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Wie links darf es sein? Die Fricktaler Kandidaten der SP im Vergleich

Die AZ vergleicht die Spider-Profile der Fricktaler Kandidaten auf den Hauptlisten der grossen Parteien. Heute: die SP.

Thomas Wehrli
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Carole Binder und Rolf Schmid im Vergleich.

Carole Binder und Rolf Schmid im Vergleich.

Thomas Wehrli/zvg, Montage:kob

In dieses Netz gehen die Politikerinnen und Politiker, die für den Nationalrat kandidieren, noch so gerne: ins Netz der Online-Wahlhilfen. Denn sie wissen: Viele Wähler, die noch nicht sicher sind, wem sie am 20. Oktober ihre Stimmen geben wollen, gleichen ihre Meinung bei Wahlhilfen wie Vimentis mit jener der Kandidaten ab. Bei nicht weniger als 496 Aargauern, die es in diesem Jahr nach Bern zieht (darunter 55 Fricktaler), ist guter Rat doppelt willkommen.

Die AZ vergleicht in einer losen Folge die Spider der Fricktaler, die auf einer der Hauptlisten der grossen Parteien kandidieren. Bereits bei der Analyse der CVP-Profile und -Positionen fiel auf: Die Differenzen innerhalb der Partei sind zum Teil markant. Das ist bei den beiden SP-Kandidaten, Rolf Schmid und Carole Binder-Meury, nicht anders. Schmid fährt einen deutlich linkeren Kurs. Sein Spider-Profil ähnelt jenem von Nationalrat Cédric Wermuth. Und Wermuth kam im letzten Parlamentarier-Rating der NZZ, das die Links-rechts-Positionierungen auslotet, auf einen Wert von –9,5 bei einem Maximum von –10.

Auf der politischen Karte liegt Schmid denn auch deutlich weiter links als Binder. Auf der zweiten Achse, die zwischen liberal und konservativ scheidet, landet Binder auf dem Nullpunkt, Schmid ist eher liberal denn konservativ. Die deutlichsten Unterschiede zwischen den beiden SP-Politikern im Spider-Profil sind beim Sozialstaat und beim Rechtssystem auszumachen. Schmid fordert einen umfassenden Sozialstaat, Binder tritt stärker als Schmid für ein strengeres Rechtssystem ein. Markant ist die Differenz auch bei der Ausländerpolitik. Nahe beieinander sind die beiden SP-Politiker dagegen bei der aussenpolitischen Öffnung – beide befürworten sie – und beim Umweltschutz.

Carole Binder-Meury

Carole Binder-Meury

Zur Verfügung gestellt
Rolf Schmid

Rolf Schmid

Thomas Wehrli

Body-Cams für Polizisten? Binder sagt Ja, Schmid eher Nein

Taucht man in die 73 Fragen ein, die dem Spider zugrunde liegen, und sucht nach gegensätzlichen Antworten, so wird man 19 Mal fündig. Während Schmid beispielsweise ein Verbot einer Gesichts- und Ganzkörperverschleierung ablehnt, befürwortet Binder ein solches. Schmid spricht sich klar dagegen aus, dass bei Kriminaldelikten vermehrt ein kurzzeitiger Freiheitsentzug anstelle von gemeinnütziger Arbeit und Geldstrafen ausgesprochen werden; Binder kann sich dies zumindest vorstellen (eher ja).

Die unterschiedliche Einschätzung bei Fragen der öffentlichen Sicherheit und des Rechtssystems zeigt sich auch bei der Ausschaffung von Personen, welche die Schweizer Sicherheit gefährden, und beim Einsatz von Body-Cams durch die Polizei. Während Binder befürwortet, dass auch Personen, welche die Schweizer Sicherheit gefährden, ausgeschafft werden können, selbst wenn die Sicherheit dieser Person im Ausschaffungsland nicht garantiert werden kann, hält Schmid davon nichts. Er spricht sich auch gegen den Einsatz von Body-Cams bei Polizisten aus (eher nein), um Übergriffe auf Polizeibeamte zu verhindern und eine klare Beweislage zu schaffen. Binder sagt dazu Ja.

Für Schmid kommt es nicht infrage, dass staatliche Entwicklungshilfe an die Rücknahme von abgewiesenen Asylbewerbern durch ihre Herkunftsländer gekoppelt wird, Binder pflichtet der Idee bei. Eine Differenz besteht auch bei der Frage, ob eine Widerspruchsregelung in der Organspende eingeführt werden soll. Binder ist dagegen, Schmid dafür.

Einig sind sich die beiden SPler in vielen Punkten bei der Familien- und Bildungspolitik. Doch es gibt auch hier Differenzen. So befürwortet Binder, dass die Leistungen bereits in der 1. Klasse mit Noten bewertet werden, Schmid sagt eher Nein. Und während sich Binder dafür ausspricht, dass die Obergrenze der abzugsfähigen Kosten für Fremdbetreuung in der Bundessteuer von 10'000 auf 25'000 Franken erhöht werden sollen, ist Schmid dagegen. Schmid wiederum spricht sich für eine zusätzliche Elternzeit aus, Binder sagt dazu eher Nein.

Einer vollständigen Liberalisierung des Strommarktes steht Binder offen, Schmid ablehnend gegenüber. Nicht gleich beurteilen die beiden auch den Eigenmietwert. Binder plädiert für dessen Abschaffung, Schmid will ihn beibehalten.

Summa summarum beantwortet Binder 65 der 73 Fragen mit einem klaren Ja oder Nein, also mit einem ++ oder --, Schmid deren 58. Zum Vergleich: Bei den drei CVP-Kandidaten lag dieser Wert zwischen 8 und 38.

Hier finden Sie alle Nationalratskandidatinnen und -Kandidaten auf einer Karte: