Fricktal
«Der Pegel ist dramatisch niedrig»: Die Kraftwerke am Rhein können derzeit nur wenig Strom produzieren

Nach dem Regensommer 2021 nun die Trockenperiode: In den Kraftwerkanlagen zwischen Laufenburg und Rheinfelden steht aktuell rund die Hälfte der Turbinen still. Kein Wunder, denn es fliessen nur knapp 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch. Für die Betreiber werden die zunehmenden Extremwetterlagen zur Herausforderung.

Hans Christof Wagner
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Der Rheinpegel ist derzeit sehr niedrig. Daher produzieren die Kraftwerke, im Bild das zwischen Bad Säckingen und Stein, im Moment weniger Strom.

Der Rheinpegel ist derzeit sehr niedrig. Daher produzieren die Kraftwerke, im Bild das zwischen Bad Säckingen und Stein, im Moment weniger Strom.

Hans Christof Wagner (30. März 2022)

Wenn der Rheindurchfluss 1450 Kubikmeter Wasser pro Sekunde betragen würde, könnte das Rheinkraftwerk Säckingen (RKS) mit seinen vier Turbinen die höchste Leistung erreichen – 74 Megawatt. Doch die am Steiner Ufer aufgestellte Infotafel zeigt im Moment Werte an, die weit davon entfernt liegen: gerade mal 470 Kubikmeter und eine Leistung von 35 Megawatt, also weniger als die Hälfte. Ralf Reinhart, Vorstand der RKS AG, sagt:

«Der Rheinpegel ist momentan schon dramatisch niedrig. Wir haben derzeit nur zwei von vier Turbinen in Betrieb.»

Auch im Laufenburger Kraftwerk reicht das Wasser aktuell nur aus, um vier den zehn eingebauten Turbinen am Laufen zu halten. Jochen Ulrich, Leiter der Abteilung Asset-Management beim Betreiber Energiedienst, sagt:

«Normal wären zu dieser Jahreszeit zwischen 800 und 900 Kubikmeter Durchfluss und nicht knapp unter 500 wie gerade.»

Sei der Rheinpegel im Januar noch relativ ausgeglichen gewesen, habe die seit Februar anhaltende Trockenheit ihn auf die aktuellen Tiefstwerte sinken lassen, blickt Ulrich aufs erste Quartal 2022 zurück. Und sagt: «Das macht sich bei der Stromproduktion bemerkbar, ganz klar.»

Auch der Regen am gestrigen Mittwoch habe daran kaum etwas geändert. Um den Pegel wieder nennenswert ansteigen zu lassen, müssten die Niederschlagsmengen weit höher sein.

Zu viel Regen ist auch nicht gut

Traditionell stellen die Wintermonate eher eine Durststrecke für die Kraftwerksbetreiber dar. Sie müssen bis ins Frühjahr warten, bis die Schneeschmelze in den Schweizer Alpen den Rheinpegel wieder steigen lässt. Dennoch sagt Ulrich:

«Regen wirkt sich auf den Kraftwerksbetrieb stärker aus als die Schneeschmelze.»

Aber zu viel Regen ist auch nicht gut. Diese Erfahrung hat Energiedienst 2021 gemacht. Denn trotz der Mega-Niederschläge und trotz Hochwassers hat das Unternehmen 2021 laut Geschäftsbericht weniger Strom in seinen Hochrhein-Anlagen produziert als 2020. Denn das Zuviel an Wasser können die Turbinen gar nicht verarbeiten – es wird über die Wehranlagen in den Unterlauf abgelassen.

Die am Steiner Ufer des Rheinkraftwerks Säckingen aufgestellte Infotafel zeigt im Moment niedrige Werte an.

Die am Steiner Ufer des Rheinkraftwerks Säckingen aufgestellte Infotafel zeigt im Moment niedrige Werte an.

Hans Christof Wagner

Laufenburg, Säckingen, Ryburg-Schwörstadt – mit 120 Megawatt das stärkste Kraftwerk am Hochrhein – sowie Rheinfelden, mit Eröffnung 2011 das jüngste: Wie Perlen reihen sich die Wasserkraftwerke flussabwärts aneinander und liefern vergleichsweise verlässlich Strom. Der Klimawandel ist für die Betreiber ein Thema, aber noch stellt er ihr Geschäftsmodell nicht in Frage. Ulrich sagt:

«Früher waren die Phasen Hoch- und Niedrigwasser zeitlich teils anders verteilt. Über längere Zeiträume betrachtet, sinkt die Wassermenge aber nur minimal.»

Auch Reinhart weiss: Ausgeprägtes Niedrigwasser ist kein neues Phänomen. Doch das Wasserkraftgeschäft werde durch das zunehmende Extremwetter – mal ganz viel Regen, mal extrem wenig –herausfordernder und weniger verlässlich, wie er es schildert.

Ein Gutes hat das Niedrigwasser für das Rheinkraftwerk Säckingen dann aber doch: Dass eine der vier Turbinen gerade durch Revision ausfällt, bedeutet so keinen Verlust bei der Stromproduktion.

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