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Dieser Aargauer Influencer will anonym bleiben – nicht einmal seine Eltern sind eingeweiht

In der Sommerserie «Influencer» im Aargau stellen wir diese Woche Menschen aus der Region vor, die mit unterschiedlichsten Themen über Instagram bekannt geworden sind oder dies noch vorhaben. Heute: Motorrad-Fan Stanzo, der auf Instagram Leute inspirieren will – sich aber nicht zu erkennen gibt.

Nora Güdemann
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Stanzo zeigt auf Instagram nie sein Gesicht.
9 Bilder
Im Vordergrund sollen die Motorräder stehen.
Stanzo, der seinen echten Namen nicht verraten will, hat 2015 die ersten Bilder auf Instagram gepostet.
«Ich wollte einfach nur mein Hobby teilen», sagt er.
Influencer im Aargau: Stanzo
«Mir geht es einfach darum, möglichst viele Menschen zu inspirieren und ihnen meine Leidenschaft näherzubringen.»

Stanzo zeigt auf Instagram nie sein Gesicht.

Stanzo/zvg

Bilder von Sonnenuntergängen, Landschaften, Parkplätzen, Stadtkulissen. Und im Vordergrund immer die gleichen Sujets: Motorräder. Das findet man auf dem Instagram-Account von «stanzo_». Er führt ihn seit knapp drei Jahren, über 12 000 Personen folgen ihm. Das sind, verglichen mit anderen Influencern wie den Aargauerinnen Raffaela Zollo (255 000) oder Arigona Bunjaku (118 000), über die wir zum Start der Serie gestern berichteten, eher wenig. Laut der Website likeometer.ch ist Stanzo aber auf Platz 1, was die Engagement-Rate betrifft. Diese zeigt an, ob jemand seine Follower auf Instagram erreichen und sie zu Gefällt-mir-Angaben und Kommentaren animieren kann.

Disziplin durch Instagram

Stanzo, der seinen echten Namen nicht verraten will, hat 2015 die ersten Bilder auf Instagram gepostet. «Ich wollte einfach nur mein Hobby teilen», sagt er. Stanzo hatte nie zum Ziel, Influencer zu werden. «Mir geht es einfach darum, möglichst viele Menschen zu inspirieren und ihnen meine Leidenschaft näherzubringen», sagt er. Und Töffs sind nicht seine einzige Leidenschaft. Auf seinem Account verbindet der junge Mann Motorräder mit Fotografie und Bildbearbeitung. Fast alle Beiträge wurden aufwendig modifiziert. «Ich mache das gerne: Töfffahren, Fotografieren und Bilder bearbeiten sind meine Hobbys.» Alle zwei Tage wende er rund 1,5 Stunden nur für die Bewirtschaftung seines Accounts auf, in der Zwischenzeit beantwortet er Nachrichten und Kommentare.

Seinen Account empfindet Stanzo als Bereicherung. «Ich lerne neue Leute kennen und kann mich mit ihnen über mein Lieblingsthema austauschen.» Er bekomme viel positives Feedback: «Manche sagen, ich sei ihr Vorbild, zeichnen Bilder für mich oder haben gar wegen mir angefangen, Töff zu fahren.» Negative Kommentare seien selten. «Ein weiterer Vorteil ist, dass mich Instagram diszipliniert», sagt Stanzo. «Wenn ich weiss, dass ich am Abend was posten muss, kann ich mich nicht einfach drücken.»

«Keiner zwingt dich»

Doch immer wieder ziehen sich Influencer aus der Öffentlichkeit zurück. Meist mit der Begründung, dass ihnen der Druck und der Aufwand zu gross wurde. Stanzo findet das verständlich. Er sagt aber auch: «Instagram ist freiwillig und keiner zwingt dich, Inhalt zu liefern.» Nur – viele Influencer verdienen Geld, indem sie Produkte in ihren Bildern oder Videos platzieren und dafür Geld bekommen. Einfach aufzuhören kann problematisch sein, wenn man sonst keine Einkommensquelle hat.

Stanzo verdient kein Geld via Instagram: «Es kommt vor, dass mir Firmen ihre Produkte schicken und dafür meine Bilder verwenden. Aber das passiert eher selten.» Der Töff-Begeisterte ist auch nicht darauf aus, grosse Marken anzulocken und sich so seinen Lebensunterhalt zu ermöglichen. «Ich arbeite im realen Leben. So komme ich zu Geld.» Er könne sich aber gut vorstellen, dass Garagen ihn auf ihren Motorrädern Probe fahren lassen, er Bilder von den Maschinen macht und diese dann auf seinem Account postet. Das sei aber Zukunftsmusik. Momentan konzentriere er sich darauf, nicht so zu sein, wie die anderen. Das gelingt ihm. Der junge Mann fährt mit seiner Töff-Crew auch gerne mal in Drachen- oder Einhornkostümen durch die Strassen, leistet sich ein paar Scherze mit Passanten oder macht wilde Kunststücke mit seiner winzigen Honda-Grom. «Vielen gefällt das», sagt er. «Ich bin nicht brav.»

Viele Geheimnisse

Trotzdem stehen bei Stanzo die Karriere und der Job an erster Stelle. Welchen Beruf er hat, will Stanzo nicht verraten. Genauso wenig wie sein Alter. Und sein Gesicht zeigen mag er auch nicht. Auf seinen Bildern versteckt er sich stets in dicker Töff-Montur, hinter Helm und Sturmmaske. Das liegt nicht etwa daran, dass ihn sonst Fan-Scharen verfolgen würden. Im Gegenteil: «Wenn mich Leute auf der Strasse erkennen, dann rede ich mit ihnen, tausche mich aus, wir drehen eine Runde.» Kontaktangst hat er also nicht. Was dann? «Ich will mich als Person einfach nicht in den Vordergrund drängen», sagt er. Ausserdem gefalle ihm die Anonymität und die dadurch entstehende Spannung. Er wollte damit einen fiktiven Charakter erschaffen: «Und man fühlt sich fast so, als wäre man ein Superheld. Mein Kostüm ist die Töff-Kombi.»

Und wie es sich für Superhelden gehört, wissen auch Stanzos Eltern nicht, dass ihr Sohn eine Instagram-Berühmtheit ist. Dafür ist seine Freundin eingeweiht, die seine Leidenschaft für Motorräder teilt und selbst ein aufstrebender Stern am Influencer-Himmel ist.