Justiz

«Büsi»-Staatsanwältin im Krach mit Lenzburg: Jetzt geht sie gegen Kanton vor

Ermittlerin Christina Zumsteg hat Klage eingereicht: In Justizkreisen munkelt man über ein schlechtes Betriebsklima in der Staatsanwaltschaft Lenzburg - Aarau. 2012 hat sie wegen einer angefahrenen Katze für Aufsehen gesorgt.

Thomas Röthlin
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Staatsanwältin Zumsteg.

Staatsanwältin Zumsteg.

André Albrecht

Der Fall wurde zur Lachnummer der Nation: Die Staatsanwaltschaft Aargau ermittelte 2012 gegen zwei Polizisten, die eine angefahrene Katze ihrem Schicksal überlassen haben sollen.

Die Ermittlungen dauerten ein halbes Jahr, am Ende schaute nichts heraus: Das Verfahren wurde eingestellt. Die «Büsi-Affäre» kostete den Steuerzahler fast 5000 Franken in Form von Anwaltshonoraren für die beiden Beamten.

Politiker erzürnten sich ob dieses «Verhältnisblödsinns», war die Staatsanwaltschaft damals doch völlig überlastet. Der Fall war auch Gift für die ohnehin angespannte Beziehung der neu geschaffenen Untersuchungsbehörde zur Polizei.

Ins Schussfeld geriet mit Staatsanwältin Christina Zumsteg jene Strafermittlerin, die den Verdacht der Tierquälerei überhaupt erst geäussert hatte.

Sie musste sich insbesondere vorwerfen lassen, aus persönlicher Motivation – Tierliebe – ein Verfahren angestrengt zu haben.

Drei Monate, nachdem «Büsi-Gate» aufgeflogen war, trat Zumsteg deshalb in den Ausstand.

Das Dossier wanderte von der regionalen Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau zur Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, die den Fall im Dezember 2012 ad acta legte.

Krach mit «Lenzburg»

Jetzt gibt es einen neuen Fall Zumsteg. Die Staatsanwältin liegt im Clinch mit ihrem Arbeitgeber – und geht rechtlich gegen ihn vor.

«Die Oberstaatsanwaltschaft bestätigt, dass Frau Christina Zumsteg ein personalrechtliches Verfahren bei der kantonalen Schlichtungskommission für Personalfragen eingereicht hat», teilt die Aufsichtsbehörde der Staatsanwaltschaften auf Anfrage mit.

Die Kommission ist erste Instanz, wenn ein Staatsangestellter Streit hat mit dem Kanton. Ihr Entscheid kann ans Verwaltungsgericht weitergezogen werden.

Zum Auslöser und zum Stand des Verfahrens schweigt die Oberstaatsanwaltschaft aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes.

Allerdings bestätigt sie, dass Zumsteg «auf eigenen Wunsch hin von der Anstellungsbehörde ermöglicht wurde, für die Dauer des Verfahrens in die Staatsanwaltschaftsregion Zofingen-Kulm zu wechseln».

Die freiwillige Versetzung legt nahe: Zumsteg hat Krach mit «Lenzburg». Darauf lassen auch ihre eigenen Worte schliessen: «Ich darf diesbezüglich sagen, dass ich mich in Zofingen wohlfühle und es mir besser geht», sagt Christina Zumsteg.

Ob und wie die unselige «Büsi-Affäre» mit dem anstehenden Schlichtungsverfahren zu tun hat, bleibt allerdings im Dunkeln. Sie laufe Gefahr, so Zumsteg, «mich dem Vorwurf der Verletzung des Amtsgeheimnisses und/oder der Illoyalität auszusetzen, wenn ich mich näher dazu äussere».

Komme hinzu, dass sie, seit das Tierquälerei-Verfahren eingestellt wurde, überhaupt nichts mehr über diesen Fall sagen dürfe.

Dies verbiete ihr eine schriftliche Weisung ihrer bisherigen Vorgesetzten. Deshalb sei es ihr «auch verwehrt, irgendwelche Zusammenhänge mit weiteren Verfahren zu dementieren oder zu bestätigen».

Kein Einzelfall

In Justizkreisen wird gemunkelt, Christina Zumsteg sei ein Opfer des schlechten Betriebsklimas in der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau – und nicht das einzige.

Die Aargauer Zeitung weiss von einer weiteren Mitarbeiterin, die auf eigenen Wunsch hin von Lenzburg in die für Wirtschaftskriminalität zuständige kantonale Staatsanwaltschaft nach Aarau wechselte.

Auch sie mag nicht näher darauf eingehen und lässt einzig ausrichten: «Ich wollte von Lenzburg weg. Hier in Aarau geht es mir nun sehr gut.»

In Lenzburg soll der Zeitdruck hoch sein, worunter die juristische Qualität leide, hört man.

«Der Effizienzdruck ist für die ganze Staatsanwaltschaft angesichts der hohen Fallbelastung und der knappen Ressourcen sehr hoch», entgegnet die Oberstaatsanwaltschaft.

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau falle diesbezüglich weder hinsichtlich Effizienz und Qualität noch Arbeitsklima ab.

Die leitende Staatsanwältin Barbara Loppacher hat dieser Einschätzung «nichts hinzuzufügen». Letzten Sommer widmete sie ihren Mitarbeitern in der az ein Kränzchen für deren «Sondereffort».

Lenzburg-Aarau hatte nach dem Systemwechsel von den Bezirksämtern zu den Staatsanwaltschaften 2011 den grössten Pendenzenberg der sechs Regionen zu bewältigen.

Um diesen abzuarbeiten, wurden neue Stellen geschaffen. Ein interner Bericht vom September 2012 zeigte dann auf, dass in Lenzburg immer noch auffällig viele Strafverfahren zu lang dauerten.

Unter diesen Umständen wäre es wenig erstaunlich, wenn diese regionale Staatsanwaltschaft auch heute noch unter besonderem Druck stünde.