Nachruf

Der frühere Aargauer Staatsarchivar Roman W. Brüschweiler ist verstorben

Ein Nachruf zum Tod des früheren Aargauer Staatsarchivars Roman W. Brüschweiler.

Hans-Peter Widmer
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Roman W. Brüschweiler.

Roman W. Brüschweiler.

Jörg Baumann

Der frühere Aargauer Staatsarchivar Roman W. Brüschweiler ist nach längerer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben. Er war ein gewissenhafter Pfleger der umfangreichen Dokumente und Sammlungen des Staatsarchivs, die das kollektive Gedächtnis des Kantons sichern, aber kein staubtrockener Aktenhüter. Seine Schlagfertigkeit und sein Sarkasmus – nicht als hinterhältiger Zyniker, sondern geistreicher Spötter – belebten manche Diskussion.

Brüschweiler kam 1934 in Wohlen auf die Welt. Wie seine beiden Brüder wählte er den akademischen Berufsweg. Nach der Matur begann er an der Universität Zürich ein Medizinstudium, bis sich «die Erbmasse durchsetzte» und er, wie sein Vater und Grossvater, in die Phil-I-Fakultät mit dem Hauptfach Geschichte zum legendären Professor Marcel Beck wechselte. Bei ihm doktorierte er 1969.

Beck schlug seinem Lieblingsstudenten eine wegen der guten Quellenlage relativ einfache Dissertation über die Rechtsverhältnisse beim Herrschaftswechsel von 1415 im habsburgischen Eigenamt vor, doch die Brüschweiler-Brüder fanden das wenig erbauend. Das neue Thema galt einer Quellenwürdigung des englischen Theologen Johannes von Salisbury aus dem 12. Jahrhundert. Roman W. Brüschweiler fand mit Unterstützung der Universität Oxford heraus, dass der hochgelobte Gelehrte keine akzentuierte eigene Meinung hatte, sondern viele Erkenntnisse bei andern abkupferte.

Brüschweiler übernahm zunächst Lehrstellen, unter anderem an der Kantonsschule Baden. 1971 wurde er Adjunkt der Aargauer Kantonsbibliothek, wo er nebenbei Zeit fand, beim hauseigenen Buchbinder dessen Handwerk zu lernen. Kantonsarchivar Jean-Jacques Siegrist machte ihn 1974 zu seiner rechten Hand. 1983 wurde er dessen Nachfolger. Im Vorfeld der Wahl gab es kritische Stimmen: Er sei Althistoriker mit zu wenig Sinn für Zeitgeschichtliches; seine wissenschaftliche Leistung habe seit der Dissertation vorwiegend aus polemischen Zeitungsartikeln bestanden.

Die Kritik ging zum Teil auf die anfänglich nicht unumstrittene neue «Aargauer Geschichte 1885–1953» des Badener Kantonsschullehrers Willy Gautschi zurück. An der Diskussion beteiligte sich Brüschweiler in kritischem Sinn. Zudem sorgte er in einer az-Kolumne mit seiner frank und frei geäusserten Meinung gelegentlich für rote Köpfe bis in höhere Hierarchiestufen. Sein Amt versah er aber bis 1998 mit Umsicht. Er brachte das Staatsarchiv in eine zeitgemässe Ordnung.

Roman W. Brüschweiler stellte sich auch für andere öffentliche Aufgaben zur Verfügung. Er präsidierte die Freiämter und die Aargauische Historische Gesellschaft und liess sich 1979 in den Gemeinderat Widen wählen. Dort übernahm er nicht das Schul-, sondern das dornenreichere Bauressort, das er mit der ihm eigenen konsequenten Haltung versah und sich damit genügend Gegner für seine Abwahl schuf. Danach zügelte er mit seiner Gattin, die vor fünf Jahren starb, nach Baden.