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Diese Aargauerin träumt vom Influencer-Leben: «Ich will machen, was ich liebe»

Blanka Piskor (20) will Influencerin werden. Davon ist sie allerdings noch weit entfernt: Noch folgen Piskor nur rund 360 Personen auf Instagram. Das will sie aber ändern – und investiert viel Zeit in ihr Profil.

Nora Güdemann
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Die 20-jährige Blanka Piskor möchte unbedingt Influencerin werden...
5 Bilder
Aargauer Influencer: Blanka Piskor
...wo sie unter love_blanka über Make-Up postet.
Auch kunstvoll arrangierte Müeslischalen finden sich unter den Bildern.

Die 20-jährige Blanka Piskor möchte unbedingt Influencerin werden...

Chris Iseli

Blanka Piskors Herz schlägt für Schminke. Und fürs Schreiben. Und fürs Fotografieren. Und wo kann man diese Leidenschaften am besten kombinieren? Auf Instagram. Dort ist die 20-Jährige seit 2015 aktiv. Zusätzlich betreibt sie einen eigenen Blog. Sie postet grundsätzlich nur das, wo sie auch Lust drauf hat. Das können Make-up-Tipps oder Rezensionen zu neuen Produkten sein. Oder auch mal ernstere Themen, zum Beispiel die Objektivierung des weiblichen Körpers. «Der Blog ist mein Baby», sagt Piskor. Ihre Augen leuchten. «Mir gehen die Texte so einfach von der Hand, ich kann mich ausdrücken oder auch selbst reflektieren und vor allem Leute inspirieren.»

Noch folgen Piskor nur rund 360 Personen auf Instagram. Vom Influencer-Sein ist sie somit noch weit entfernt. «Die meisten meiner Follower sind Freunde von mir», sagt sie. Das sei natürlich schön, aber reiche ihr nicht aus. Piskor will sich eine eigene Fan-Community aufbauen, mit der sie interagieren und sich austauschen kann: «Ich möchte den Leuten helfen.» Helfen im Sinn von Make-Up-Trends kritisieren oder Produkte empfehlen. Und da sie selbst eine sehr positive Person sei, wolle sie ihren Followern einen «Happy Place», also einen glücklichen Ort, auf Instagram bieten.

Alles für die Follower

Momentan arbeitet Blanka Piskor noch in einer Online-Werbeagentur, hat sich aber für ein Sprach-Studium an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften angemeldet. Sollte es mit dem Influencer-Sein nicht klappen, will sie Dolmetscherin werden. Einen anerkannten Beruf zu haben sei ihr wichtig. Aber sie ist auch bereit, sich für ihren Traum voll auf die Instagram-Karriere und ihren Blog zu konzentrieren. «Ich will machen, was ich liebe, mein eigener Chef sein und im besten Fall Geld damit verdienen.»

In der Sommerserie «Influencer» im Aargau stellen wir diese Woche Menschen aus der Region vor, die mit unterschiedlichsten Themen über Instagram bekannt geworden sind oder dies noch vorhaben.

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Hätte sie die Möglichkeit oder genügend Follower, würde Piskor ihre gesamte Zeit für Instagram und den Blog aufwenden. Ein mutiger Entscheid. Piskor erzählt, dass einige Personen ihren Wunsch nicht nachvollziehen können. Kritische Meinungen würden sie aber nicht gross beeindrucken. Piskor unternimmt vieles, um allen zu zeigen, dass sie es schaffen kann. «Ich habe bereits bei verschiedenen Make-up-Marken angefragt, ob sie mir ihre Produkte zur Rezension schicken könnten.» Positive Antworten erhielt Piskor kaum, da sie noch zu wenige Follower hat. «Zugeschickte Produkte bekommt man meist erst ab 15 000 folgenden Personen.»

«Wolle nicht mehr perfekt sein»

Unterkriegen lässt sie sich nicht, Piskor kauft die Produkte einfach selbst. Auch, wenn das ihrem Portemonnaie manchmal wehtut. «Make-Up-Paletten von bekannten Marken sind teuer. Ein Pack mit 18 Lidschattenfarben kostet zum Beispiel 60 Franken.» Ausserdem sind in der Schweiz nicht immer alle Produkte verfügbar. Fährt Piskor in die Ferien, spart sie, um sich dort Make-Up zu kaufen. Sie hofft, dass sich ihre Mühen auszahlen. Ihre Follower sollen sehen, dass sie selbst für ihre Leidenschaft investiert und sich unter den Instagram-Influencern wirklich einen Namen machen will.

Weiter wendet Piskor viel Zeit fürs Schminken und Schreiben auf, bemüht sich, regelmässig zu posten und ästhetische Bilder zu machen.

Vor ein paar Monaten wurde ihr das aber zu viel: «Ich habe eine Pause von Instagram genommen, ich wollte nicht mehr perfekt sein.» Der Auslöser für ihren Rückzug aus den sozialen Medien: «Ich habe damit angefangen, mich mit anderen Instagrammern zu vergleichen, habe Druck gespürt, wenn ich länger nichts gepostet habe.» Laut Piskor sei Instagram lang eine «sorglose« Plattform gewesen, jetzt müsse man mehr Wert auf einen gepflegten Account legen. Piskor verbrachte fast jede freie Minute auf Instagram. «Und auch wenn ich mit Freunden unterwegs war, stand Instagram im Mittelpunkt», so Piskor. «Wir waren zusammen aber trotzdem allein, weil jeder immer am Handy hing.»

Vor kurzem fasste die 20-Jährige neuen Mut und entschied sich, wieder aktiv zu werden. Sie will immer noch Influencerin werden und ihre Liebe fürs Make-Up ist auch noch dieselbe.«Ich denke, wenn ich genug Zeit habe, mich auf Instagram und meinen Blog zu konzentrieren, nimmt der Druck auch ab.» Vor einem Aspekt des Erfolgs hat Piskor jedoch Angst: Negative Kommentare, genannt «Hate-Comments». Noch habe sie keine bekommen: «Solange es sich um konstruktive Kritik handelt, ist das in Ordnung. Und die Meinung anderer Leute ist mir auch sehr wichtig. Aber ich denke, dass mich Hate-Comments traurig machen würden.»

Doch daran will Piskor noch nicht denken, genauso wenig wie an ein mögliches Scheitern ihres Traums: «Das wäre doof, denn ich habe viel Zeit und Energie in meinen Account und die Beiträge gesteckt.» Unterstützung erhält sie von ihrer Familie, ihrem Freund und ihren Followern. «Ich glaube an meinen Erfolg», sagt sie.

Hier geht es zu Blanka Piskors Instagram-Kanal