Aarau

135 Flaschen mit Aargauer Wein – welcher ist der beste?

Dieses Jahr gab es immerhin 2,5 Millionen Kilogramm Trauben, die zu Wein verarbeitet werden konnten. Für den Goldenen Aargauer Weingenuss wurden nun 22 Winzer von Regierungsrat Brogli feierlich ausgezeichnet.

Hans Lüthi
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Winzerinnen und Winzer freuen sich über die Diplome von Regierungsrat Roland Brogli (Mitte) im Keller das Gasthauses Schützen in Aarau. foto: Gerold Fei

Winzerinnen und Winzer freuen sich über die Diplome von Regierungsrat Roland Brogli (Mitte) im Keller das Gasthauses Schützen in Aarau. foto: Gerold Fei

GERRY FREI

Der Rekord von 135 eingereichten Aargauer Weinen macht die Degustation definitiv zum logistischen Grossanlass. Wer aber glaubt, die Rebbauern würden ihre Produkte gegenseitig hochjubeln und eine Nabelschau betreiben, der irrt sich gewaltig.

Die Mehrheit der professionellen Degustatoren kam nicht aus dem Kanton, um eine neutrale Bewertung sicherzustellen. Sie haben in acht Kategorien Riesling-Sylvaner, Pinot Noir, weisse Spezialitäten wie Pinot Gris, Sauvignon blanc und Chardonnay blind bewertet.

Neben Blanc des Noir, Federweissem, Schiller und Rosé waren erstmals auch Schaumweine dabei. «Der Rondo demisec von Konrad Zimmermann aus Oberflachs hat die Experten richtiggehend verblüfft», betonte der technische Leiter Hans Bättig.

Offen über Fehler sprechen

«Warum soll man noch besser werden, wenn man schon gut ist?» Weil man nicht auf den Lorbeeren ausruhen sollte und weil im Leben und auch beim Wein die stete Veränderung die einzige Konstante sei.

Das sagte der diplomierte Ingenieur Agronom ETH Hans Bättig aus Luzern. Als Mitbegründer des Weingenusses ist es ihm wichtig, dass die Weinbauern bereit sind, offen über alle Fehler zu diskutieren.

Das sei gar nicht so einfach und nur möglich, wenn man sich schon relativ gut kenne. Der Aargauer Wein habe eine dichte Spitze, «die Produzenten sind auf dem richtigen Weg», lobte der Experte.

Bei allen Weinen müssten die Grundwerte stimmen, dann ertrage es auch einen leichten Unruhestifter. Die Riesling-Sylvaner sollten frisch und fruchtig bleiben, die Kelterung des Sauvignon blanc sei eine stete Gratwanderung, die Gefahr gross, einen unangenehmen Böckser-Beigeschmack zu erwischen.

Auch für Peter Wehrli, Präsident im Verband Aargauer Wein, ist die schonungslose Analyse wichtig, «um aus Fehlern zu lernen und die Qualität zu halten und weiter zu steigern».

Bei allen Problemen in der Natur der Rebberge und später im Keller waren die Weinbauern im Gasthaus Schützen in Aarau natürlich in Festlaune. Aus zwei Gründen: 2015 wird nach dem traumhaften Sommer ein herrlicher Jahrgang (abgesehen von den etwa 10 Prozent Ausfällen durch das Bayer-Spritzmittel Moon Privilege).

Und die Diplomierung wurde als Fest zelebriert, bei dem sich die Konkurrenten freudig gratulierten und die Spitzentropfen auch selber kosten und vergleichen konnten. Statt über Budgetzahlen zu weinen, genoss es Finanz- und Bauerndirektor Roland Brogli, die echten Weine fern der Politik trinken zu können. Der Regierungsrat lobte die hohe Qualität der Branche, bevor er die Diplome den erfolgreichen Winzerinnen und Winzern persönlich überreichte.

5 bis 6 Flaschen pro Person

Alle Mitwirkenden, die Organisatoren sowieso, mussten viel guten Willen und Zeit aufbringen. Dafür bekommen sie die Resultate der grossen Degustation zugestellt, die Besten mit Bild der Diplomierung.

«Wir haben die Weine noch nie so differenziert angeschaut», erklärte Urs Gasser als Obmann des Aargauer Weingenusses nach der siebten Austragung. Aus den 2,5 Millionen Kilogramm Traubenernte im Kanton gebe es 2,4 Millionen Flaschen Wein zu je 7 Deziliter.

Bei einer Bevölkerung von 544 000 Einwohnern mache das pro Kopf und Jahr 5 bis 6 Flaschen Aargauer Wein aus. «Der Absatz sollte eigentlich lösbar sein», meinte Gasser im Blick auf die Tatsache, dass in der Schweiz pro Kopf und Jahr 50 Flaschen Wein konsumiert werden.

Die Produzenten gehen übrigens mit gutem Beispiel voran, für sie wäre es eine schreckliche Welt, wenn sie sich mit einem halben Dutzend Aargauer Weine jährlich begnügen müssten.

Alle diplomierten Winzer 2015 auf einen Blick

Jeder Weinbauer konnte mehrere Weine einreichen, für die Kategorien Riesling-Sylvaner trocken, leicht süss, weisse Spezialitäten, Pinot Noir ohne Holzkontakt, mit wenig oder mit viel Holz. Zudem erstmals Schaumweine sowie als Gruppe Blanc des Noir, Federweisser, Schiller, Rosé.

Sechs Diplome: Den Vogel hat Guido Oeschger von der Wiler Trotte abgeschossen, mit sechs Diplomen in sechs Kategorien. Einen Schaumwein hat er nicht eingereicht.
Fünf Diplome: Weingut Thomas Lindenmann in Seengen für Riesling-Sylvaner bis Pinot Noir.

Drei Diplome: Urs Gasser von Fehr+Engeli in Ueken für Müller-Thurgau, Sauvignon blanc und Pinot Noir. Weingut Susi Steiger-Wehrli und Weinbaupräsident Peter Wehrli in Küttigen für Pinot Gris Brestenberg, Sauvignon blanc und Rosé. Bruno Hartmann in Remigen für Blanc de Noir, Schaumwein und Pinot Noir.

Zwei Diplome: Sibylle und Peter Büchli in Effingen für Riesling-Sylvaner Spätlese und Pinot Noir Spätlese. Weingut Jürg Wetzel in Ennetbaden für Chardonnay und Pinot Noir Auslese. Lukas Baumgartner in Tegerfelden für Sauvignon blanc und Blanc de Noir. Koni Zimmermann von Chalmberger Weinbau in Oberflachs für die Schaumweine Morio brut und Rondo demisec. Andreas Meier vom Sternen in Würenlingen für Pinot Noir Kloster Sion und Kloster Sion Réserve.

Ein Diplom: Jeck-Weine in Zeiningen für Riesling-Sylvaner. Kathrin und Claudio Hartmann von ck-Weine in Schinznach-Dorf für Riesling-Sylvaner. Meinrad Keller in Döttingen für einen Pinot Gris. Weinbaugenossenschaft Schinznach-Dorf für Chardonnay Winzer Wy. Weingut FiBL in Frick für Cuvée Blanche. Daniel Fürst von der fürstlichen Weinkultur Hornussen für Rosé. Meinrad Steimer von der Weinbaugenossenschaft Wettingen für Pinot Noir Scharten.

Weinbaugenossenschaft Birmenstorf für Riesling-Sylvaner. Weinbau Märki in Rüfenach für Rütiberger Pinot Noir. Thomas Steger in Niederrohrdorf für Pinot Noir Grossberg. Weinbau Paul Steimer in Wettingen für Pinot Noir Herrenberger Exklusiv. Martin Wetzel in Würenlos für Spätburgunder Réserve. Die meisten Weine sind von den Jahrgängen 2014 und 2013. (Lü)