Fall Rupperswil

Hier wird Thomas N. der Prozess gemacht – neue Details zur Verhandlung

Jetzt sind neue Details bekannt, wie die auf vier Tage angelegte Verhandlung um den Vierfachmord ablaufen wird. Das Interesse am Prozess gegen Thomas N. ist riesig, der Platz aber beschränkt.

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Gerichtssaal Vierfachmord Rupperswil
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Es handelt sich um Räumlichkeiten der Mobilen Polizei.
Die Verhandlung beginnt am Dienstag, 13. März – vier Prozesstage sind vorgesehen.
Die Verhandlung beginnt jeweils um 08.15 Uhr. Wann der Prozesstag jeweils endet, hängt von den Umständen ab.
Der erste Verhandlungstag beginnt mit der Befragung von zwei Gutachtern.
Wegen des beschränkten Platzes werden in erster Linie Medienvertreter berücksichtigt.
Im selben Saal informierte die Staatsanwaltschaft die Festnahme des Angeklagten Thomas N.
Prozess zum Vierfachmord Rupperswil

Gerichtssaal Vierfachmord Rupperswil

Chris Iseli

Die Gerichte Aargau veröffentlichen in einer Medienmitteilung Details zu den Modalitäten rund um die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Die Verhandlung beginnt am 13. März und findet in den Räumlichkeiten der Mobilen Polizei, Länzert 10, in Schafisheim statt. Sie dauert voraussichtlich vier ganze Tage.

Was bisher geschah

Die Verhandlung beginnt jeweils um 08.15 Uhr. Eine Endzeit «richtet sich nach dem konkreten Zeitbedarf», heisst es weiter. Der erste Verhandlungstag beginnt mit der Befragung von zwei Gutachtern. Zwei unabhängige Gutachten sind notwendig, damit ein Gericht gegen einen Täter eine lebenslängliche Verwahrung aussprechen kann.

Der mutmassliche Täter Thomas N. und das Mordhaus in Rupperswil (Fotomontage)
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Thomas N. wurde im Gefängnis Pöschwies in Regensdorf ZH inhaftiert. Hier wartet er seither auf den Prozess.
21. Dezember 2015: An diesem Tag kommt es in diesem Haus zum Vierfachmord.
Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in diesem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.
Beim Einsatz finden Feuerwehrleute vier verkohlte Leichen im Haus.
Schnell ist klar: Es handelt sich um ein Verbrechen. Die Opfer waren gefesselt und wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf.
Eine Forensikerin auf dem Weg zum Tatort im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier.
Die Ermittler sichern Spuren im und um das Haus.
Kapo-Medienchef Roland Pfister informiert die Medien über die vier gefundenen Leichen im Wohnhaus.
23. Dezember 2015: Zwei Tage nach der Bluttat sind die Opfer identifiziert: Es handelt sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona (†21).
Mit Flugblättern sucht die Polizei bald in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit den vier Personen machen können.
Auf dem Flugblatt ist auch dieses Bild von Carla Schauer (†48) zu sehen, aufgenommen von einer Überwachungskamera: Sie hebt Geld an einem Bankschalter in Wildegg ab. Es sind zirka 9000 Franken.
Später veröffentlicht die Polizei auch dieses Bild: Carla Schauer hebt knapp 20 Minuten nach dem ersten Geldbezug in Wildegg an einem Geldautomaten in Rupperswil 1000 Euro ab.
Trauerbekundungen beim Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, wo die vier getöteten Personen gefunden wurden.
Die Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil reissen auch über die Feiertage nicht ab.
Für die Ermittler bedeutet der Fall Knochenarbeit: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt.
Rund 500 Personen wohnten dem Trauer-Gottesdienst bei. Wegen des grossen Andrangs mussten rund 200 Gäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen.
Der Schock über die schreckliche Tat sitzt tief: Trauernde geben sich Halt
21. Januar 2016: Die Aargauer Staatsanwaltschaft gelangt an die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst". Im April wird der Mordfall von Rupperswil in München aufgezeichnet.
18. Februar 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.
An dieser Pressekonferenz setzen die Behörden eine Belohnung von bis zu 100'000 Franken für Hinweise auf die Täterschaft aus.
Aus der Bevölkerung gehen hunderte Hinweise ein – keiner führt die Polizei auf die richtige Spur. Um den Vierfachmord von Rupperswil aufzuklären, haben die Aargauer Untersuchungsbehörden einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor.
13. Mai 2016: Fast fünf Monate nach dem Tötungsdelikt laden Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig zu einer zweiten grossen Pressekonferenz ein.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht enthüllt: Der Täter ist gefasst! Es handelt sich um einen 33-Jährigen aus Rupperswil, der nicht vorbestraft ist.
Der mutmassliche Mörder von Rupperswil: Thomas N. war jahrelang Fussball-Trainer und betreute C-Junioren.
Seine Fussballkollegen beschreiben ihn als Einzelgänger und guten Trainer.
In diesem Haus in Rupperswil – nur wenige Meter vom Haus der Familie Schauer entfernt – wohnte Thomas N.
Diesen Rucksack mit Tatutensilien für den nächsten Mord hat die Polizei im Haus von Thomas N. sichergestellt.
Die Haustür des Gebäudes wurde von der Polizei – nach einer Hausdurchsuchung – amtlich versiegelt.
Wenige Tage nach der Ergreifung des Täters wird bekannt: Die Rechtsanwältin Renate Senn wird den Mörder von Rupperswil vor Gericht vertreten.
21. Dezember 2016: Ein Jahr nach der Tat gab es in Rupperswil keine Gedenkfeier. Ammann Ruedi Hediger: «Die Wunden «sind am Verheilen.»
7. September 2017: Staatsanwältin Barbara Loppacher von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhebt Anklage.
13. März 2018: In diesem Saal in Schafisheim soll die Verhandlung stattfinden.

Der mutmassliche Täter Thomas N. und das Mordhaus in Rupperswil (Fotomontage)

Fotos: HO und Sandra Ardizzone / Montage: az

Im weiteren Verlauf der Verhandlung wird der Beschuldigte befragt, und die Parteien werden ihre Plädoyers halten.

Wer an der Verhandlung teilnehmen möchte, muss sich bis Freitag, 2. Februar, anmelden. Dies gilt sowohl für Medienschaffende als auch für Privatpersonen. Die Anmeldung ist an susanna.peter@ag.ch zu richten und muss folgende Angaben enthalten:

  • Name und Vorname
  • Geburtsdatum
  • Adresse
  • E-Mail-Adresse
  • Kopie eines Personalausweises (Identitätskarte, Pass)

Aufgrund der Platzverhältnisse ist es allerdings möglich, dass nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden können. Grundsätzlich werden die Anmeldungen nach Eingang
berücksichtigt, heisst es in der Medienmitteilung. In erster Linie werden die Vertreterinnen und Vertreter der Medien berücksichtigt.

Chronologie der Ereignisse

21. Dezember 2015: Thomas N. ermordet in Rupperswil vier Personen.

24. Dezember 2015: Polizei fahndet mit Flugblättern.

8. Januar 2016: Trauerfeier für die Opfer.

18. Februar 2016: Medienkonferenz der Polizei, Behörden setzen eine Belohnung von 100'000 Franken aus.

April 2016: Dreharbeiten für Aktenzeichen XY, gesucht wird der Täter.

12. Mai 2016: Thomas N. wird im Starbucks in Aarau verhaftet.

13. Mai 2016: Staatsanwaltschaft, Polizei und Regierung informieren über die Verhaftung und die bisherigen Erkenntnisse.

16. Mai 2016: Renate Senn wird als Pflichtverteidigerin von Thomas N. eingesetzt.

Täter in U-Haft im Zentralgefängnis Lenzburg, Kanton gibt Zehntausende Franken für Suizidprävention aus.

Februar 2017: Thomas N. wird in Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH verlegt.

11. Mai 2017: Zwei psychiatrische Gutachten liegen vor.

7. September 2017: Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhebt Anklage gegen Thomas N., unter anderem wegen vierfachen Mordes und Pornografie.

13. März 2018: Auf diesen Tag ist der erste Verhandlungstag angesetzt.

Zum Hören:

Der Vierfachmord in Rupperswil – und wann man das Undenkbare denken sollte

Autor Max Dohner macht sich Gedanken über das Böse.