Coronakrise

Aargauer Ärzte-Präsident Lareida sagt, wie Praxen Betrieb wieder hochfahren – das rät er Risikopatienten

Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands, freut sich über die Lockerungen in der Coronakrise. Ein normaler Arbeitsalltag werde in den Arztpraxen aber noch eine ganze Weile nicht eintreten. Und er sagt, was den Ärzten aktuell helfen würde.

Nadja Rohner
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Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands.

Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands.

Aargauer Zeitung

Die Haus- und Spitalarztpraxen im Aargau bereiten sich darauf vor, den Betrieb wieder hochzufahren, nachdem der Bundesrat ab nächster Woche auch nicht-dringliche Behandlungen wieder erlaubt. Die Erleichterung sei gross, sagt Jürg Lareida, Präsident des Aargauischen Ärzteverbands.

Dies nicht nur, weil befürchtet werden muss, dass Patienten aus Angst vor Corona derzeit viel zu spät zum Arzt gehen und so Notfälle nicht erkannt oder chronische Krankheiten verschlimmert werden (AZ vom 1.4.). Sondern auch, weil die Umsatzausfälle in den Praxen signifikant sind. Etwa 70 Prozent pro Praxis, schätzt Lareida. «Ich habe ausgerechnet, dass das bisher mindestens 20 Millionen Franken ausmacht.» Unter dem Strich reiche das Einkommen derzeit nicht mal, um die Fixkosten zu decken. Immerhin: «Die meisten von uns haben gewisse Rücklagen und können das im Moment tragen, ohne in grosse Schwierigkeiten zu geraten.»

Trotz der Freude über die Lockerungen: Ein normaler Arbeitsalltag werde in den Arztpraxen noch eine ganze Weile nicht eintreten. «Wir müssen auch künftig in der Praxis die Corona-Hygieneregeln einhalten. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich Patienten nicht begegnen sollen – wir können die Sprechstunden also weniger dicht belegen als sonst. Geschätzt ist eine Auslastung von ungefähr 80 Prozent realistisch.»

Auch arbeitet das Personal den ganzen Tag mit chirurgischen Masken. «Die schützen nicht nur die Patienten, sondern – entgegen anderslautender Aussagen – auch uns als Maskenträger», betont Lareida. Um Masken zu sparen, werden sie in Lareidas Praxis mehrfach getragen und dazwischen im Sterilisator, den die meisten Praxen haben, aufbereitet. Die Patienten müssen keine Masken tragen: «Aber jeder vierte oder fünfte tut es sowieso.»

Was würde den Ärzten in ihrer Lage helfen? «Erstens soll sich die Bevölkerung weiterhin an die verordneten Hygienemassnahmen halten, damit wir dieses Virus möglichst schnell in den Griff bekommen», sagt der Ärzteverbandspräsident. «Zweitens erhoffen wir uns zur Verbesserung unserer finanziellen Lage, dass der Kanton endlich unseren Taxpunktwert erhöht, wie wir es schon seit 2012 fordern.»

Bundesrat sei «insgesamt etwas zögerlich»

Die bundesrätlichen Pläne zur Aufhebung des Lockdowns hält Jürg Lareida für «insgesamt etwas zögerlich», hat aber Verständnis: «Aus meiner Sicht macht es Sinn, mit dem Öffnen der Restaurants noch zuzuwarten, insofern begrüsse ich ein stufenweises Vorgehen. So ist eine Beurteilung, welche Massnahme welchen Effekt hat, möglich. Ich hätte mir allerdings vom Bundesrat mehr Fingerspitzengefühl gegenüber den Detailhändlern gewünscht. Hier wäre meiner Ansicht nach eine frühere Öffnung unter Auflagen möglich.» Was sagt Lareida zu einer möglichen Maskenpflicht? «Als Risikoperson würde ich ohne Maske sicher nicht in einen Laden gehen. Ob eine generelle Maskenpflicht für den Rest der Bevölkerung, sinnvoll wäre, halte ich für fraglich.»