Rheinfelden
«Es ist ein Spiel»: Diese Künstlerin stellt lokale Sehenswürdigkeiten auf den Kopf

Bettina Costa schafft Collagen, in denen bekannte Ansichten zum surrealen Abenteuer werden. Dafür setzt die Kunstschaffende aus Rheinfelden Papier, Schere, Skalpell und Klebstoff ein. Doch das ist nicht ihre einzige Kunstform.

Peter Schütz
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Die Künstlerin Bettina Costa lebt seit 2006 in Rheinfelden. Auf dem Bild ist sie an ihrem Arbeitsplatz.

Die Künstlerin Bettina Costa lebt seit 2006 in Rheinfelden. Auf dem Bild ist sie an ihrem Arbeitsplatz.

Peter Schütz

Über dem Feldschlösschen erscheint anstatt des Himmels eine Badeszene wie auf dem Rhein, während im Vordergrund ein junger Hund gebannt auf eine Billardkugel blickt. Vor der Altstadt vergnügen sich Skifahrer im sonnenbeschienenen Schnee, über dem Rathausturm erhebt sich ein Gesicht mit geschlossenen Augen, auf dem ein Bergsteiger den Pickel ansetzt.

Und auf dem Dach des Roten Hauses an der Habich-Dietschy-Strasse in Rheinfelden trampelt eine Herde Elefanten herum, beobachtet von Menschen an einem Strand, der bis vor die Haustüre führt. Unweit davon lebt die Schöpferin dieser skurrilen ­Bilder: Bettina Costa, 1965 in Rosario in Argentinien geboren, seit 2001 in der Schweiz, seit 2006 in Rheinfelden wohnhaft, fügt dem «normalen» Blick auf lokale Sehenswürdigkeiten neue Perspektiven und Geschichten hinzu.

Die Collage zeigt das Rote Haus in Rheinfelden einmal anders.

Die Collage zeigt das Rote Haus in Rheinfelden einmal anders.

zvg

«Rheinfelden surreal» nennt die 56-jährige Künstlerin die Serie, die sie als «humoristisch-provokative Auseinandersetzung mit meinem Wohnort» bezeichnet. Als Basis dienen ihr selbstgemachte Fotos, die übrigen Elemente hat sie Zeitschriften entnommen.

«Ich arbeite sehr genau, bin pingelig»

Eine ähnliche Serie gibt es von Budapest, zwei weitere haben die Titel «Intervenciones» und «Surreal Collage». «Es ist ein Spiel», sagt Bettina Costa. Ein Spiel mit Inspiration und Idee, Wahrnehmung und dem Mut, Bekanntes auf den Kopf zu stellen. Die Kunst besteht nicht nur in der bildnerischen Anordnung, sondern auch in der Technik. Denn so einfach, wie das Endergebnis aussehen mag, macht es sich Costa nicht.

Manche Collagen entstehen in kleinen Auflagen digital am Computer, andere als Einzelstücke komplett von Hand. Was die Künstlerin benötigt: «Gutes Papier, gute Schere, gutes Skalpell, gute Brille, gutes Licht.» Ihr Anspruch ist hoch. «Es muss perfekt sein.» Alles muss passend platziert werden, dann kommt die schwierigste Phase: das Kleben. Dafür braucht Costa eine ruhige Hand.

Weshalb diese Arbeit sehr bedacht ist, gar nicht expressiv:

«Ich will die Sachen klar.»

Und: «Ich arbeite sehr genau, bin pingelig.» Das gilt auch für die Malerei, die zweite Säule von Costas künstlerischem Kosmos. Nach figurativ-realistischen Anfängen hat sie sich der geometrischen Darstellung zugewandt. Ihre Malerei ist auf Flächen und Linien reduziert, Motive sind nicht zu erkennen.

Obwohl auch diese Bilder einfach erscheinen mögen, entstehen sie in langen, komplexen Arbeitsgängen. Costa verwendet Klebeband, um die ihr vorschwebende Klarheit und kompositorische Balance mit Farbe und Pinsel erzielen zu können.

Costa macht Recycling zur Kunstform

Aber was hat es mit den monochromen, zum Teil über drei Meter langen, schlanken Leinwänden auf Holzrahmen auf sich? In Costas Wohnung hängen zwei davon senkrecht wie Balken an einer hohen Wand. Ausser einer einzigen Farbe enthalten sie nichts – keine Figur, kein Zeichen. Bettina Costa teilt damit den Raum auf, benutzt die Architektur als Spielfeld für wenige prägnante Eingriffe.

Bettina Costa mit dem Porträt ihres Mannes Toni Scherrer.

Bettina Costa mit dem Porträt ihres Mannes Toni Scherrer.

Peter Schütz

Diese Geschichte steckt dahinter: In ihrem ersten Leben waren sie Kulissenbilder aus dem in Laufen stehenden Elternhaus von Bettina Costas Ehemann Toni Scherrer. Anstatt neue Leinwände zu kaufen, nahm sie die alten, auf einfachen Holzlatten gespannten Untergründe und übermalte sie.

Damit macht Costa das Recycling zur Kunstform. Apropos Ehemann: Im Treppenhaus befindet sich ein grünes Bild mit einer stehenden roten, gesichtslosen Figur im Zentrum. Trotzdem ist sie als Toni Scherrer zu erkennen. Bettina Costa hat auch hier mit minimalen Mitteln einen hohen Wiedererkennungswert geschaffen.