Gedenkjahr
Aargau feiert Unabhängigkeit bei Speis, Trank und Wiener Walzer

1815 entschied sich in Wien das Schicksal des Kantons Aargau. Die Siegermächte entschieden sich dafür, dass der junge Kanton weiterexistieren soll. Über den Wiener Kongress und seine Zäsur sprach Österreichs Botschafter in Aarau.

Manuel Bühlmann
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Wiener Kongress: Kick-Off-Anlass
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Matthias Würsch spielt Glasorgel, die zur Zeit des Wiener Kongresses Mode war und heutzutage sehr selten ist.
Jürgen Meindl, österreichischer Botschafter in der Österreichischen Residenz in Bern referiert vor den geladenen Gästen anlässlich des Kick-Off Anlasses zur Veranstaltungsreihe Aargau/Österreich 1815–2015.
Roland Brogli, Regierungsrat Kanton Aargau, bei seinem Referat.
Roland Brogli, Regierungsrat Kanton Aargau ; Rechts: Jürgen Meindl, österreichischer Botschafter vor der Österreichischen Residenz in Bern

Wiener Kongress: Kick-Off-Anlass

Mario Heller

2015 ist das Jahr der Jubiläen. Wobei aus Aargauer Sicht – neben der Eroberung durch die Eidgenossen 1415 – eines besonders heraussticht: der Wiener Kongress von 1815. Vor 200 Jahren beschlossen die Siegermächte nicht nur die Neuordnung Europas, sondern auch den Weiterbestand des jungen Kantons Aargau.

Ein schicksalhaftes Ereignis, das dieses Jahr gefeiert wird. Zum Auftakt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen lud der österreichische Botschafter Jürgen Meindl am Dienstagabend ausgewählte Gäste in seine Residenz nach Bern. Er sprach in seiner Rede von einer «Zäsur für Europa», die hierzulande genauso spürbar war. «Der Wiener Kongress hat auch in der Schweiz Geschichte geschrieben.»

Wiener Kongress: Die Garantie für den Fortbestand des Kantons

Der Wiener Kongress setzte mehr als 20 Jahren Krieg ein Ende und ordnete die Verhältnisse in Europa neu. Den Ton gaben dabei die vier Siegermächte Österreich, Preussen, Russland und Grossbritannien sowie später auch Frankreich an. Sie verhandelten auch über das Schicksal der Schweiz und setzten dazu ein sechsköpfiges Komitee ein. Die Grossmächte versuchten auch dabei, ihre Interessen durchzusetzen. Ihr Ziel: ein neutraler Staat, der zwischen Frankreich und Österreich als Puffer dienen sollte. In der am 20. März 1815 beschlossenen Erklärung über die Angelegenheiten der Schweiz wurde deshalb die immerwährende Neutralität festgelegt. Der Kongress anerkannte die inneren und äusseren Grenzen, die grösstenteils bis heute Bestand haben, und bestätigte die Souveränität der Eidgenossenschaft. Von besonderer Bedeutung waren die Entscheide der Grossmächte für den Aargau: Sie garantierten für den Weiterbestand des jungen Kantons, obwohl der Kanton Bern sein früheres Herrschaftsgebiet zurückgewinnen wollte. (Mbü)

Unter den geladenen Gästen fand sich auch Roland Brogli. Der Regierungsrat betonte, der Kongress sei ein wichtiger Schritt für den Kanton gewesen. «Der Aargau war auf die Hilfe der Grossmächte angewiesen. Sonst hätten die Herrschaftsansprüche – insbesondere von Bern – nicht pariert werden können.» Der Wiener Kongress habe eine ruhigere und sichere Phase eingeleitet, sagte Brogli und stellte daraufhin die geplanten Veranstaltungen vor. Bis Ende Jahr organisieren Kanton und österreichische Botschaft drei öffentliche Anlässe:

Der Wiener Walzer: Die Kongressteilnehmer mussten trotz zähen Verhandlungen nicht auf Vergnügen verzichten. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit tanzten, schlemmten und feierten sie. Das glamouröse gesellschaftliche Leben rund um den Kongress ist Thema der Veranstaltung vom Donnerstag, 4. Juni, auf Schloss Wildegg. «Bei Speis, Trank und Wiener Walzer» werde ein Hauch dieses Glanzes das Schloss umwehen, versprach Roland Brogli. Die pompösen Bälle, Konzerte und Bankette dienten allerdings nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Pflege der Kontakte – der informellen Diplomatie.

Der Staatsbankrott: Die rauschenden Feste und luxuriösen Vergnügungen während des neunmonatigen Kongresses verschlangen enorme Geldsummen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse kostete der Kongress Österreich 100 Millionen Franken. Die Folge: der Staatsbankrott. Das Thema, das von grösster Aktualität sei, betreffe ihn als Finanzdirektor natürlich ganz besonders, sagte Brogli. Ein Blick in die Vergangenheit könne sich durchaus lohnen, um Lehren für die Gegenwart zu ziehen. An einem Podium wird über die Entwicklung der öffentlichen Finanzen diskutiert und ein Blick in die Zukunft geworfen. Der Anlass findet im Herbst im Kloster Königsfelden statt. Das genaue Datum steht noch nicht fest.

Die Folgen: Die letzte der drei öffentlichen Veranstaltungen findet ebenfalls im Herbst im Kloster Muri statt und legt den Fokus auf die Auswirkungen. «Das Europa von heute ist ein Enkelkind des Wiener Kongresses», sagte Brogli. Und auch für den Aargau waren die Folgen weitreichend – «ein Meilenstein in der Staatsentwicklung».

Das Ziel der Veranstaltungsreihe gab Roland Brogli zum Schluss seiner Ansprache bekannt: «Wir wollen damit die Verbundenheit zwischen dem Aargau und Österreich weiter stärken und die Freundschaft vertiefen.»