Vamus

Der unbekannte Verband – Pitsch Schmid vertritt 110 Aargauer Museen und Sammlungen

Als Präsident des Vamus vertritt Pitsch Schmid die Interessen von 110 Aargauer Museen und Sammlungen.

Jörg Meier
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Pitsch Schmid, der Präsident des Vamus, vor dem Forum Schlossplatz in Aarau. «Ohne die Freiwilligen müssten viele Museen schliessen», sagt er.

Pitsch Schmid, der Präsident des Vamus, vor dem Forum Schlossplatz in Aarau. «Ohne die Freiwilligen müssten viele Museen schliessen», sagt er.

ALEX SPICHALE

Pitsch Schmid ist seit zehn Jahren Präsident des Verbands Vamus. Vamus? Den Vamus kennen nur Insider. Obschon es den Verband doch schon seit 18 Jahren gibt. «Ich kann mich nicht erinnern, dass in der Presse schon mal ein richtiger Artikel über den Vamus erschienen ist», sagt Schmid.

Höchste Zeit, das zu ändern. Wir treffen uns im Forum Schlossplatz in Aarau. Ein passender Ort, ist doch das Forum auch Mitglied beim Verband Aargauer Museen und Sammlungen, abgekürzt Vamus. Der Vamus zählt rund 110 Museen und Sammlungen im Kanton als Mitglieder.

Dass es im Aargau überhaupt so viele Museen und Sammlungen gibt, überrascht. «Ja», sagt Schmid, «wir haben im Aargau tatsächlich eine hohe Dichte von kleinen, aber häufig aussergewöhnlichen Museen.» Wer weiss denn, zum Beispiel, dass in der Gutenberg-Werkstatt in Reitnau rund 20 historische Druckmaschinen stehen? Wer war schon in der Sammlung von Otto Suhner? Oder im Tabakarchiv von Fritz Springer? Wer kennt das Baggermuseum in Fisibach oder das Kutschenmuseum in Oberrohrdorf? Das alte Stellwerk in Wildegg?

«Museen, die nichts Besonderes bieten, gehen ein»

Der Vamus wirkt als Dachverband, der sich um die kleinen und mittleren Museen im Aargau kümmert. Er organisiert für die Mitglieder Museumsbesuche, Vorträge und Ausbildungen. Er ermöglicht den Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen Museen, fördert die Vernetzung untereinander und vertritt die Interessen der Mitglieder gegenüber dem Kanton.

Im Auftrag des Kantons organisiert der Vamus ausserdem den jährlich stattfindenden internationalen Museumstag. «Letztes Jahr machten insgesamt 54 Aargauer Museen mit, so viele wie in keinem anderen Kanton», sagt Schmid, rund 70 00 Besucher strömten in die Museen. Bereits laufen die Vorbereitungen für den nächsten Museumstag am 17. Mai 2020.

Bei so viel Engagement trotzdem eine kritische Frage: Braucht es denn im Aargau über 100 Museen und Sammlungen? Oder haben wir da etwa in den Ortsmuseen einfach sehr viel vom Gleichen? «Wissen Sie», sagt Schmid, «Museen, die nichts Besonderes zu bieten haben, gehen früher oder später ein.» Museen hätten dann eine Berechtigung, wenn sie etwas zeigen oder dokumentieren, was einzigartig sei – und im Fall eines Ortsmuseums, was eben spezifisch für das Dorf oder die Gegend sei. Als Beispiel nennt Schmid das junge Sandsteinmuseum in Staffelbach, das die Geschichte der Sandsteinhöhlen zum Thema hat.

«Themenorientierte Museen kommen besonders gut an und generieren ein Publikum, das manchmal von weither anreist.» Gerade im Bereich Industriegeschichte habe der Aargau viel zu bieten: «Nehmen wir das Seetal», sagt Schmid, «da gab es vor 100 Jahren eine blühende Tabakindustrie mit Dutzenden von Betrieben. Daneben das Bünztal: Keine Tabakverarbeitung, dafür war da die Strohindustrie mit tausenden von Arbeitsplätzen. Die spezifischen Museen in den Tälern halten die Erinnerung daran wach.»

Der 66-jährige Schmid, der früher Lehrer war, ist ein guter Erzähler. Wer weiss denn schon, dass die berühmte Spitzmaschine, die wir alle noch aus der Schule kennen, in Teufenthal entwickelt und gebaut worden ist?

Der Traum von der eigenen kleinen Geschäftsstelle

Im Vamus überlegt man sich auch, wie man die Museen beleben und kinder- und kundenfreundlicher gestalten könnte, tauscht sich aus über die Erfahrungen bei der Organisation von kulturellen Anlässen im Museum.

«Es ist enorm, wie viel Freiwilligenarbeit geleistet wird», sagt Schmid. Denn praktisch alle, die sich in den kleinen und mittleren Museen engagieren, tun dies ehrenamtlich. Ohne sie wäre die Aargauer Museumslandschaft sehr viel ärmer; manche Museen müssten schliessen. Auch Pitsch Schmid arbeitet ehrenamtlich für den Vamus. «Das ist kein Problem für mich, ich mache die Arbeit gerne», sagt er.

Aber man schaut sich natürlich auch an, wie es in andere Kantonen läuft. Dort erhalten ähnliche Verbände Unterstützung vom Kanton bis zu 100 000 Franken pro Jahr. «Uns würden schon 20 000 Franken pro Jahr genügen», sagt Schmid. Denn damit könnte sich der Vamus eine bescheidene, kleine Geschäftsstelle leisten.