrücke sehr gut zusammengearbeitet, als es darum ging, Material aus Deutschland über Schweizer Hoheitsgebiet zu führen und von der Steiner Seite her auf der Holzbrücke zu verarbeiten.

Zwei Jahre lang unter Wasser
18 Bilder
Und nun endlich geborgen
Die Schweizer Armee stellte eine Schwimmbrücke zur Verfügung
Endlich kommt das zwei Jahre lang verschollene Fahrzeug zum Vorschein
Schweres Geschütz wird aufgefahren
Nicht mehr fahrtüchtig aber endlich geborgen
Zwei Taucher brachten Luftkissen am Auto an
Das Auto wurde an Stahlseilen hochgezogen
Das Polizeiauto steht wieder auf sicherem Grund
Langsam kommt es zum Vorschein
Das erste Luftkissen kommt zum Vorschein
Landeflug Richtung Festland
Keine einfache Aufgabe für die Taucher
Insgesamt waren über ein Dutzend Leute der Schweizer Armee im Einsatz
Die Presse ist zahlreich vertreten
Die Vorbereitungen laufen
Der Countdown läuft
Der Bagger hatte Mühe

Zwei Jahre lang unter Wasser

Miriam Suter

Enge Kontaktpflege

Die Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee bei der Bergung des Polizeifahrzeuges war für die deutsche Polizei ein Novum. Gemeinsames Arbeiten der Polizeiorganisationen über die Landesgrenzen hinweg hat indessen bereits eine lange Tradition.

«Kriminalität oder Gefährdungslagen hören ja nicht an einer Grenze auf», sagt Paul Wissler, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Freiburg. Die engen Kontakte werden intensiv gepflegt. Dem kann Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, nur beipflichten.

Die Zusammenarbeit reicht vom Austausch von Informationen, gemeinsamen Besprechungen, gegenseitigen Hospitationen bis zu gemeinsamen Einsätzen. In Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei der Verfolgung von Straftätern oder Observationen, können Polizeikräfte diese Aktionen auch über die Grenze fortsetzen, erklärt Wissler. Roland Pfister fügt an, dass bei aller Zusammenarbeit auch immer der Zuständigkeitsbereich gewahrt werde.

Bei grenzüberschreitenden Events, beispielsweise dem slowUp am Hochrhein oder der Laufenburger Fasnacht, hätten sich die gemeinsamen Kontrollen seit vielen Jahren bewährt. Auf mühsame, bürokratische Hürden angesprochen, winkt Wissler ab. «Aufgrund der vielfältigen Kontakte auf Arbeitsebene sind die meisten Aktionen auch schnell umsetzbar, bürokratische Hindernisse sind nicht spürbar. Ganz im Gegenteil, meine Erfahrungen zeigen, dass gemeinsame Aufgaben auch gemeinsames Handeln fördert.»