Laufenburg
«Wenn mich zu Hause etwas bedrückte, schlich ich mich in die Kirche»

Nach 28 Jahren Sakristan in der Kirche Johannes der Täufer in Laufenburg übergab Vincenzo Persello die Schlüssel seinem Nachfolger, Roland Schnetzler .

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Vincenzo Persello (l.) übergibt die Kirchenschlüssel seinem Nachfolger Roland Schnetzler. zvg

Vincenzo Persello (l.) übergibt die Kirchenschlüssel seinem Nachfolger Roland Schnetzler. zvg

«Die Kirche war meine zweite Heimat.» Diese Worte aus dem Munde von Vincenzo Persello zeugen von seiner Liebe zu seinem Beruf als Sakristan in der Pfarrkirche Laufenburg.

«Wenn mich zu Hause etwas bedrückte, habe ich mich weggeschlichen, in die Kirche, da gibt es immer etwas zu tun», so der scheidende Sakristan anlässlich seiner Laudatio an die Kirchenbesucher am 1. Adventssonntag. «Wenn ich dann nach Hause ging, war die Welt für mich wieder in Ordnung, der Dampf war abgelassen.»

Ein Sakristan also, mit «Dampfbetrieb», wie es Pfarrer Kurt Ruef treffend formulierte, denn man kennt Persello auch als leidenschaftlichen Pfeifenraucher.

Auch der Stadtpfarrer von Baar, Dr. Anthony Chukwu, bis im vergangenen September noch Pfarrer in Laufenburg, reiste zu Ehren des scheidenden Kirchendieners und zur Einsetzung des Nachfolgers nach Laufenburg und würdigte den bald 75 jährigen Sakristan als überaus pflichtbewusst und korrekt in allen Bereichen.

Beide Pfarrherren liessen durchblicken, dass sie sich mit Vincenzo ohne Worte gut verstanden haben. Neben Tröster von verschiedensten Menschen sei er auch «Blitzableiter von den Pfarrherren gewesen, denn diese haben ja keine Frau daheim», erzählte Persello schmunzelnd.

Roland Schnetzler übernimmt

Er hat sich in all den Jahren auch ein unglaublich grosses Wissen um die Laufenburger Kirche und deren Schätze angeeignet, welches er gerne anlässlich von Führungen weitergab. Nun hat Vincenzo Persello endlich Zeit, die Sonn- und Feiertage wieder vermehrt zu Hause zu verbringen. Wie auch der neue Sakristan, Roland Schnetzler, verdeutlichte, muss die Familie voll und ganz hinter diesem Amt stehen, denn gerade den Weihnachtsabend oder auch die Osternacht, mit seinen Liebsten zu verbringen, ist nicht möglich.

Mit einem Blumenstrauss bedankte sich der Kirchenpflegepräsident und zukünftige Hauptsakristan bei Monika Persello, der Frau des scheidenden Sakristans für ihre Unterstützung während all dieser Jahre. Die von Persello überreichten Kirchenschlüssel werde er in Würde hüten, so der 59-jährige Roland Schnetzler. Wie der Engel, welcher er von den Pfarrherren geschenkt erhielt und, der sogleich Engel Roland getauft wurde, blicke er erwartungsvoll in die Zukunft.

Lehrbuch mit 387 Seiten

Roland Schnetzler hat die Ausbildung zum Sakristan 2011 in Einsiedeln und die Fachprüfung 2012 mit Erfolg abgeschlossen. «Vorbei sind die Zeiten, wo ein Feierabendsakristan dieses Amt ausführen könne», bemerkte Schnetzler.

387 Seiten besitzt das Lehrbuch. Es enthält folgende Hauptthemen: Der Beruf des Sakristans, die Liturgie (Feiern, Jahresablauf, Haltungen und Gesten, Gewänder und Textilien, Geräte, Bücher, Arbeitshilfen), Kirche und Kirchenraum (Geschichte, Bedeutung und Funktion, die liturgischen Orte, übrige Ausstattung), technische Anlagen, Reinigung der Kirche, Aussenanlagen und deren Unterhalt, Kirchenschmuck, kirchliche Berufe und ehrenamtliche Dienste, Kirchturm und Glocken und deren Unterhalt, liturgische Fachsprache. «Selbst ein Blumengesteck musste ich unter den Augen von Fachkräften anfertigen», erzählt Roland Schnetzler. (AZ)