Coronavirus

Das Aargauer Contact Tracing ist überlastet – nun aktiviert der Kanton Zivilschützer

Das Aargauer Contact-Tracing-Center greift auf die Hilfe von Zivilschützern zurück, um Covid-Erkrankte und deren enge Kontakte zu informieren. Dies, nachdem fast mehr Erkrankte isoliert sind als Kontaktpersonen in Quarantäne.

Mark Walther
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Bereits im Mai waren Zivilschützer als Contact Tracer im Einsatz.

Bereits im Mai waren Zivilschützer als Contact Tracer im Einsatz.

zvg

Innerhalb von zwei Wochen hat sich die Fallzahl im Aargau versechsfacht: von 43 auf 255 Fälle täglich. Das Contact-Tracing-Center (Conti) ist nicht mehr in der Lage, alle Erkrankten und deren Kontaktpersonen zeitnah zu kontaktieren. Deshalb werden ab Freitag Zivilschützer im Contact Tracing eingesetzt, wie das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) am Mittwoch mitteilt. Zivilschützer halfen bereits im Mai aus, als das Conti seine Arbeit aufnahm – und viermal kleiner war als heute.

Kantonsärztin Yvonne Hummel hat weitere Massnahmen beschlossen, damit das Contact Tracing effizienter wird. Derzeit sollen Infizierte ihre engen Kontaktpersonen in einem ersten Schritt selber informieren. Neu priorisieren die Contact Tracer nach medizinischer Dringlichkeit: Wer mit Alters- und Pflegeheimen, Schulen oder sozialen Institutionen zu tun hat, wird zuerst kontaktiert. Man verzichtet bis auf Weiteres auf die Überprüfung von Meldepflicht-Verstössen. Die maximale Gesprächsdauer bei Telefonkontakten wird reduziert und die Quarantäneverfügung vereinfacht. Abklärungen von Infektionsausbrüchen werden wie bisher weitergeführt.

«Es ist möglich, dass einzelne Personen nicht zeitgerecht kontaktiert werden können», sagte Hummel am Montag. Bis die Massnahmen greifen, gilt das weiterhin. Ausserdem soll die Bevölkerung die Zahl der Kontakte reduzieren, damit sich die Ausbreitung der Pandemie verlangsamt.

Nur noch 0,2 Kontaktpersonen pro Corona-Fall

Die Überlastung der Contact Tracer hat zu der grotesken Situation geführt, dass fast gleich viele Erkrankte in Isolation sind wie Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Kurven haben sich in der letzten Woche angenähert. Am Donnerstag dürften es sogar mehr Isolierte sein.

Im Sommer schickten die Contact Tracer pro bestätigtem Corona-Fall im Durchschnitt drei bis fünf Kontaktpersonen in Quarantäne. Schon im August sank dieser Wert. Ein erstes Anzeichen für eine Überlastung, denn an den Kriterien hatte der Kanton nichts geändert. Dass die Menschen weniger direkte Kontakte pflegten, ist unwahrscheinlich.

Ende September mussten sich wieder mehr Kontaktpersonen in Quarantäne begeben. Das war genau dann, als die Zahl der Corona-Fälle zurückging. Die Contact Tracer hatten etwas mehr Luft – aber nur für kurze Zeit. Mit der zweiten Welle rasselte die Quarantäne-Quote rapide in den Keller. Diese Woche kommen auf jeden Corona-Fall noch 0,2 Kontaktpersonen. Das bedeutet: Nur bei jedem fünften positiv Getesteten muss eine Kontaktperson in Quarantäne.