Gipf-Oberfrick

"Wir bürgern Nancy Holten auch beim zwanzigsten Versuch nicht ein"

Der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick will nichts mehr mit der Einbürgerung von Nancy Holten zu schaffen haben. Die Regierung soll abschliessend entscheiden. Dabei ist sich der Gemeinderat im Klaren: Juristisch spricht nichts gegen den Schweizer Pass.

Thomas Wehrli
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Nancy Holten. ZVg

Nancy Holten. ZVg

Die Gipf-Oberfricker haben sich ihre Meinung zur Einbürgerung von Nancy Holten gemacht – und werden diese nicht mehr ändern.

Davon ist der Gemeinderat überzeugt. In der Stellungnahme zur Beschwerde von Holten gegen den ablehnenden Einbürgerungsentscheid der Gemeindeversammlung hält das Gremium fest: «Es ist zweifellos davon auszugehen, dass Nancy Holten auch beim dritten, vierten oder zwanzigsten Einbürgerungsversuch in Gipf-Oberfrick nicht eingebürgert wird.»

Nancy Holten
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Nancy Holten

Zur Verfügung gestellt

Der Gemeinderat ist sich dabei bewusst, dass keine sachlichen Gründe gegen die Einbürgerung sprechen. Darauf hat er die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 25. November auch explizit hingewiesen. Genützt hat es nichts; die Stimmberechtigten lehnten die Einbürgerung mit 59:203 Stimmen wuchtig ab.

Es handle sich eben «um eine spezielle Situation», schreibt der Gemeinderat in der Stellungnahme, die der az vorliegt.

Diese besteht für das Gremium weniger in der freien Meinungsäusserung von Holten als in der «schon fast ‹penetrant› weltweiten Medienpräsenz, die die Stimmbürger zu einer ablehnenden Haltung bewegt hat».

Ein Thema selbst in Russland

Diese Präsenz hat sich in den letzten Wochen gar noch akzentuiert; Holtens Kampf für den Schweizer Pass ging weltweit viral. Die «Daily Mail» berichtete ebenso über die aufmüpfige Holländerin wie das links-intellektuelle «Atlantic»-Magazin, die TV-Sendung «Fox News» oder russische Medien.

Für den Gemeinderat von Gipf-Oberfrick ist angesichts der festgefahrenen Situation klar: Der Regierungsrat muss entscheiden – und zwar abschliessend.

Unverhohlen macht die Gipf-Oberfricker Exekutive dabei klar: «Der Gemeinderat wird, falls der Regierungsrat das Gesuch nochmals zur Beurteilung an die Gemeinde zurückweist, die Einbürgerung der Gemeindeversammlung kein drittes Mal mehr zur Beschlussfassung unterbreiten.»

Dieser Beschluss des Gemeinderates dürfte rechtlich kaum umsetzbar sein, soll aber den Druck auf Aarau erhöhen. Denn der Gemeinderat hat genug vom Pingpong-Spiel in der Causa Holten – so wie die 42-jährige Holländerin selbst.

Sie rechnet damit, dass der Regierungsrat sie direkt einbürgert. «Da ich sämtliche Kriterien erfülle, wäre es angebracht, dass ich den roten Pass nun endlich erhalte.» Für eine erneute Rückweisung des Gesuchs an die Gemeinde hätte auch sie kein Verständnis.

«Die Gipf-Oberfricker würden auch beim dritten Mal Nein sagen und ich würde wieder Rekurs einlegen. Das Hin und Her bringt niemandem etwas.»

Der Ball liegt nun beim Kanton. Dieser prüft die Beschwerde und wird sie «zu gegebener Zeit dem Regierungsrat zum Entscheid vorlegen», wie das Departement Volkswirtschaft und Inneres an Holten schreibt. Bei der Beschwerde von Holten gegen das erste Nein der Gipf-Oberfricker vor einem Jahr entschied der Regierungsrat Ende Juni. Dieses Mal dürfte der Entscheid deutlich schneller fallen.

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AZ