Kindsentführung
Auf Facebook gilt Christian Kast als Held: «Ich spüre die Solidarität»

«Gut gemacht!» oder «Wünsche dir und deiner Familie alles Gute und viel Glück»: Der Vater der auf die Philippinen entführten Mädchen erhält auf Facebook breite Unterstützung. Er selbst sieht sich aber nicht als Held.

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Am Samstag hat Christian Kast seine beiden Töchter Alina (2) und Queen Sebell Alapag (6) aus der sozial- und heilpädagogischen Wohngruppe «Du + Ich» in Trimbach SO entführt und sie mit seiner Frau auf die Philippen geschickt. In den sozialen Medien wird er nun als Held gefeiert: «Gut gemacht!» oder «Wünsche dir und deiner Familie alles Gute und viel Glück». Viele schreiben, sie würden in einer solchen Situation gleich handeln.

Auf Facebook wird Christian Kast als Held gefeiert.

Auf Facebook wird Christian Kast als Held gefeiert.

Tele M1

Dem 46-jährigen Kast geht die Unterstützung nahe: «Dankeschön, dass es euch alle gibt und dass ihr mich unterstützt. Ich spüre diese Solidarität – ich hätte das nie gedacht», sagt er gegenüber dem Regionalsender Tele M1. Als Held sieht er sich jedoch nicht. «Ich habe nur meine Kinder mit meiner Frau aufs Flugzeug gebracht. Für das muss man kein Held sein», sagt Kast und wischt sich Tränen aus den Augen.

Den Rummel um Christian Kast in den sozialen Medien kann der Aargauer SP-Grossrat Jürg Caflisch nur bedingt verstehen. Der ehemalige Leiter einer Jugend- und Familienberater sagt, es brauche deftige Gründe, damit die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Eltern die Kinder wegnimmt: «Dazu gehören beispielsweise sehr starke Vernachlässigung, wenn auffällt, dass die Kinder viel unbeaufsichtigt sind. Oder wenn es häufig zu handfestem Streit unter den Eltern, dass sogar die Polizei ausrücken muss.»

Kast kooperiert mit den Behörden

Das Familiengericht Laufenburg hat den Eltern nach einer Gefährdungsmeldung im September 2014 die Obhut über die Kinder entzogen und diese in einem Kinderheim untergebracht. Seit März 2015 wohnten sie in der Wohngruppe «Du + Ich».

Christian Kast sagt, seine Frau habe einige Fehler gemacht. «Sie hat die Schweizer Mentalität nicht gekannt und die Kinder gingen beispielsweise alleine nach draussen zum Spielen.» Daraufhin hätten Nachbarn die Kesb angerufen.

Seine Frau habe zudem «philippinisches Temperament»: «Sie hat Sachen in der Wohnung herumgeworfen, und das just zu dem Zeitpunkt, als die Kesb zu uns nach Hause kam. Sie sahen die Unordnung und nahmen uns die Kinder gleich weg.»

Kast stört sich aber nicht nur an der Kesb, sondern auch, dass die Nachbarn nicht zuerst das Gespräch mit ihm suchten, bevor sie eine Gefährdungsmeldung bei der Kesb machten.

Kast will kooperieren

Gegen Christian und Margie Kast wurde ein Verfahren wegen Entziehen von Minderjährigen eröffnet. Gemäss Strafgesetzbuch Art. 220 kann dies mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden. Christian Kast bleibt vorläufig in der Schweiz, kooperiert mit den Behörden und will Geld verdienen, damit er irgendwann mit seiner Familie auf den Philippinen ein neues Leben anfangen kann.