Frick
Tamoil-Tankstellen-Betreiberin tritt mit Nebengeräuschen ab

Im Oktober übernimmt die Valora den Tamoil-Tankstellenshop in Frick. Die bisherige Betreiberin Marietta Speiser geht in Frühpension. Unfreiwillig, wie die 63-Jährige sagt. Sie kann nicht hinter der neuen Geschäftspoltik stehen.

Ralph Stamm
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Ende Woche bedient Marietta Speiser im Tamoil-Tankstellenshop in Frick ihre Kunden zum letzten Mal.ras

Ende Woche bedient Marietta Speiser im Tamoil-Tankstellenshop in Frick ihre Kunden zum letzten Mal.ras

Seit 19 Jahren betreibt sie den Tamoil-Tankstellenshop in Frick mit viel Herzblut. Ende Woche ist Schluss. Den neuen Vertrag, den ihr die Tamoil als frischgebackene Franchisenehmerin der Valora vorgelegt hat, wollte sie nicht unterschreiben. «Da hätte ich nicht dahinterstehen können», erklärt die 63-Jährige. Dies gilt auch für ihr sechsköpfiges Team, darunter auch ihr Sohn im Vollzeitpensum und ihre Tochter, die sporadisch im Laden ausgeholfen hat.

Die Übernahme des Tamoil-Tankstellenshops an der Hauptstrasse durch die Kioskbetreiberin Valora geschieht im Rahmen einer schweizweiten Partnerschaft der beiden Unternehmen (siehe Kasten). Valora wird den Tankstellenshop ab Oktober im Franchisesystem als avec-Laden weiterführen. Hätte Marietta Speiser den Vertrag unterschrieben, wäre ihr von der Valora das komplette avec-Geschäftskonzept zur Verfügung gestellt worden. Zwecks einheitlichem Auftritt der avec-Läden hätte die Shopbetreiberin nach eigenen Angaben allerdings bezüglich Marketing und Produktesortiment einige Auflagen erfüllen müssen. Doch diese gingen ihr zu weit.

Unvereinbare Geschäftspolitiken

Marietta Speiser will sich keinen Ärger einhandeln, weshalb sie in ihren Erklärungen zunächst vage bleibt: Ihre Geschäftspolitik sei mit jener von Valora nicht vereinbar, sagt sie etwa. Oder: Die Arbeitsbedingungen hätten mit dem neuen Vertrag nicht mehr gestimmt.

Dann aber wird sie konkret: «Der Kundenservice hätte wegen der Auflagen zwangsläufig gelitten.» Dieser war ihr aber stets besonders wichtig, wie ihre Kunden im Laden bestätigen. So habe sie ihre Produktepalette laufend im Sinne ihrer Stammkunden angepasst. Im Angebot standen zum Beispiel frische Sandwiches mit Hüttenkäse oder zusätzliches Brätelfleisch von der Metzg an heissen Sommersonntagen. Überdies sei man auch beim Service auf die individuellen Kundenwünsche eingegangen, habe Scheibenwischer und Autolampen gewechselt. «All dies hätten wir nicht mehr anbieten dürfen.»

Rolf Hager, Regionalleiter Deutschschweiz der Tamoil-Tankstellenshops sieht dies anders. Beim Sortiment bestehe für alle Franchisenehmer der Valora weiterhin eine gewisse Wahlfreiheit. Auch auf die spezifischen Kundenwünsche könne eingegangen werden: «Wie die Franchisenehmer der Valora ihre Kunden umwerben, ist ihnen weiterhin selbst überlassen.» Wohl auch deshalb seien ähnliche Widerstände gegen das neue Geschäftskonzept bei den Übernahmen anderer Shops ausgeblieben. Trotzdem: Er bedaure, den Entscheid von Marietta Speiser, den Shop nicht weiter zu führen, denn er habe die Zusammenarbeit stehts geschätzt. Gleiches ist von der abtretenden Shopbetreiberin zu vernehmen.

Anschlusslösungen gefunden

Wie auch immer: Die Gestelle im Tankstellenshop sind bereits halb leer. Marietta Speisers Ärger ist zwar noch nicht verflogen, dafür schläft sie bereits wieder gut. «Es sieht so aus, als würden alle meine Mitarbeiter eine Anschlusslösung finden», sagt sie. Und sie selbst? Sie werde endlich wieder einmal Zeit haben, um in die Ferien zu fahren.