Schwimmbäder

Der Aargau ist auch ein Bäderkanton

Der Schweizer Heimatschutz hat eine neue Publikation über die aussergewöhnlichsten Bäder der Schweiz herausgegeben. Fünf davon liegen im Aargau.

Silvia Schaub
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Terrassenschwimmbad Baden - Alfred Gantner (1932–34) In der Stadt Baden waren die ebenen Grundstücke im Zentrum bereits in den 1930er Jahren dicht bebaut. Aufgrund dieser räumlichen Enge musste das Freibad am äussersten Rand des Stadtgebietes an einem abschüssigen Hang an der Limmat erstellt werden. Es ist gerade die Terrassierung des Terrains, die den Reiz dieser grosszügigen Anlage ausmacht. Die Grünflächen und Bäder erstrecken sich über mehrere Ebenen: Dem markanten Eingangsbereich, an den sich die Garderobentrakte mit darauf gestellter Sonnenterrasse anschliessen, ist eine grosszügige Liegewiese vorgelagert. Auf den beiden unteren Niveaustufen befinden sich die Schwimmund Planschbereiche sowie der markante Sprungturm. Auch wenn spätere Eingriffe ihre Spuren hinterlassen haben, ist die ursprüngliche Planung des Badener Architekten Alfred Gantner im sachlichen Stil des Neuen Bauens noch heute erlebbar. Mindestens so eindrücklich wie die Anlage selbst präsentiert sich die Aussicht auf die Badener Altstadt, das bewaldete Limmatufer und die hoch über der Klus thronende Ruine Stein.
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Biobadi Biberstein - Architektur Zulauf Seippel Schweingruber (Umgestaltung 1999-2000) In der Gemeinde Biberstein bestand bereits seit 1975 ein kleines familiäres Bad in direkter Nähe zum bewaldeten Aare-Ufer. Die Neueröffnung nach der Umgestaltung im Jahre 2000 bescherte der beschaulichen Anlage jedoch plötzlich ein ungeheures Interesse: Die Gemeinde hatte durch bauliche Eingriffe den ersten öffentlichen Bio-Schwimmteich der Schweiz erstellt. Im Zuge dieser technischen Umrüstung wurde der westliche Teil des grossen Beckens abgetragen und mit einem bepflanzten Regenerationsbereich verbunden. Als Zeichen, dass hier mit künstlichen Hilfsmitteln natürliche Prozesse nachgebildet werden, haben die bekannten Landschaftsarchitekten Zulauf Seippel Schweingruber den Schwimmteich mit Holzrosten und einer zurückhaltenden Umfassung eingegrenzt. Neben dem Schwimmteich ist ein Planschbecken für die Kleinen samt Seerosenteich angelegt. Wer sich an der prächtigen Umgebung mit ihrem schönen alten Baumbestand sattsehen möchte, kann dies bei einer Stärkung im Bistro der Biobadi tun.
Schwimmbad Bünzmatt Wohlen - Dolf Schnebli (1965–67) Das Gartenbad Wohlen gehört für den bekannten Architekten Jacques Herzog zu den bedeutendsten Bauten der 1960er Jahre in der Schweiz. So bezeichnete er es in einer Würdigung von Dolf Schnebli zu dessen achtzigstem Geburtstag 2008 in der NZZ. Tatsächlich ist die grosszügige Anlage mit ihrem stattlichen Baumbestand und den Pilzen aus Sichtbeton, die den Eingangs- und Garderobenbereich prägen, beeindruckend. Ganz besonders gilt dies für die markanten Geländeaufschüttungen rund um die Schwimmbecken, mit denen Schnebli dem hohen Grundwasserpegel begegnete, sowie die skulpturale Ausgestaltung des Sprungturms und des Sportschwimmbeckens mit dem Wasserüberlauf zwischen den beiden Niveaus. In direkter Nachbarschaft finden sich übrigens zwei weitere architektonische Leckerbissen: Die Schulanlage Bünzmatt, die ebenfalls aus der Feder von Schnebli stammt, sowie die Kantonsschule von Burkard, Meyer, Steiger mit den unverkennbaren Dächern von Santiago Calatrava.
Frei- und Hallenbad Brugg - Heinz Isler (1981), Sprungtürme Froelich & Hsu Architekten (2007-09) Die Stahlbeton-Schalen von Heinz Isler gehören zugleich zu den grössten Ingenieur- wie Designleistungen der Schweizer Nachkriegsarchitektur. Erstaunlich ist die vielseitige Verwendbarkeit dieser filigranen Konstruktionen, überdachen sie doch Tankstellen, Fabriken, Tennishallen oder eben das Hallenbad Brugg. Scheinbar schwerelos überspannt das Dach eine Grundfläche von 35x35 Metern, und über die verglasten Fassaden werden das 25-Meter-Becken und der als Galerie ausgeformte Ruhebereich üppig mit Sonnenlicht beschienen. Weniger spektakulär wirkt hingegen das Freibad – wären da nicht die 2009 eingeweihten neuen Sprungtürme, die sich vom etwas beliebigen Allerlei durch ihre eigenwillige organische Form absetzen.
Aargauer Bäder

Terrassenschwimmbad Baden - Alfred Gantner (1932–34) In der Stadt Baden waren die ebenen Grundstücke im Zentrum bereits in den 1930er Jahren dicht bebaut. Aufgrund dieser räumlichen Enge musste das Freibad am äussersten Rand des Stadtgebietes an einem abschüssigen Hang an der Limmat erstellt werden. Es ist gerade die Terrassierung des Terrains, die den Reiz dieser grosszügigen Anlage ausmacht. Die Grünflächen und Bäder erstrecken sich über mehrere Ebenen: Dem markanten Eingangsbereich, an den sich die Garderobentrakte mit darauf gestellter Sonnenterrasse anschliessen, ist eine grosszügige Liegewiese vorgelagert. Auf den beiden unteren Niveaustufen befinden sich die Schwimmund Planschbereiche sowie der markante Sprungturm. Auch wenn spätere Eingriffe ihre Spuren hinterlassen haben, ist die ursprüngliche Planung des Badener Architekten Alfred Gantner im sachlichen Stil des Neuen Bauens noch heute erlebbar. Mindestens so eindrücklich wie die Anlage selbst präsentiert sich die Aussicht auf die Badener Altstadt, das bewaldete Limmatufer und die hoch über der Klus thronende Ruine Stein.

Schweizer Heimatschutz

Zur Badesaison 2012 präsentiert der Schweizer Heimatschutz seine neue Publikation «Die schönsten Bäder der Schweiz». Das handliche Büchlein im praktischen A6-Format präsentiert auf 108 reich bebilderten Seiten 51 Bäder aus allen Regionen der Schweiz.

Neben bekannten Höhepunkten der Badekultur in der Schweiz aus den letzten 150 Jahren finden sich zahlreiche versteckte Perlen, die es landauf landab noch zu entdecken gilt. Darunter sind überraschend viele Aargauer Bäder zu finden. So das Badener Terrassenbad, das Schwimmbad Aarburg, das Bünzmatt Wohlen, die Biobadi Biberstein sowie das Frei- und Hallenbad Brugg.

Der Aargau ist also nicht nur das Wasserschloss der Schweiz, er ist auch ein Bäderkanton. Und das nicht nur in Sachen Wellness-, Erlebnis- oder Thermalbäder, die in diesem Führer bewusst keinen Eingang fanden. Der Schweizer Heimatschutz hat den Fokus auf architektonische Kleinode in parkähnlicher Umgebung gelegt, alles öffentliche Bäder mit günstigen Eintrittspreisen.

Von erlebbarer Baukultur spricht Patrick Schoeck vom Schweizer Heimatschutz. Die Affinität zu Wasser liege im Aargau zwar auf der Hand, dennoch sei er erstaunt gewesen über die Vielfalt an gelungenen Bauten. Und für den international renommierten Architekt Jacques Herzog gehört das Gartenbad Bünzmatt in Wohlen von Dolf Schnebli gar zu den bedeutendsten Bauten der 1960er Jahre in der Schweiz.

Die zweisprachige Publikation (D und F) kann unter www.heimatschutz.ch/shop für Fr. 16.- bestellt werden und kommt in den nächsten Tagen auch in den Buchhandel.